Ehrensache

– ein Interview mit Lea von Refugees Welcome Bonn

Lea Kërçiku studiert Biologie an der Uni Bonn und ist fast seit zwei Jahren bei Refugees Welcome Bonn ehrenamtlich tätig.

fw: Was ist Refugees Welcome Bonn?

Lea: Refugees Welcome wurde von Studierenden der Uni Bonn 2012 gegründet. Das Ziel war es erstmal, Kontakt zu Geflüchteten in Bonn aufzubauen. Mit ihnen veranstalten wir kulturelle Events und Ausflüge, an denen aber auch andere Leute teilnehmen können. Zudem hat sich Refugees Welcome zu einer politischen Gruppe entwickelt. Wir organisieren Vorträge zu politischen Themen und beteiligen uns an Demonstrationen.

fw: Was sind das für Vorträge?

Lea: Zum Beispiel zu Antisemitismus oder zu Islamismus. Der iranische Oppositionelle Kazem Moussavi, der im Exil in Deutschland lebt, hat einen Vortrag über die Proteste 2018 im Iran gehalten. Moussavi hat mehrfach kritisch über Lobbyisten des iranischen Regimes berichtet und wurde deshalb mit einer Klagewelle überzogen. Refugees Welcome hat eine Spendenparty veranstaltet, um ihn bei den Prozesskosten zu unterstützen.

fw: Wie wird euer Angebot von den Geflüchteten angenommen?

Lea: Eigentlich schon gut. Die Leute aus den Geflüchtetenwohnheimen kennen unsere Gruppe und vertrauen uns. Sie kommen gerne, weil sie die Möglichkeit haben, mal etwas anderes zu machen. Wir haben bis jetzt eigentlich keine schlechten Erfahrungen gemacht.

fw: Welche Aufgaben hast du bei Refugees Welcome?

Lea: Man macht die Aufgaben, auf die man Lust hat. Früher habe ich beim Kulturcafé geholfen, dass einmal pro Monat im Kult41 stattfindet. Da war ich an der Theke oder habe bei der Organisation geholfen. Bei Ausflügen und Veranstaltungen nehme ich auch Teil. Im November habe ich vorgeschlagen, Kunstklassen für Kinder zu organisieren. Die machen wir jetzt einmal in der Woche mit Kindern aus Geflüchtetenwohnheimen.

fw: Wie viel Zeit nimmt dein Ehrenamt in etwa pro Woche ein?

Lea: Das ist unterschiedlich. In letzter Zeit brauche ich mehr Zeit dafür, weil ich mich mehr engagiere. Die Kunstklassen am Sonntag sind schon eineinhalb Stunden lang. Ich würde sagen pro Woche um die drei bis vier Stunden. Alle zwei Wochen haben wir noch für ungefähr zwei Stunden unser Gruppentreffen.

fw: Warum übst du speziell dieses Ehrenamt aus und wie bist du auf Refugees Welcome gekommen?

Lea: Ich wollte mich seit der Schulzeit für Geflüchtete engagieren und habe auch direkt als ich nach Deutschland kam, versucht mich einzusetzen. Dann war ich auf einem Konzert, dass von Refugees Welcome organisiert wurde und habe da von der Gruppe gehört. Was sie machten fand ich richtig gut und konnte mich mit den Zielen identifizieren. Ich habe die Gruppe kontaktiert und bin zu den Treffen gegangen.

fw: Würdest du sagen, dass du durch dein Ehrenamt etwas mitgenommen oder gelernt hast?

Lea: Definitiv. Das Leben ist nicht nur vom Studium abhängig. Daneben gibt es noch andere Sachen, die man machen und von denen man lernen kann. Bei Refugees Welcome wurde ich mir bestimmter Situationen bewusster und habe gelernt, Verantwortung für Personen zu übernehmen. Was ich besonders gut finde, ist, dass ich ganz viele Kontakte geknüpft habe. Ich habe auch viel über die Situation der Geflüchteten in Bonn und in Deutschland gelernt. Diese Erfahrungen haben mich mit der Zeit dazu gebracht, selbst mehr zu organisieren. Jetzt weiß ich auch, wie ich Leute kontaktieren und neue Ideen umsetzten kann.

fw: Merkst du in deinem Ehrenamt konkrete Probleme, die deine Arbeit belasten?

Lea: Wenn man irgendetwas organisieren möchte, ist es immer ein Problem, dass genug Leute mitarbeiten. Dass man die Leute motiviert ist eine Schwierigkeit.

fw: Gab es Situationen, in denen du dein Ehrenamt überlegt hast aufzugeben? Wenn ja, warum? Würdest du auch sagen, dass das Ehrenamt dein Studium negativ beeinflusst?

Lea: Eigentlich nicht. Ich denke, dieses Gefühl werde ich auch in der Zukunft nie bekommen, weil die Aufgaben mir viel Spaß bereiten. Mein Ehrenamt hat das Studium eigentlich nicht negativ beeinflusst. Vielleicht hat man dadurch weniger Freizeit oder man muss lernen, die Zeit besser zu organisieren. Ich finde es gut, wenn ich andere Sachen neben der Uni zu tun habe. Man ist effizienter, wenn man Unterschiedliches macht.

fw: Warst du in deinem Ehrenamt schon einmal mit einer Situation konfrontiert, die dich belastet haben?

Lea: Seit ich bei Refugees Welcome bin, nicht. Wir veranstalten vor allem Aktivitäten in der Gemeinschaft. Das ist eher Zeit, die man genießt und in der man Spaß hat. Bei der Caritas arbeite ich noch als freie Dolmetscherin für Albanisch. Da bin ich im direkten Kontakt mit Leuten, die im Asylverfahren sind. Da habe ich schon ein paar nicht so schöne Geschichten gehört. Man überlegt sich dann schon, was wichtig im Leben ist und was nicht. Aber mich selbst belastet das nicht zu sehr.

fw: Würdest du dein Ehrenamt weiterempfehlen?

Lea: Eigentlich gerne. Durch ehrenamtliches Engagement lernt man, nicht nur an sich selbst zu denken, sondern auch für andere. Leuten die mehr über die Geflüchtetensituation erfahren und helfen möchten, kann ich Refugees Welcome empfehlen. Die zwei, drei Stunden in der Woche sind gar nicht so viel und dadurch kann man für einige Menschen ganz viel tun.

fw: Vielen Dank!

Bildquelle: Refugees Welcome Bonn
Bildunterschrift: Refugees Welcome auf der Demo „Seebrücke Bonn – Stoppt das Sterben im Mittelmeer!“

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