Was ist die VG Wort?

… und warum das relevant ist

 von Jana Klein

Quelle: Pixabay
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Die VG Wort (sprich: Verwertungsgesellschaft Wort) ist eine Wirtschaftsvereinigung, die bestimmte finanzielle Interessen vieler Medienschaffender für diese verfolgt. Dabei handelt es sich insbesondere um Zweitverwertungsrechte von Medien, die im weitesten Sinne mit Sprache zu tun haben. Während die Anteile, die ein_e Autor_in etwa durch ein direkt verkauftes Buch erhält, vertraglich mit dem Verlag geregelt sind, entstehen viele weitere sehr unübersichtliche Nutzungskosten, zum Beispiel durch das Kopieren eines wissenschaftlichen Aufsatzes in einer Universitätsbibliothek. Weil es viel zu unübersichtlich wäre, hier jeweils im Einzelnen zu registrieren, welche Werke in welchem Umfang kopiert und genutzt werden, übernimmt die VG Wort für ihre Mitglieder diese Aufgabe: über einen komplizierten Verteilschlüssel, dem bestimmte Messverfahren für die Nutzung von urheberrechtlich geschützten Werken zugrundeliegen, schüttet die Verwertungsgesellschaft sog. Tantiemen an ihre Mitglieder aus – Gelder, die sie zuvor stellvertretend für sie eingenommen hat. Um ein riesiges Chaos und uneinheitliche Verhältnisse in der Bezahlung dieser Zweitnutzungsrechte zu vermeiden, haben sich die bei VG Wort beteiligten Gesellschaften und Medienschaffenden auf ein einheitliches Abgabenmodell geeinigt.

Die VG Wort holt aber nicht nur diese Nutzungsgebühren ein, um sie an ihre Mitglieder auszuschütten, sondern leistet beispielsweise auch Abgaben an die Künstlersozialkasse, um frei tätige Künstler_innen, Publizist_innen, Journalist_innen und Autor_innen solidarisch unter die Arme zu greifen, weil diese ansonsten oft nicht von Institutionen profitieren, die vertraglich angestellte, lohnarbeitende Menschen sozial absichern. Außerdem muss natürlich die Verwaltungstätigkeit der Gesellschaft selber finanziert werden. Im Jahr 2009 haben etwa 150.000 Autor_innen Gelder über VG Wort erhalten, nachdem diese sich und ihre Werke dort angemeldet hatten. Die im Vorjahr von der Gesellschaft eingeholten Gebühren, die dann ausgeschüttet worden sind, betrugen knapp 120 Millionen Euro, etwas mehr als die Hälfte wurde dann an Verlage und Autor_innen vergeben. Der Großteil dieser Gelder stammt aus der Abgabe für Kopierer, ein kleinerer Anteil etwa von der Verwertung von Werken in Fernsehen und Rundfunk. Wegen technologischer Veränderungen, etwa die weitere Verbreitung von Scan- und Druckgeräten im Privatbereich, führt die VG Wort Verhandlungen z.B. mit Hersteller_innen, Verbänden und anderen Beteiligten, um auch in diesen Bereichen die Rechte ihrer Mitglieder zu vertreten und mit den ausgehandelten Verträgen eine Vergütung zu erreichen, die ungefähr der tatsächlichen Nutzung der Werke der Medienschaffenden entspricht. Insofern lässt sich sagen, dass die VG Wort auf dem Markt dafür sorgt, dass mediale Produkte trotz ihrer leichten Kopierbarkeit auch angemessene Einnahmen für diejenigen einbringen, die sie herstellen.

Ein Urteil des Bundesgerichtshofes jedoch hat kürzlich erklärt, dass die Verteilungspraxis der letzten Jahre ungültig gewesen ist und entschieden, dass nur die Autor_innen der Werke, nicht aber ihre Verlage Anrecht auf Ausschüttungen haben. Weil dieses Urteil auch rückwirkend gilt, kommen auf viele Verlage nun hohe Forderungen wegen Neuverteilung zu, die sich im siebenstelligen Bereich bewegen. Das hat zu großen Verwerfungen in der VG Wort und mit den beteiligten Verlagen geführt, die nun teilweise um ihre wirtschaftliche Existenz bangen müssen, weil sie natürlich mit den Geldern der letzten Jahre kalkuliert und gearbeitet hatten. Außerdem hat das Urteil entsprechend auch Veränderungen in den Verträgen mit anderen Partner_innen ausgelöst, weil sich die Verwertungsgesellschaft nun ganz neu aufstellen muss. Die Folgen sind noch nicht zur Gänze abzusehen und die Partner_innen verhandeln noch über ihre zukünftigen Regeln ihrer Zusammenarbeit. Auswirkungen kann das auch für Studierende haben, zum Beispiel in den Uni-Bibliotheken, die Werke digital zur Verfügung stellen.

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