Verbindungen – noch zeitgemäß?

Warum Verbindungen häufig unter einem falschen Licht betrachtet werden

Kommentar von Clarissa Clever

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NS-Propaganda gegen Studentenverbindungen. 1935
NS-Propaganda gegen Studentenverbindungen. 1935

Viele Verbindungen, beispielsweise Corps und Burschenschaften müssen sich heute immer noch mit vielen, teilweise weitreichenden Vorurteilen auseinandersetzen. Im Folgenden sollen die Vorwürfe näher beleuchtet werden und ob diese zutreffen und gerechtfertigt sind.
Zuerst sollte gesagt werden, dass es bedenklich ist allgemein über Verbindungen und Burschenschaften zu sprechen. Jede hat andere Grundsätze und Prinzipien, was eine konkrete Diskussion erschwert. Allein deshalb sind viele Vorwürfe nichts anderes als Vorurteile und sollten demnach nicht in ihrer ganzen Dimension ernst genommen werden.
Eine rein männliche Angelegenheit?
Allein schon Damenverbindungen und gemischte Verbindungen sind ein Beweis dafür, dass erschwert von Sexismus gesprochen werden kann. Damenverbindung gibt es so schon seit Beginn des 19. Jahrhunderts, also dem Zeitpunkt als Frauen erstmalig zu Universitäten zugelassen worden waren.
Die ersten gemischten Verbindungen gab es erst zum Ende der 1960iger Jahre, als sich vereinzelt rein männliche strukturierte Verbindungen lösten und Frauen aufnahmen.
Ein weiteres gängiges Vorurteil ist das des Seilschaftenprinzips, also die gegenseitige Förderung unabhängig von Leistung und Motivation. Dies ist jedoch in unserer leistungsorientierten Gesellschaft gar nicht möglich, da sehr genau auf Qualifikationen und Kompetenzen geachtet wird. Auch widerspricht der Vorwurf der Seilschaften dem Prinzip der Eigenverantwortung.

Traditionen um der Traditionen willen abzulehnen ist ein falscher Ansatzpunkt
Der Traditionsreichtum der häufig kritisiert wird, stellt einen weiteren Punkt dar, der eigentlich als positiv gewertet werden kann. In der heutigen, schnelllebigen Zeit ist es wichtig Rückbezug auf Traditionen und Bewährtes zu finden und auch an diesen festzuhalten.
Dies zeigt sich auch an der Festhaltung an altbekannten Strukturen, wie es sie schon seit Gründung der ersten Verbindung und Burschenschaft gibt. Dabei wird häufig angenommen, dass es um hierarchische Strukturen handelt, jedoch wird bei den meisten Verbindungen jedes Semester einen Vorstand gewählt, nach dem Conventsprinzip. Durch Eingliederung in einen Verein, werden soziale Kompetenzen gefördert und der Vereinssinn und Gemeinschaftsgefühl gestärkt. Dies ist ein wichtiger Aspekt in einer immer mehr selbst-zentriert, selbst-orientierten, gar egoistischen Gesellschaft. Eine Verbindung hilft anzukommen in einem fremden Umfeld, zum einen durch günstige Wohnmöglichkeiten und zum anderen durch Vereinsstruktur. Viele finden zudem Rückhalt durch den Kontakt mit Menschen mit ähnlichen Interessen, die sich in einer Verbindungen oder Burschenschaft, wie z.B. denselben Glauben oder besonderes Interesse für Musik.

Studentenverbindung heißt nicht gleich rechtsradikal
Weiterhin herrscht weitestgehend der Glaube, dass die Mehrheit der Verbindungen rechtsradikaler Natur ist. Dem ist jedoch vehement zu widersprechen. Natürlich gibt es vereinzelt Verbindungen, denen man diese politische Einstellung zusprechen kann. Jedoch sind dies nur wenige. Die Mehrheit hat sich bewusst losgesagt von rechten Mustern und arbeitet an einem Imagewechsel, z.B. mit der Gründung der ,,Neuen Deutschen Burschenschaft“.

Lebensbundprinzip – Unter Zwang für immer?
Heftigst kritisiert wird auch das Lebensbundprinzip. Ein Ausstieg sei nur sehr schwer zu bewerkstelligen und man sei gesellschaftlichen Sanktionen ausgesetzt. Dies kann ganz einfach widerlegt werden. Schon allein die Tatsache, dass eine Mitgliedschaft ein langjähriger Prozess ist spiegelt dies wieder. Auch erfolgt die Mitgliedschaft nach Eigeninitiative, d.h. ein Anwärter oder eine Anwärterin muss von sich selbst die Motivation besitzen im Verein Mitglied zu werden. Aber auch wenn die Person Mitglied ist, auch langjährig, besteht immer die Möglichkeit auszutreten. Nichts ist dort zwanghaft. Entscheidet man sich jedoch zum Bleiben, trägt man die Verantwortung den Verein zu unterstützen, damit folgende Generationen die gleichen Chancen und Möglichkeiten erhalten, die man selbst erleben durfte.

Nichtwissen und Vorurteile sind unzulänglich
Wer mit einer vorurteilsfreien Meinung an die Verbindungen und Burschenschaften herantritt wird bald merken, dass diese letzten endlich nichts anderes als eine Gemeinschaft sind, die für Zusammenhalt und Zugehörigkeit sorgen und an Traditionen festhalten. Die allgemeine Einstellung ändert sich bereits, was die steigende Popularität bei den gemäßigten Verbindungen, z.B. den katholischen Verbindungen, zeigt.

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