Hoch über dem Rhein

Eine Seilbahn für Bonn?

Ein Artikel aus der Projektstelle Kommunalpolitik des
Referates für Hochschulpolitik des AStAs

 Gastartikel von Daniel Dejcmann

In die Wolken- oder zumindest über den Rhein? Foto: Pixabay
In die Wolken- oder zumindest über den Rhein? Foto: Pixabay

Eine Seilbahn für Bonn schwelte als Thema schon seit vielen Jahren im Hintergrund. Grundgedanke für dieses in Deutschland bislang eher ungewöhnliche Verkehrsmittel ist es zum einen, in der verfahrenen Situation am Venusberg Abhilfe zu schaffen, wo mehr Busse mehr Rückstau hießen, eine Straßenbahn auch straßengebunden wäre und eine U-Bahn/Stadtbahn sich mehr als 100m in die Höhe kämpfen müsste. Anwohner*innen haben bereits eine Verkehrsinitative Venusberg gegründet und ein weiteres Wachstum des Universitätsklinikums Bonn (UKB) und der Medizinischen Fakultät unserer Universität sind absehbar.
Der andere Kerngedanke ist folgender: Durch Bonn hinweg verlaufen sechs Verkehrsachsen in Nord-Süd-Richtung. Eine Seilbahn würde eine zügige Verbindung dieser Achsen in West-Ost-Richtung schaffen. Vom Hindenburgplatz in Bad Godesberg quält man sich momentan über den Hbf rund 30 Minuten nach Ramersdorf oder zum Venusberg, während eine Seilbahn die Fahrtzeit auf die kurze, direkte Luftlinie reduzieren würde.
Im September 2015 bildete sich eine Initiative von Verkehrsverbänden und Vereinen für die Forcierung der Seilbahnplanungen in Bonn. Der AStA war durch das Referat für Ökologie schon zu dem Zeitpunkt in diesem Neunerbündnis vertreten und beantragte mit die Aufnahme der Seilbahnplanung in den Landesverkehrsplan. Im Dezember 2015 machte der Planungs- und Verkehrsausschuss des Bonner Stadtrates Ernst und gab eine Machbarkeitsstudie in Auftrag, deren Ergebnisse nach und nach in Bürgerwerkstätten vorgestellt werden, bei denen der AStA vertreten ist.

Wie würde die Seilbahn verlaufen?
In der Machbarkeitsstudie wurden in Bezug auf die Fahrgastzahlen rund zehn Trassenvarianten berechnet. Die am häufigsten diskutierte und mit am erfolgversprechendste Trasse sieht wie folgt aus: Venusberg – Hindenburgplatz – UN-Campus/Museumsmeile – Rheinaue/Posttower – Beuel-Ramersdorf. Am UN-Campus entsteht gerade ein DB-Bahnhof von dem aus in wenigen Minuten Bonn Hbf erreichbar ist, in Ramersdorf wird die S23 enden, die bis Köln-Bonn-Airport gehen wird.

Was soll der Spaß denn kosten?
Das ist noch schwer zu sagen, da die Baukosten von einer Vielzahl von Faktoren (Seilbahn an nur einem oder drei Seilen, ggf. notwendige Umführungen) abhängen. Im dritten Schritt der Machbarkeitsstudie werden jetzt die zwei aussichtsreichsten Trassenentwürfe bis Anfang kommenden Jahres komplett durchgerechnet. Als Mittel des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) und elektromobiles Mittel winken allerdings rund 90% Finanzierungszuschuss vom Land NRW.

Was springt für die Bonner Studierenden dabei direkt heraus?
Unmittelbar betroffen sind alle Studierenden, die regelmäßig zum Campus Venusberg pendeln und denen ein flexibles Verkehrsmittel eröffnet werden würde, mit einer besseren Frequenzanpassung zu Stoßzeiten. Dies betrifft die rund 3000 Studierenden der Medizinischen Fakultät sowie weitere Studierende, die im Rahmen naturwissenschaftlicher Studiengänge u.U. „nach oben“ müssen, sowie natürlich alle Studis, die die Angebote des Hochschulsports am Standort Venusberg nutzen.
Der zweite Aspekt ist die Fortentwicklung attraktiven studentischen Wohnraums: Aus Vierteln und Stadtteilen, die wir bislang eher mit „Peripherie“ assoziieren – Dottendorf, Kessenich, Ramersdorf, Limperich, Oberkassel – könnten durch eine teilweise Halbierung der Fahrtzeiten ins Stadtzentrum attraktive(re) Räume für studentisches Wohnen und Pendeln werden.

Wäre die Seilbahn im Semesterticket enthalten?
In der Machbarkeitsstudie wurden die Fahrgastzahlen anhand des Szenarios berechnet, dass die Seilbahn mit allen Zeitkarten des VRS, also auch mit dem Semesterticket ohne Aufpreis benutzbar wäre. Schlussendlich wäre dies eine Frage an die Stadtwerke Bonn (SWB), die zwar die Seilbahn nicht bauen, aber betreiben werden. Um die rund 90% Landesförderung für den Seilbahnbau zu erhalten, muss diese allerdings in den bestehenden ÖPNV integriert sein: Es spricht also vieles für eine Benutzbarkeit ohne Aufschlag.

Passen Fahrräder in eine Seilbahngondel?
Ja. Sowohl in kleinere Kabinen mit rund 20 Passagieren als auch in größere mit bis zu 35.

Was kann ich tun?
–     Informiere Dich! Die Stadt stellt unter https://www.bonn-macht-mit.de/dialog/b%C3%BCrgerdialog-seilbahn die detaillierten Präsentationen
der vergangenen Veranstaltungen zur Verfügung.

–    Misch Dich ein! Beteilige Dich am Onlinedialog auf bonn-macht-mit.de, besuche die dritte Bürgerwerkstatt der Bundesstadt (Termin wird online bekannt gegeben), sage deinem Stadtverordneten (googlebar: „Stadtverordneter         Bonn – DEIN VIERTEL“) per Mail, was Du von der Seilbahn hältst.

Nur 16% der Teilnehmer*innen an der ersten Bürgerwerkstatt waren unter 45 Jahren! Komm und senke den Schnitt!

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