Wieder Vorwürfe in Burbach

Sexuelle Übergriffe durch Mitarbeiter auf Frauen in NRW-Flüchtlingsheim?

von Jana Klein

IMG_2212Schwere Vorwürfe werden gegen Mitarbeiter eines Burbacher Flüchtlingsheims erhoben. Diese sollen alleinstehende Frauen systematisch sexuell ausgebeutet und teilweise auch vergewaltigt haben. Die Männer vom DRK und der Security-Firma BEWA haben zu diesem Zweck mutmaßlich extra Räumlichkeiten in der Nähe der Unterkunft angemietet. Der Polizei liegen entsprechende Anzeigen vor, sie ermittelt seit Anfang Juni am Heim. Vonseiten der Siegener Staatsanwaltschaft heißt es, man beschäftige sich gegenwärtig mit möglichen Sexualdelikten.

An die Öffentlichkeit sind die Vorwürfe nun gelangt, weil zwei Zeugen im Heim von Mitarbeitern mutmaßlich wegen ihrer Zeugenaussagen schikaniert worden waren. Zu ihrem eigenen Schutze sind sie dann von einem eingeweihten Mitarbeiter der zuständigen Bezierksregierung in ein Heim in Bonn Muffendorf verlegt worden, in dem aber ebenfalls die BEWA engagiert ist. Die Security dort schmiss laut Aussage gegenüber dieser Zeitung die beiden jungen Albaner kurzerhand mit der Begründung am nächsten Morgen wieder heraus, sie hätten „Stress mit den Kollegen in Burbach“. Über die lokale Initiative Refugees Welcome Bonn e.V., die den beiden Männern dann privat eine Unterkunft verschaffte, kamen die Anschuldigungen nun ans Licht. Die friedrichs wilhelm konnte die zwei Asylbewerber und zwei Mitarbeiter aus Burbach ausführlich befragen. Im Vorlauf hatte sich der Bedienstete der Bezirksregierung, der schließlich bei der Polizei die Ermittlungen ins Rollen gebracht hatte, zunächst an die Piraten-Fraktion im Landtag NRW gewandt. Er berichtet, dass unter Anderem die Existenz der privaten Anmietung auf dem ehemaligen Kasernengelände zu besagtem Zweck unter den Mitarbeitern der Unterkunft bekannt gewesen sei. Entsprechend muss es ein größeres Netzwerk aus Tätern und Mitwissenden gegeben haben, die die nun vorgeworfenen Taten deckten bzw. sie duldeten, sollten die Vorwürfe sich bewahrheiten.

Diese indes haben es in sich: Mitarbeiter vom Deutschen Roten Kreuz und der BEWA sollen, laut Zeugenaussagen, mit alleinstehenden Frauen ein- und ausgegangen sein, sie beständig mit Alkohol versorgt und mit ihnen Geschlechtsverkehr gehabt haben. Der Verdacht steht im Raum, dass den Frauen unter Anderem Versprechungen hinsichtlich ihres Asylverfahrens gemacht worden sind. In einem anderen Fall will ein Zeuge heimlich beobachtet haben, wie eine junge Frau nach dem Konsum von von Mitarbeitern mitgebrachten alkoholischen Getränken plötzlich zu Boden gestürzt ist. Als er in die Situation eingreifen wollte, hätten ihn die Mitarbeiter von der Frau abgeschirmt und ihm Konsequenzen angedroht, wenn er darüber reden sollte. Zwei Tage sei die Frau dann fort gewesen, um dann völlig aufgelöst beim Zeugen im Zimmer wieder aufzutauchen – mit losen Erinnerungen an das, was man mit ihr angestellt hatte. Sie will völlig entkleidet in einer anderen Unterkunft zu sich gekommen sein, die Täter sollen sie dann eingeschüchtert haben, nicht über den Vorfall zu sprechen. Weitere solcher Angriffe könnten womöglich im Zuge der Ermittlungen aufgedeckt werden. Inwiefern falsche Versprechungen gegen Geschlechtsverkehr strafbar sind, wäre von einem Gericht im Einzelfall aufzuklären.

