Zwist um dezentrale Unterkunft

In Beuel gehen die Streitereien um Flüchtlingsunterkünfte in die nächste Runde

 von Jana Klein

In vollem Gange: Arbeiten an der zukünftigen Unterkunft Röhfeldstraße. Foto: jak
In vollem Gange: Arbeiten an der zukünftigen Unterkunft Röhfeldstraße. Foto: jak

45 Bewohner sollen ab November in die Beueler Röhfeldstraße ziehen. In dem alten Werksgebäude,  in dem gegenwärtig noch Umbauarbeiten in vollem Gange sind, entstehen getrennte Wohneinheiten zwischen 25 und 39 Quadratmetern. Doch nun gibt es Streit: ein Kfz-Sachverständiger, dessen Gewerbe hinter dem nun wieder Verwendung findenden Gebäude liegt, beklagt, mit dem Heim stehe seine ökonomische Existenz auf dem Spiel.

Ausführlich berichtete der General-Anzeiger über seine Befürchtungen. Der neue Zwist reiht sich ein in eine ganze Serie von Klagen, die Beueler Bürger_innen betreffend die Pläne der Stadt Bonn öffentlichkeitswirksam vorbringen konnten. Vorläufiger Höhepunkt war dabei sicher die im Frühjahr vorgebrachte Angst, in Vilich-Mühldorf müsse man womöglich bald mit einer „Ghettoisierung“ rechnen, die es dann zur Schlagzeile gebracht hatte. Aufgegriffen wurden hier Äußerungen von Bürger_innen auf einer Informationsveranstaltung der Stadt.

In der Röhfeldstraße beklagt der Gewerbetreibende, ihm blieben mit der Unterkunft, die an der Front zur Straße gelegen ist,  schon jetzt die Kund_innen weg. Außerdem fürchte er sich um ein Wegerecht über das Grundstück, über das sein Betrieb gegenwärtig erreicht werden kann. Angeblich solle bald ein Tor mit Security-Kontrollen den Zugang noch ein mal mehr erschweren. Das zumindest will der Mann bei Akteneinsicht im Bauordnungsamt erfahren haben. Doch nach Anfrage beim zuständigen Amt für Soziales und Wohnen wird es das nicht geben: da die Unterkünfte dezentrale Wohneinheiten sind, ist, wie gewöhnlich, keine Beauftragung eines Sicherheitsdienstes in Planung. So lautet zumindest die Auskunft des Amtes.

So oder so scheint der Streit sich in absehbarer Zeit vor die Gerichte zu bewegen. Der Gewerbetreibende will gleich zwei Rechtsanwälte beauftragt haben und auch bei der Stadt rechnet man mit juristischen Auseinandersetzungen. Ein Streitpunkt wird der Vorwurf sein, Bauarbeiter_innen hätten seine Wasserzufuhr mit Beton zugeschüttet. Wie auch immer dieser Rechtsstreit ausgehen dürfte: um eine öffentliche Hässlichkeit ist der Stadtteil Beuel auf jeden Fall jetzt schon reicher. „Wenn das so weitergeht, kann ich meine Firma schließen oder wir müssen umziehen“, behauptet der Kfz-Mann – zu einem Zeitpunkt, an dem an der Röhfeldstraße noch nichts auf bald einziehende Flüchtlinge hinweist, sondern einzig allein ein Baugerüst auf anscheinend laufende Geschäfte im Baugewerbe. Wie sich die Kund_innen eines Kfz-Sachverständigen, der mutmaßlich kaum bei spontaner Vorbeifahrt aufgesucht wird, von Baugerüsten oder eben auch bewohnten Apartments abschrecken lassen könnten, danach fragt der General-Anzeiger jedenfalls nicht.

In Beuel sind gegenwärtig 196 Geflüchtete in 26 Wohnungen untergebracht, was im Durchschnitt eine hohe Zahl von 7,5 Bewohner_innen pro Wohnung bedeutet. Mit zwei Containerstandorten zu 170 und 240 Plätzen richtet sich das rechtsrheinische Bonn zudem auf möglicherweise wieder steigenden Bedarf an Notaufnahmeplätzen ein. Danach scheint es jedoch zumindest in diesem Jahr nicht mehr auszusehen. Stattdessen bemühen sich die Kommunen, nach Ankunft der Flüchtlinge in Landesunterkunft und Verteilung ins kommunale Notsystem, nun zunehmend um kleinere Wohneinheiten in der Breite des Stadtgebietes.

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