Kommentar zu Game of Thrones oder das letzte Wort zur letzten Staffel.

Game of Thrones ist vorbei. Acht Staffeln lang haben wir die Welt von Eis und Feuer bereist, haben Jon Schnee durch den eiskalten Norden, Daenerys Targaryen  durch die Wüsten und Städte von Essos und alle Charaktere durch die Irrungen und Wirrungen fantastisch-feudaler Politik begleitet. Keine Staffel der Serie war dabei unter den Fans so heiß diskutiert und umstritten wie diese. Zunächst aber ein kurzer Überblick über die wichtigsten Entwicklungen in der Handlung.

Die Handlung

Die Handlung von Staffel 8 beginnt ungefähr dort, wo die der vorherigen geendet hat. Jon und Daenerys setzen ihre Truppen nach Winterfell im Norden in Marsch, um die Bedrohung durch die untoten Weißen Wanderer abzuwenden. In Winterfell deuten sich aber erste Konflikte in der Allianz der Lebenden an. Sansa Stark  verlangt die Unabhängigkeit des Nordens von den Sieben Königslanden und befürchtet, der Einfluss von Daenerys auf Jon könnte zu groß werden. Die Drachenkönigin ihrerseits vertraut Sansa nicht und weigert sich, eine Unabhängigkeit des Nordens auch nur in Betracht zu ziehen; immerhin gehört der zu den sieben Königslanden, die sie als ihr Geburtsrecht betrachtet. Stück für Stück treffen in den ersten beiden Folgen die unterschiedlichsten Charaktere ein und bereiten sich auf den Kampf gegen den Nachtkönig und seine untoten Horden vor. Auch Jaime Lennister schließt sich an und es bahnt sich eine Romanze mit Schwertmeisterin Brienne von Tarth  an. Die beiden ersten Folgen der Staffel sind dann auch noch richtig Game of Thrones, insbesondere auch Tyrion Lennister glänzt wie schon in vergangenen Staffeln, durch großartige Dialoge. Vor allem aber wird Spannung aufgebaut, denn Winterfell bereitet sich auf den Kampf gegen den Nachtkönig vor, der im Prinzip seit der ersten Folge der ersten Staffel als die eigentliche Bedrohung aufgebaut wird, die alle Machtspiele der adligen Häuser bedeutungslos erscheinen lässt. Die dritte Folge glänzt dann auch durch wunderschöne, wenn auch etwas dunkle Bilder, die durch die Musik von Ramin Djawadi untermalt werden. Die Schlacht um Winterfell beginnt und die Untoten gewinnen schnell die Oberhand. Weder die unterschiedlichen Streitkräfte der Verteidiger noch Daenerys Drachen oder die Feuerzauber der roten Priesterin Melisandre  scheinen die Untoten wirklich aufhalten zu können. Schließlich gelingt es dem Nachtkönig durchzubrechen. Bei dem Versuch, seinen Erzfeind, den hellsichtigen Brandon Stark zu töten, wird er seinerseits von der Attentäterin Arya Stark getötet.

