Editorial #18

lailakettenDie Tage werden kürzer, die Nächte länger  und die Bewegung kommt dabei oft etwas zu kurz. Gut, wenn es ein Unisportangebot gibt. Weniger gut, wenn dessen Nutzung mitunter nicht ganz unproblematisch ist. Wie sich der AStA zurzeit mit dem Sportangebot befasst und warum die Anlage am Venusberg nicht in jeder Hinsicht unproblematisch ist, das lest ihr in dieser Ausgabe.
Nicht jede_r fährt den Venusberg hinauf, um Sport zu machen. Einige Universitätsanlagen und Fakultäten haben dort ihren Sitz, weshalb viele Studierende tagtäglich den Weg nach oben antreten, um ihre Veranstaltungen zu besuchen. Die Stadt debattiert aktuell über das ÖPNV-Angebot dort. In diesem Zuge gibt es Vorschläge, eine Seilbahn einzurichten, insbesondere, nachdem eine der Buslinien nun wegfallen soll (wir berichteten). Hierzu haben wir einen Gastartikel.
Auch der „Effektive Altruismus“ ist Thema eines Gastbeitrags, der zudem auch auf Englisch auf unserer Webseite zu finden sein wird. Ein weiterer Gastbeitrag, der diese Ausgabe mitgestaltet, befasst sich mit der problematischen Boykottkampagne BDS und deren Aktivitäten in Bonn.
Zudem lest ihr, wie das türkische Bildungssystem ab 1933 von deutsch-jüdischen Flüchtlingen mitgestaltet wurde und habt die Möglichkeit, euch in einem Interview über die aktuelle Arbeit des AStA-Vorstandes zu informieren.
Wer Interesse an Kultur hat, sollte schnell weiterblättern, denn in dieser Ausgabe erfahrt ihr, welches Stück das Bonner Universitätstheater Shakespeare Company in dieser Saison aufführt.

Wir wünschen euch wie immer viel Spaß mit der vorliegenden Ausgabe!

Haymatloz

Deutsch-jüdische Flüchtlinge begründeten 1933 die türkische Hochschullandschaft

 von Jana Klein

Gebäude der Großen Nationalversammlung der Türkei, entworfen von Clemens Holzmeister. Quelle: Wikipedia Makrik
Gebäude der Großen Nationalversammlung der Türkei, entworfen von Clemens Holzmeister. Quelle: Wikipedia Makrik

Es ist eine weitgehend unbekannte Exil-Geschichte, die ausgerechnet jetzt, wo die Zahl der Asylanträge wegen politischer Verfolgung durch Menschen aus der Türkei wieder steigt, in Erinnerung gerufen wird. Die Kino-Dokumentation „Haymatloz“* verfolgt das Leben und Schicksal der Kinder derjenigen, die in den 30er- und 40er-Jahren, teilweise darüber hinaus, in der Türkei Universitäten aufgebaut und Fachrichtungen für die Türkei begründet haben. Wie genau kam es zu der massenhaften Ausreise in die Türkei und was haben die zumeist jüdischen Deutschen dort geleistet? Haymatloz weiterlesen

Mangelware Wegbeleuchtung

Die Sportanlage Venusberg versinkt im Dunklen

 von Laila N. Riedmiller

Ein paar dieser Lampen könnten die Lösung sein. Foto: Laila N. Riedmiller
Ein paar dieser Lampen könnten die Lösung sein. Foto: Laila N. Riedmiller

Gesund studieren, diesem Anspruch wollen viele Studierende gerne gerecht werden. Angesichts des großen und vielfältigen Sportangebots der Universität in Kooperation mit dem AStA ist dies auch leicht in die Tat umsetzbar.
Zwei große universitär betriebene Sportstätten teilen sich das Angebot in Bonn, eine davon in Castell am Römerlager und eine am Venusberg nahe der Uniklinik.
Während die Sportanlage in Castell direkt an einer vielbefahrenen Straße gelegen ist, stellt sich der Sachverhalt am Venusberg jedoch anders dar. Mangelware Wegbeleuchtung weiterlesen

Antiisraelische Boykottkampagne

…erneut zu Gast bei der Evangelischen Studierendengemeinde

 Gastartikel von Markus Diersson

Plakat mit Aufruf zum Boykott israelischer Produkte auf antiisraelischer Demonstration 2009. Foto: Glaudia Gabriela
Plakat mit Aufruf zum Boykott israelischer Produkte auf antiisraelischer Demonstration 2009. Foto: Glaudia Gabriela

