„Das Interesse an veganen Themen hat zugenommen“

 Laila N. Riedmiller im Gespräch mit der Veganen HSG

Mitglieder der Veganen Hochschulgruppe Benjamin Kolb und Anna-Lena Tetzner. Foto: S. F. Johanns
Mitglieder der Veganen Hochschulgruppe Benjamin Kolb und Anna-Lena Tetzner. Foto: S. F. Johanns

Veganismus rückt immer mehr ins Bewusstsein insbesondere der jüngeren Generationen. Trotzdem gibt es noch immer viele Vorurteile und auch Ängste, wenn es um vegane Ernährung geht. Wir haben mit der Veganen Hochschulgruppe VegActive gesprochen, die seit 2008 in Bonn existiert und im vergangenen Jahr nicht zuletzt durch viele neue Mitglieder wiederbelebt wurde. Aktuell besteht sie aus ca 12 regelmäßig aktiven Mitgliedern und einigen Interessierten. Annalena ist 22 Jahre alt und studiert Asienwissenschaften, Benjamin ist 20 Jahre alt und Mathe- und VWL-Student.

FW: Hallo, ihr zwei. Ihr habt ja gerade mit einer kleinen Werbekampagne und Flyern auf euch aufmerksam gemacht. Was sind eure Ziele als Gruppe, was wollt ihr bewegen?
Benjamin: Wir möchten Menschen, die sich für die vegane Ernährung interessieren unterstützen und zusammenbringen.

Anna-Lena: Bisher haben wir noch keine richtige Satzung, deshalb stehen die typischen Grundsatzdiskussionen noch aus. Was mir wichtig ist, ist, die Uni etwas veganer zu machen. Wir wollen das Tierleid in der Mensa gerne minimieren und erreichen, dass die verwendeten Tierprodukte zumindest „tierfreundlicher“ sind.

B: Eines unserer Projekte ist das vegane Essen in der Mensa. Fleisch und die vegetarischen Gerichte werden subventioniert, die veganen aber nicht. Deshalb sind sie im Verhältnis auch relativ teuer. Wir wollen gerne nachforschen, warum das so ist und ob man das ändern kann.

FW: Am 4. Juli habt ihr unter dem Motto „Vegan – ist das gesund?“ einen Vortrag organisiert, bei dem der vegane Ernährungsberater Dirk S. Meyer dargelegt hat, wo die Chancen und Risiken einer veganen Ernährung liegen. Warum habt ihr euch ausgerechnet für das Thema der Gesundheit entschieden?

A: Viele Veganer_innen wählen später wieder eine andere Ernährung. Damit verbunden sind ofÄngste bezüglich der eigenen Gesundheit. Studien zufolge ist auch für Nichtveganer_innen eines der häufigsten Argumente gegen eine vegane Ernährung der gesundheitliche Faktor.

B: Wir wollten vor allem auch Veganer_innen erreichen, die eventuelle Zweifel an ihrer Ernährung hegen.

A:  Dirk hat den Vortrag so gestaltet, dass möglichst jede_r noch etwas dabei lernen kann, unabhängig von der Ernährungsform. Wir wollten alle Gruppen einladen und eine möglichst vielseitige Debatte anregen.

FW: Wie war denn die Resonanz? War es voll?

A: Es waren über 80 Besucher_innen da. Etwa die Hälfte davon lebt bereits vegan, die andere Hälfte bestand aus etwas mehr Vegetarier_innen als Omnivoren. Der Vortrag war spannend, es gab viele Fragen und auch Beiträge von Menschen, die bezüglich veganer Ernährung schon einige Erfahrung haben.

B: Es gab sehr viele Möglichkeiten, Verständnisfragen zu stellen und die wurden auch genutzt.

FW: Habt ihr auf der Diskussion auch Gegenwind bekommen??

A: Nein, wir hatten aber eigentlich noch auf keiner unserer Veranstaltungen derartige Vorfälle. Die Diskussion war tatsächlich recht lebhaft und auch gemischt, wobei man aber feststellen muss, dass viele, vor allem Veganer_innen, sich schon sehr gut mit Ernährung auskannten.

FW: Wie nehmt ihr denn allgemein die Reaktionen auf eure Gruppe wahr?