In der nächsten Folge wird zunächst einmal der Sieg gefeiert und es gibt scheinbar einiges zu feiern, denn überraschend viele haben überlebt. Kaum ist allerdings „der große Krieg“ und die mit ihm einhergehende Feierlichkeit vorbei, wendet man sich wieder dem alltäglichen Machtgerangel zu. Jon erzählt seinen vermeintlichen Geschwistern die Wahrheit über seine Zugehörigkeit zum Königshaus und versucht, sie zugleich zum Schweigen zu verpflichten. Sansa nutzt dieses Wissen unmittelbar, um gegen Daenerys zu intrigieren, indem sie Tyrion informiert, dass Jon der rechtmäßige Thronerbe ist. Daenerys setzt nun ihre Truppen wieder Richtung Süden in Marsch, um die Hauptstadt Königsmund zu erobern und endlich den Thron zu besteigen. Sie selbst reist mit einigen Schiffen und ihren engsten Vertrauen zur Insel Drachenstein. Während der Überfahrt kommt es zum Kampf mit der Flotte von Euron Graufreud  dem es gelingt, einen der beiden Drachen mit einer Art Speerschleuder zu töten, Daenerys Vertraute Missandei (Nathalie Emmanuel) gefangen zu nehmen und sie in die Hauptstadt zu bringen. Dort wird sie später auf Befehl von Cersei Lennister ermordet, was Daenerys psychisch sichtlich destabilisiert. Die folgende Folge beginnt damit, dass der Meisterspion Varys versucht, Daenerys vergiften zu lassen und Jon zu überzeugen, an ihrer Stelle den Thron zu besteigen, um einen verlustreichen Kampf um die Hauptstadt zu verhindern. Dazu kommt es jedoch nicht, da Jon sich nicht darauf einlässt und Tyrion den Plan verrät. Schließlich wird Varys von der immer fanatischer werdenden Daenerys hingerichtet. Die Belagerung beginnt und wieder werden wir mit dem seltsamen Phänomen konfrontiert, dass sich die Verteidiger*innen nicht hinter, sondern vor der Mauer aufstellen. Lange kann das aber nicht verwirren, denn nun greift Daenerys mit ihrem letzten Drachen an und legt die gesamte Verteidigung der Stadt einschließlich Eurons Flotte und der Mauern in Schutt und Asche. Die Glocken der Stadt geben das Signal zur Kapitulation, Daenerys verliert jedoch jeglichen Halt und beginnt, die Zivilbevölkerung zu massakrieren und die Stadt niederzubrennen. Jaime Lennister versucht seine Schwester, Königin Cersei zu finden und mit ihr zu fliehen, in den Tunneln unter der Stadt werden jedoch beide von Steinen erschlagen.

Die letzte Folge beginnt mit einem Gang durch die verbrannten Straßen von Königsmund, wo kaum noch jemand lebt. Tyrion und Jon betrachten die Verwüstungen die Daenerys und der Drache Drogon angerichtet haben. Auch erfährt Jon, dass Daenerys ihren Oberbefehlshaber Grauer Wurm beauftragt hat, Gefangene zu töten, während Tyrion die Leichen seiner Geschwister Cersei und Jaime findet. Nun hält Daenerys in einem extrem militaristischen Setting ihre Siegesrede. Sie verkündet, der Krieg sei nicht zu Ende und es sei ihre Pflicht, die ganze Welt zu erobern und von Tyrannei zu befreien. Tyrion reagiert, indem er sich offen von Daenerys abwendet, worauf sie ihn von ihren Wachen abführen lässt. Jon besucht nun Tyrion, der inzwischen in einem Lagerraum eingesperrt wurde. Die ehemalige rechte Hand der Drachenkönigin versucht nun, Jon zu überzeugen, sich gegen sie zu stellen, um weitere Massaker wie das in Königsmund zu verhindern. Jon verkündet zunächst mehrmals die Treue zu seiner geliebten Königin, kann sich aber Tyrions Argumenten immer weniger entziehen. Schließlich sucht Jon Daenerys im Thronsaal auf und versucht sie zunächst davon zu überzeugen, auf weitere Gewalt zu verzichten und eine „Welt der Gnade“ zu errichten. Daenerys ihrerseits versucht, Jon von ihrem Weg zu überzeugen und ist dabei scheinbar erfolgreich. Sie und Jon küssen sich, dann jedoch tötet Jon die Königin mit einem Stich ins Herz. Der Drache Drogon betritt den Saal und ist sichtlich erzürnt über den Tod der Königin, die er ja immerhin als seine Mutter betrachtet. Überraschenderweise richtet sich sein Zorn jedoch nicht gegen Jon, sondern gegen den Eisernen Thorn, den er mit seinem Feuer schmilzt, bevor er sich Daenerys Leiche greift und davonfliegt. Anschließend gibt es einen Zeitsprung. Jon und Tyrion wurden von Daenerys ehemaligen Anhängern gefangen genommen und es kommt zu Verhandlungen des verbleibenden Adels mit Grauer Wurm, an deren Ende die Wahlmonarchie eingeführt wird, Brandon Stark zum neuen König ausgerufen wird und der Norden sich mit Sansa Stark als Königin abspaltet.