Die Kampagne „Boycott, Divestment and Sanctions“ (BDS) konnte am 8. November den Film „Even though my land is burning“ von Dror Dayan in den Räumlichkeiten der Evangelischen Studierendengemeinde Bonn (ESG) in der Königstraße zeigen. Warnungen, die von mehreren Personen und Institutionen, unter anderem von Vertreter_innen des AStA-Referats für Politische Bildung, hinsichtlich des antisemitischen Charakters der Kampagne und über antisemitische Vorkommnisse am Rande früherer Vorführungen dieses Films geäußert wurden (Mailverkehr liegt vor), führten nicht zur Kündigung der Räumlichkeiten durch die ESG. Besonders bemerkenswert ist dies angesichts der Tatsache, dass bereits vor über einem Jahr Kritik an der Veranstaltung einer „Impulstagung“ des BDS geäußert wurde, die in den Räumen der ESG stattfinden konnte. Damals hatte ein Vertreter der Evangelischen Kirche im Rheinland vertröstet, man wolle die Empfehlung an die ESG aussprechen, von weiteren Raumvergaben an die BDS-Kampagne Abstand zu nehmen, weil „eine einseitige und polarisierende politische Ausrichtung auch in Zukunft nicht ausgeschlossenen werden“ könne. Antiisraelische Boykottkampagne weiterlesen

Effektiver Altruismus

oder: Gut gemeint ist nicht gut gemacht

Ein Gastartikel von Annalena Tetzner
Hochschul- & Lokalgruppe Effektiver Altruismus Bonn

stopwatch-1749080Stell dir vor, du bist Leiter*in einer Charity-Organisation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, sehr armen Kindern eine bessere Schulbildung zu ermöglichen.
Deine Mitarbeiter*innen machen verschiedene Vorschläge: An vielen Schulen muss sich die ganze Klasse ein einziges Lehrbuch teilen. Also zusätzliche Lehrbücher stiften? Aber brauchen die Kinder nicht vielmehr bessere Betreuung? An den meisten Schulen, zu denen die Organisation Kontakt hat, gibt es nur einen einzigen Lehrer. Die Schüler*innen fehlen außerdem oft, wegen leicht zu behandelnder Krankheiten wie Darmparasiten. Ist vielleicht eine Wurmkur die beste Hilfe für sie?

Auf welche Strategie setzt du? Und wie kannst du sichergehen, dass deine Organisation den Kindern wirklich hilft? Effektiver Altruismus weiterlesen

Aktuelles aus dem Sportreferat

Übernahme von Sportdisziplinen und anstehende Veranstaltungen

 von Laila N. Riedmiller

weight-lifting-1297690Mit der Verabschiedung einer neuen Personalrichtlinie durch die Universität ergaben sich zeitweise einige Probleme für den Bonner Hochschulsport. Die besagte Personalrichtlinie sieht nun vor, dass von der Uni bereits angestellte Menschen, bspw. SHKs oder WHKs, nicht mehr gleichzeitig über den Hochschulsport Kurse anbieten dürfen, wie dies in der Vergangenheit der Fall war. Dadurch bedingt wurden nun vom Sportreferat des AStA die Kurse Kanu, Triathlon, Tauchen und DLRG-Rettungsschwimmen übernommen und die dafür zuständigen Übungsleiter_innen unter Vertrag genommen, damit diese Angebote nicht zukünftig wegfallen. Aktuelles aus dem Sportreferat weiterlesen

„Oft kann man doch mehr machen, als man denkt“

Im Gespräch mit einem stellvertretenden Vorsitzenden des AStA

 von Clarissa Clever

Simon Merkt (JUSO HSG) im Büro des AStA-Vorsitz. Foto: Sam F. Johanns
Simon Merkt (JUSO HSG) im Büro des AStA-Vorsitz. Foto: Sam F. Johanns

Simon Merkt (JUSO HSG), der im 5.Semester Mathematik im Master studiert, ist in dieser Legislaturperiode zum ersten Mal im Vorsitz des AStA tätig. Im Gespräch mit der Friedrichs Wilhelm erzählt er vom Aufbau des Vorsitz und  seinen Aufgaben und Alltag.

FW: Hallo Simon. Schön Dich zu sehen. Du bist, mit Felix Krings (RCDS) zusammen, als stellvertretender Vorsitzender tätig. Aber was genau heißt stellvertretener Vorsitz eigentlich? Wie ist der Vorsitz aufgebaut?
Simon Merkt: Der Vorsitz muss, laut unserer Satzung,
aus einer Vorsitzenden oder einer Vorsitzenden und einer Stellvertreterin bzw. eines Stellvertreters bestehen. Zurzeit sind wir zwei Stellvertreter, unter denen es keine ,,Rangordnung“ gibt, wobei die Vorsitzende natürlich mehr Kompetenzen hat, als mehrere Stellvertreter. Der Rest, d.h. Aufbau und Organisation, wird selbst organisiert und abgesprochen. Man kann natürlich ,,stellvertreten“ bei Wort nehmen und nur dann handeln, wenn die Vorsitzende unpässlich ist. So haben wir das aber nicht aufgeteilt. Wir machen vieles gemeinsam und sprechen uns ab, so dass nicht immer alle, aber wenigstens einer bei Terminen oder zu den Sprechzeiten im AStA ist. „Oft kann man doch mehr machen, als man denkt“ weiterlesen