B. Die Veganer_innen, die von uns wissen, freuen sich.

A: Leider kennen uns viele noch nicht, aber die Reaktionen sind eigentlich durchweg neugierig- interessiert. Viele wissen, dass ihre Ernährung Probleme verursacht und machen sich auch darüber Gedanken.

B: Natürlich hält man sich auch ein bisschen in einer veganen Blase auf, aber auch außerhalb davon sind die Leute meistens aufgeschlossen.

A: Es ist halt wichtig, nicht zu missionieren. Ich glaube, Veganer_innen brauchen auf jeden Fall eine hohe Sozialkompetenz.

FW: Hattet ihr denn als Gruppe schon Erfahrungen mit negativen Positionen?

B: Bisher eigentlich nicht, aber für Viele ist Veganismus im Geiste noch ein großer Schritt.

A: Man kann auf jeden Fall sagen, dass das Interesse an veganen Themen zugenommen hat. Kluge Tierschutzverbände haben es geschafft, dass Tierhaltung präsenter geworden ist.

FW: Welche Motivation treibt die meisten eurer Gruppe dazu, vegan zu leben und Menschen dafür zu gewinnen?

A: Es sind überwiegend tierethische Aspekte.

B: Aber natürlich spielen da auch viele andere mit hinein, ökologische, soziale oder gesundheitliche Argumente.

FW: Es gibt auch in veganen Kreisen teilweise skurrile Ansichten. Insbesondere wenn man sich mit bewusster Ernährung befasst, kann man schnell mit verschwörungstheoretischen Ansichten in Kontakt kommen. Gibt es diesbezüglich auch bei euch Debatten?

A: Bisher haben wir keine Esoteriker_innen in unseren Reihen.
Ich würde aber unterscheiden zwischen Radikalität und Esoterik. Vielfalt tut der Bewegung gut, ich finde, dass auch einige spirituelle Ansätze wie z.B. ahimsa durchaus interessant sind, und ich würde mich über ein paar Hippies sehr freuen, aber Verschwörungstheorien gehen natürlich gar nicht. Ich denke, das Kriterium der Erreichbarkeit für rationale Argumente ist tatsächlich sehr wichtig. Natürlich spielt dabei auch eine Rolle, wie wir Veganismus promoten wollen.

B: Wir beschäftigen uns gerade sehr viel mit dem Konzept des effektiven Altruismus. In dem Kontext ist es beispielsweise schon ein Fortschritt, wenn man weg von Käfigeiern hin zu Freilandeiern geht.

FW: Was würdet ihr Menschen sagen, die sich vegan ernähren wollen? Wie kann man anfangen?

A: Man sollte sich die Frage stellen, was man erreichen möchte. Sollen weniger Tiere leiden? Dann könnte man mit Hühnerprodukten anfangen. Hühner sind klein, deshalb sterben für den häufigen Konsum mehr Hühner als andere Tiere. Außerdem werden Hühner so ziemlich am schlechtesten gehalten. Man kann zu veganen Treffen kommen, Rezepte ausprobieren und vegane Menschen kennenlernen, mit denen man sich dann austauschen kann.

B: Es geht beim Veganismus nicht um moralische Perfektion, sondern darum, sich über die Konsequenzen des eigenen Handelns bewusst zu werden und die negativen zu minimieren. Wir glauben, dass vegane Ernährung die bessere Ernährung ist, aber nicht, dass Veganer_innen die besseren Menschen sind.

A: Den Satz sollten wir in unser Selbstverständnis aufnehmen. Außerdem hatte unser Referent, Dirk, eine tolle Sache: die Sieben – Tage –  Challenge. Die ist kostenlos und man kann sich sieben Tage lang vegan ernähren, bekommt Tipps und Rezepte zugeschickt. Wer sich dafür interessiert: mitmachen kann man auf einfachsovegan.de.

B: Man kann wirklich in ganz kleinen Schritten anfangen. Dann entwickelt sich irgendwann eine Selbstidentität, „Ich tu‘ was, um Tieren zu helfen.“

FW: Vielen Dank euch beiden für das Gespräch!

Die Vegane Hochschulgruppe trifft sich jeden ersten Samstag im Monat ab 15 Uhr im Cafe Mae‘s, betreibt als vegactive – vegane Hochschulgruppe Bonn einen Youtube- Channel und freut sich ausdrücklich über interessierte Nichtveganer_innen.

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