Interview: Besetzung der ehemaligen Botschaft des Iran in Bad Godesberg

Am Weltfrauentag am 8. März wurde von Aktivist_innen die ehemalige iranische Botschaft in Bonn – Bad Godesberg besetzt. Das Gebäude steht seit dem Jahr 2000 leer. Das folgende Interview wurde am 11. März mit einer Aktivistin vor Ort geführt.

 

FW: Hallo, Sophie. Warum wurde die ehemalige Botschaft gestern besetzt?

Sophie: Wir möchten ein Zeichen der Solidarität für die  Proteste im Iran setzten und auf die politischen Gefangenen dort aufmerksam machen. Viele von ihnen befinden sich im Hungerstreik gegen die katastrophalen Haftbedingungen und ihre unrechtmäßige Inhaftierung  generell.
Außerdem wollen wir, während die Stadt eine Shopppingmall nach der anderen baut, diesen seit fast 20 Jahren leerstehenden Raum nutzen, um dort ein selbstverwaltetes Kultur- und Bildungszentrum einzurichten.

FW: Welche Organisationen oder Gruppen stehen denn hinter der Aktion?

Sophie: Es gibt keine feste Organisation. Die  Menschen, die an der Besetzung beteiligt waren, sind in verschiedenen politischen Gruppen in Bonn aktiv. Viele sind auch in anderen Recht-auf-Stadt-Gruppen engagiert. Und  das Projekt soll auch ein Freiraum sein und lebt deshalb von den Menschen, die sich einbringen und gemeinsam mit uns den Raum nutzen und gestalten. Dafür gibt es ein offenes Plenum, das bald in regelmäßigen Abständen stattfinden soll. Wer Vorschläge beispielsweise für Veranstaltungen hat, kann dort hinkommen.

FW: Was ist hier seit gestern passiert? Wie hat die Polizei auf die Besetzung und die vor dem Gebäude Demonstrierenden reagiert?

Sophie: Am Donnerstag und Freitag war fast den ganzen Tag eine Kundgebung vor dem Haus. Es gab Essen, warme Getränke und Musik auf dem Bürgersteig. Drinnen hatten sich einige Personen verbarrikadiert und Banner entrollt. Über das ganze Gebäude verteilt waren Portraits von politischen Gefangenen aus dem Iran aufgehängt. Seit Samstag wurde das Ganze nach drinnen verlegt. Die Polizei war zwar mit einer Hundertschaft anwesend, hat sich aber nur dort aufgehalten und ist nicht direkt eingeschritten. Vermutlich fehlt ihr dafür noch die politische Handhabe – also ein Befehl das Gebäude zu räumen, z.B. sobald der Besitzer, also der iranische Staat, eine Anzeige stellt.

FW: Wie lange soll die Besetzung noch andauern?

Sophie:  Wir wollen das Gebäude dauerhaft nutzen und hier ein soziales, politisches Zentrum einrichten, von dem aus Protestaktionen geplant werden können, aber auch ein Freiraum für Kultur entstehen soll.  Von unserer Seite geht es also nicht um eine Zwischennutzung. Wir wollen ein dauerhaftes Projekt etablieren.

FW: Wofür  wollt ihr das Gebäude nutzen?

Sophie: Die Menschen, die an der Besetzung beteiligt sind, haben schon viele Ideen dafür. Gleichzeitig geht es aber auch darum, neue Menschen einzubinden und anzusprechen. Wir wollen nicht, dass das Projekt ein Raum ist, der auf andere einen verschlossenen Eindruck erweckt. Wichtig ist uns dabei allerdings auch, dass die Veranstaltungen einen progressiven Anspruch haben, und natürlich sind menschenverachtende Einstellungen wie Seximus, Rassismus, Homo- und Transfeindlichkeit  usw. nicht erwünscht. Es gibt schon viele Ideen, ein Umsonstladen, Konzert- und Proberäume, ein Kino für kritische Filme, Veranstaltungen, die sich mit sozialen Bewegungen z.B. im Iran beschäftigen, Raum für Ausstellungen usw.

FW: Wie kann man sich über den aktuellen Stand der Besetzung informieren und euch kontaktieren?

Sophie: Einfach mal vorbeischauen oder dem Institut für Anarchismusforschung eine Nachricht schicken. Online findet ihr uns unter ifabonn.blackblogs.org, auf Facebook unter LIZ Bonn oder auf Twitter unter Institut für Anarchismusforschung @IFA_AGA .

FW: Vielen Dank für das Interview!

Sophie: Danke auch!

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