Zu viel in zu kurzer Zeit
Was war nun gut und was war schlecht? An der „handwerklichen Seite“ der Serie gibt es wenig bis gar nichts auszusetzen. Die schauspielerischen Leistungen waren, wie von Game of Thrones gewohnt großartig, Filmmusik und Bilder fantastisch aufeinander abgestimmt. Es hätte nichts gefehlt, um tief in die wunderschöne Welt von Eis und Feuer einzutauchen, wenn da nicht die vielen Logiklücken gewesen wären. Im Vergleich zu früheren Staffeln hat man das Tempo extrem erhöht. So wurden Reisen, die früher mehrere Folgen in Anspruch genommen hätten, in weniger als einer Folge abgehandelt. Zudem wurde sich keine Zeit für die Entwicklung von Charakteren genommen. Jon z.B. verliert jegliche Persönlichkeit und schrumpft auf den klischeehaften Konflikt zwischen Pflicht und Ehre. Daenerys wird innerhalb von wenigen Folgen von einer komplexen Figur auf den Archetyp der rücksichtslosen Fanatikerin reduziert, wobei selbst das nicht konsequent durchgehalten wird, denn das Niederbrennen der Stadt ergibt selbst aus ihrer Perspektive keinerlei Sinn. Schließlich wird sogar das komplette bisherige Thema der Handlung vergessen, nämlich der Kampf um die Macht. Wie ist es anders zu erklären, dass selbst jene Lords und Ladys des Reiches, die bisher auf ihre Unabhängigkeit bestanden haben, sich auf einmal aufgrund von Tyrions pathetischer Rede mit Brandon als König abfinden? Ein solches Ende passt eher zu einer Geschichte wie Herr der Ringe, deren Konzept eben nicht vor allem menschliches Machtstreben in den Fokus nimmt. Den größten Bruch mit dem eigentlichen Stil von Game of Thrones gibt es aber in Folge drei. Denn hier wird  bei der Handlung mit dem gebrochen, was Game of Thrones besonders ausgezeichnet hat, nämlich die extreme Konsequenz mit der auch Hauptcharaktere geopfert wurden. Die ganze dritte Folge besteht daraus, dass Charaktere, wie z.B. der Gelehrte Samwell Tarly (John Bradley), immer und immer wieder in aussichtslose Situationen geraten, in denen sie aller Wahrscheinlichkeit nach umkommen müssten, aber immer wieder im letzten Augenblick entkommen oder gerettet werden. Natürlich gilt das nicht für alle Charaktere, aber alle, die sterben sind Charaktere, bei denen es mehr oder weniger zu erwarten war, da ihr jeweiliger Handlungsstrang zu Ende erzählt ist. Die einzige Überraschung war, dass es Arya und nicht der als Held aufgebaute Jon war, die den Nachtkönig erschlagen und damit die Bedrohung durch die Weißen Wanderer beendet hat. Aber diese eine Überraschung und die vielen schönen Bilder können nicht über die vielen Ungereimtheiten hinwegtäuschen. Nicht nur überleben Charaktere in auffälliger Häufigkeit ausweglose Situationen, auch die Strategie der Verteidiger*innen ist denkbar unlogisch. Wenn Mauern vorhanden sind, wieso stellt man sich dann nicht dahinter, sondern davor? Wenn Katapulte und Gräben mit entzündlichem Material verfügbar sind, wieso stellt man erstere nicht hinter letztere? Und vor allem: Wieso beginnt man einen Kavallerieangriff gegen einen Gegner, der nicht nur zahlenmäßig weit überlegen ist, sondern von dem auch klar ist, dass er sich nicht in die Flucht schlagen lässt, weil er nicht in der Lage ist, Angst zu fühlen? Diese Kritik mag spitzfindig wirken, aber Game of Thrones zeichnete sich bisher immer dadurch aus, dass die Charaktere im Rahmen ihres Wissens intelligent und logisch handelten.
Alles in allem muss das Fazit leider lauten, dass die letzte Staffel wohl, freundlich formuliert, nicht zu den Besten gehört. Zu sehr wurde versucht, Schwächen in der Handlung durch ein großes Budget zu überdecken und zu sehr wurde auf Highlights, Bildgewalt und Action gesetzt. Um die Story wirklich auf einem guten Wege zu Ende zu bringen hätte es wohl deutlich mehr Zeit, weniger Hollywood und deutlich mehr George R.R. Martin gebraucht.

[Um die Story wirklich auf einem guten Wege zu Ende zu bringen hätte es wohl deutlich mehr Zeit, weniger Hollywood und deutlich mehr George R.R. Martin gebraucht.]

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