Bonner Kriegsvorträge 1939-44

Über den geistigen „Kriegseinsatz der Dozentenschaft der Bonner Alma mater“

„Nur wer seine Vergangenheit ehrt, ist einer bedeutenden Zukunft würdig.“, so sagte Heinrich von Sybel, Rektor der Universität Bonn anlässlich des Jubiläums zum 50jährigen Bestehen der Universität im Jahre 1868, wo es natürlich schon genauso unangebracht und falsch war, wie 75 Jahre später, 1943, als dieses Zitat auch einer Festschrift zum 125jährigen Bestehens der Universität in einem von Rektor und Senat verfassten Vorwort vorangestellt wurde. Rektor der Universität war seit 1939 der Mineraloge Karl F. Chudoba, eben jener Rektor, er noch im gleichen Jubiläumsjahr 1943 mit Talar und Hitlergruß zur „Heldengedenkfeier“ durch den Innenhof des Hauptgebäudes schritt.

„Kriegseinsatz der Dozentenschaft“

Die Festschrift wurde veröffentlich im Rahmen einer Heftreihe, die zu den 1939 begonnenen „Kriegsvorträgen der Universität Bonn“ herausgegeben wurde. In seiner Funktion als „Gaudozentenführer“ war Rektor Chudoba auch Herausgeber der Schriftenreihe, in der insgesamt 129 Hefte erschienen.

Die „Kriegsvorträge“ selber wurden in öffentlicher Vorlesung gehalten und sind im Wesentlichen deutlich von deutscher bzw. nationalsozialistischer Ideologie geprägt. Laut Chudoba stellten die Vorträge eine Art „Kriegseinsatz der Dozentenschaft der Bonner Alma mater dar“. Freilich versah manch’ anderer Dozent seinen Kriegseinsatz auf eine wesentlich unmittelbarere Art und Weise, manch’ ehemaligen Rektor der Alma mater verschlug es bis ins „Führerhauptquartier“.

Doch wurde der totale Krieg nicht nur auf dem Land, auf dem Wasser und in der Luft geführt, sondern auch als Teil einer „ entscheidenden geistigen und weltanschaulichen Auseinandersetzung um den neuen Sinn der Geschichte“ angesehen, in deren Dienst sich die Bonner Universität nicht erst mit den Kriegsvorträgen – eine Einrichtung, die an anderen Universitäten übrigens keineswegs üblich und in ihrem Ausmaß wohl reichsweit einmalig war – gestellt hatte.

Treue zu Hitler

Bereits am 4. März 1933 hatten Bonner Professoren im General Anzeiger ihre Treue zu Adolf Hitler erklärt: „Wir unterzeichneten deutschen Universitäts- und Hochschullehrer erklären heute in aller Öffentlichkeit, dass wir in der Machtübernahme Adolf Hitlers und dem Zusammenschluß der nationalen Kräfte, die am Wiederaufbau des deutschen Volkes mit tätig sein wollen, den richtigen Weg sehen (…) Wir als deutsche Männer, als berufene Lehrer der akademischen Jugend unseres Volkes, sind überzeugt, daß es der nationalsozialistischen Bewegung in Verbindung mit allen aufbauwilligen Kräften unseres Volkes gelingen wird, auf allen Gebieten des Lebens zu dem Wandel der nationalen und sozialen Gesinnung und Handlungsweise zu kommen, die für unser Volk Grundbedingung des Wiederaufstiegs ist. (…) Wir erwarten zuversichtlich von der derzeitigen Reichsregierung unter Führung Adolf Hitlers die Gesundung unseres gesamten öffentlichen Lebens und damit die Rettung und den Wiederaufstieg Deutschlands und sind fest entschlossen, jeder an seinem Teil dafür zu wirken.“

Die Kriegsvorträge wurden von Bonner Dozenten, aber auch von Dozenten anderer Universitäten und von Mitgliedern der NS-Organisationen gehalten. Zu Wort kamen etwa der Bonner Professor für Germanistik und SS-Hauptsturmführer Karl Justus Obenauer, der im Jahre 1936 als Dekan der philosophischen Fakultät für die Aberkennung der Ehrendoktorwürde von Thomas Mann verantwortlich war oder der spätere Dekan der Philosophischen Fakultät, Kurt Tackenberg.

Fortgesetzt wurden die „Kriegsvorträge“ bis zur Schließung der Universität im Jahre 1944. Rektor Chudoba versuchte danach übrigens noch im Jahre 1945 – zu einem Zeitpunkt, an dem Bonn längst von alliierten Soldaten besetzt war – mit seinem als kriegswichtig eingestuften und nach Göttingen verlagerten Institut eine Art Exilrektorat der Bonner Universität zu besetzen. Diesen Bemühungen blieb jedoch eine „bedeutende Zukunft“ verwehrt.

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