Die neuen Vorwürfe werden fast zwei Jahre, nachdem zuletzt im Kreis Siegen Sicherheitskräfte Übergriffe auf Geflüchtete begangen und damit einen Skandal ausgelöst hatten, laut. Im Gedächtnis geblieben ist etwa das Video, das einen Geflüchteten zeigt, der von Securitys dazu gezwungen wird, sich auf eine Matratze mit Erbochenem zu legen. Auf einem Handyfoto war zu sehen, wie ein Mitarbeiter einem am Boden gefesselten Flüchtling seinen Stiefel in den Nacken drückt. Schon damals erzählte ein Insider, in Burbach habe ein rechtsfreier Raum geherrscht. In Bad Berleburg, ebenfalls bei Siegen, richteten sich Vorwürfe bereits damals gegen zwei BEWA-Mitarbeiter. Ein 8-Punkte-Plan des Landes sollte als Konsequenz hieraus die Missstände unter Anderem in der Überprüfung der eingesetzten Sicherheitsmitarbeiter beheben – in Burbach unter neuer Leitung, die das DRK vom vorherigen Betreiber European Homecare übernahm. Für die Sicherheit im Heim wurden weiterhin Mitarbeiter der BEWA beschäftigt. Wie die Welt am Sonntag bereits Anfang Juni berichtete, sollen die beschlossenen Überprüfungen kaum ordnungsgemäß abgelaufen sein, 4000 von 5000 Mitarbeiter von Einrichtungen in NRW hätten noch immer nicht ihr Führungszeugnis oder ihren Nachweis hinterlegt, der sie überhaupt für eine solche Tätigkeit berechtigt. Simone Brand, Integrationspolitische Sprecherin der NRW-Piratenfraktion, steht ebenfalls mit den Zeugen in Kontakt. Sie sagt: „Wenn sich die geschilderten Vorgänge bestätigen, dann bedeutet es das gänzliche Versagen vom Innenministerium“.

Auch der Mitarbeiter der Bezirksregierung, dessen Stelle sich an der betreffenden Erstaufnahmeeinrichung Burbach befindet, sieht das so. Vereinbarte Standards und Verträge seien nicht eingehalten worden, Berichte aus Burbach unter Anderem an das Parlament seien beschönigt gewesen. Auch deshalb habe er Anfang Juni Anzeige erstattet – weil sich die Zustände trotz seines Drängens, wie er berichtet, nicht wirklich gebessert haben. Ein stellvertretender Betreuungsleiter habe jedoch wegen eines Verhältnisses zu einer geflüchteten Frau in der jüngeren Vergangenheit immerhin seine Stelle verloren. Nun fürchtet der Mitarbeiter selber Konsequenzen. Auf Nachfrage heißt es bei der Bezirksregierung Arnsberg, man habe eine „Task Force“ eingerichtet, die Befragung der eigenen Mitarbeiter hätte bislang die Vorwürfe aber nicht bestätigt: „Wir können jedoch nur dann aktiv werden, wenn uns Bewohner oder Mitarbeiter auf Missstände hinweisen und auf Nachfragen unserer Mitarbeiter offen antworten“.

2 Antworten auf „Wieder Vorwürfe in Burbach“

  1. Guten Tag Frau Klein,

    Wie wir Ihnen bereits gestern mitgeteilt haben, haben wir natürlich nicht nur mit unseren eigenen Mitarbeitern gesprochen, sondern auch mit Mitarbeitern des Betreuungsverbandes, des Sicherheitsdienstes und – und das ist besonders relevant – mit den Bewohnern der Einrichtung in Burbach.

    Wir können an dieser Stelle auch nur noch einmal alle Menschen, die etwas zur Aufklärung dieser schweren Vorwürfe beitragen können, darum bitten, sich mit der Polizei und uns in Verbindung zu setzen. Es braucht sich niemand vor Konsequenzen zu fürchten. Der Schutz und die Sicherheit der geflüchteten Menschen, aber auch aller Mitarbeiter, die uns gegenüber Missstände aufdecken können, hat für uns oberste Priorität.

    Grüße,
    Benjamin Hahn
    Pressesprecher
    Bezirksregierung Arnsberg

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