Julia Caesar

Shakespeare Company mit zeitgenössischer Interpretation des Klassikers

 Gastbeitrag der BUSC

juliacaesarwebDiesen Winter spielt die Bonn University Shakespeare Company e.V. eine moderne Inszenierung von Shakespeares politischem Klassiker, der zeitloser nicht sein könnte. Julia Caesar ist die mächtigste Frau Roms. Während sich die politische Elite in dem damit einhergehenden Status Quo langweilt, neiden einige Verschwörer Caesar ihre Position. Trotz Demonstrationen im Inneren und Terrordrohungen von außen planen sie die Ermordung Caesars im Senat. Als ihnen dies gelingt, reichen ein unentschlossener Moment und eine der besten Reden in Shakespeares Werk um die Stimmung im Volk kippen zu lassen und einen Bürgerkrieg mit ungewissem Ausgang zu entfachen.

„Julius Caesar“ ist in seiner politischen Brisanz auch heute noch relevant. Gepaart mit der Frustration über zu wenig Frauenfiguren bei Shakespeare (und leider auch in modernen Geschichten) kam dann die Idee auf, auch die Titelfigur weiblich zu besetzen. Hoch aktuell in Zeiten von Angela Merkel, Theresa May und Hillary Clinton.

Die Bonn University Shakespeare Company ist ein gemeinnütziger Verein, der vor 24 Jahren am Englischen Seminar der Uni Bonn entstand. Seitdem produziert die studentisch geprägte Laiengruppe zwei Theaterstücke im Jahr, aber begrenzt sich nicht nur auf Shakespeare.

Termine
8.,9.,10., + 12.,13.,14.,15.12. in der Brotfabrik Bühne Beuel, jeweils 20 Uhr

Hoch über dem Rhein

Eine Seilbahn für Bonn?

Ein Artikel aus der Projektstelle Kommunalpolitik des
Referates für Hochschulpolitik des AStAs

 Gastartikel von Daniel Dejcmann

In die Wolken- oder zumindest über den Rhein? Foto: Pixabay
In die Wolken- oder zumindest über den Rhein? Foto: Pixabay

Eine Seilbahn für Bonn schwelte als Thema schon seit vielen Jahren im Hintergrund. Grundgedanke für dieses in Deutschland bislang eher ungewöhnliche Verkehrsmittel ist es zum einen, in der verfahrenen Situation am Venusberg Abhilfe zu schaffen, wo mehr Busse mehr Rückstau hießen, eine Straßenbahn auch straßengebunden wäre und eine U-Bahn/Stadtbahn sich mehr als 100m in die Höhe kämpfen müsste. Anwohner*innen haben bereits eine Verkehrsinitative Venusberg gegründet und ein weiteres Wachstum des Universitätsklinikums Bonn (UKB) und der Medizinischen Fakultät unserer Universität sind absehbar.
Der andere Kerngedanke ist folgender: Durch Bonn hinweg verlaufen sechs Verkehrsachsen in Nord-Süd-Richtung. Eine Seilbahn würde eine zügige Verbindung dieser Achsen in West-Ost-Richtung schaffen. Vom Hindenburgplatz in Bad Godesberg quält man sich momentan über den Hbf rund 30 Minuten nach Ramersdorf oder zum Venusberg, während eine Seilbahn die Fahrtzeit auf die kurze, direkte Luftlinie reduzieren würde. Hoch über dem Rhein weiterlesen

Studentenverbindungen und ihre Rituale

Eine kleine Einleitung

 von Jan Bachmann

Historische Zeichnung von  C. W. Allers von 1902
Historische Zeichnung von C. W. Allers von 1902

Im studentischen Verbindungsleben gibt es zahlreiche Rituale und Bräuche. Natürlich sind diese Rituale je nach Art der Verbindung und nach Sitte in der einzelnen Verbindung sehr verschieden.

Farben und Bänder
Den meisten Studierenden dürften schon die bunten Bänder aufgefallen sein, die viele Verbindungsstudenten tragen. Während die Bänder von Burschen, also den Vollmittgliedern einer Verbindung in der Regel drei Farben haben, haben die Bänder der Füchse, also der Neumitglieder, die noch in einer Art Probezeit sind, zwei Farben. Die jeweils älteste Verbindung in einer Stadt darf die Farben Schwarz, Rot und Gold tragen. In Bonn ist dies die Burschenschaft Alemannia. Zusätzlich gibt es auch noch Uniformen, verschiedene Formen von Mützen und auch Degen, bzw. Zierdegen, da das Tragen von Degen in der Öffentlichkeit in der Regel untersagt ist. All dies wird jedoch nur selten zu wichtigen Anlässen getragen. Studentenverbindungen und ihre Rituale weiterlesen