Tradition um der Tradition willen ist ein überholtes Konzept

Ein kritischer Blick auf das Verbindungswesen

Kommentar von Laila N. Riedmiller

Karikatur: Jan Bachmann
Karikatur: Jan Bachmann

Zu Beginn soll klargestellt werden, dass dieser Artikel nicht den Anspruch erhebt, sich in aller Vollständigkeit mit allen Phänomenen von Verbindungen, Corps und Burschenschaften auseinanderzusetzen. Hierfür wären wesentlich mehr als 4000 Zeichen erforderlich.
Allerdings sollen einige der Argumente zusammengefasst und beleuchtet werden, die im Allgemeinen als Kritikpunkte an Verbindungen und Burschenschaften herangetragen werden. Wenn ich im Folgenden von „Verbindungen etc.“ spreche, soll dies auch Burschenschaften der Einfachheit halber mit einschließen, natürlich jedoch in dem Bewusstsein, dass eine Pauschalisierung gleich welcher Art Teil des Problems bei der Debatte über studentische Verbindungen ist und kein Teil der Lösung. Tradition um der Tradition willen ist ein überholtes Konzept weiterlesen

Unis tun sich manchmal schwer mit ihren Purschen

2015 wurde die Jubiläumsfeier der Bochumer Ruhr-Uni von Protesten überschattet

von  Jana Klein

Man dulde keine fremdenfeindlichen, rassistischen oder rechtsextremen Tendenzen, keinen Links- oder Ausländerextremismus, keine frauenfeindliche oder sexistische Propaganda auf der 50-Jahr-Feier, so hatte es in der „Streckenordnung“ der Bochumer Ruhr-Universität letztes Jahr geheißen. Doch unter den 1200 Ständen, die dann die Route zwischen der Uni und der Bochumer Innenstadt säumten, waren auch solche diverser Burschenschaften. Das hatte bereits im Vorfeld der Feierlichkeiten für Protest unter Studierenden und Mitarbeiter_innen der Universität gesorgt. Als sich die Universitätsleitung auf die Forderungen nach Ausschluss der problematischen Gruppen, unter ihnen etwa die Prager Burschenschaft Arminia zu Bochum, Mitglied im rechten Dachverband „Deutsche Burschenschaft“, nicht einließ, kündigten diverse Gruppen Protest an. Unis tun sich manchmal schwer mit ihren Purschen weiterlesen

Karneval: Der Frohsinn als eingetragenen Verein

Ein paar Tipps für alle, die nicht Jeck sind

 von Clarissa Clever

Ist Karneval für dich ein Grauen? Kein Grund direkt zur Kreissäge zu greifen!
Ist Karneval für dich ein Grauen? Kein Grund direkt zur Kreissäge zu greifen!

Bald beginnt sie wieder- die Karnevalszeit. Für manche die fünfte Jahreszeit, in der gefeiert wird was das Zeug hält, für andere eine Zeit, in der man die Wohnung so gut es geht nicht verlässt. Oder direkt ganz aus der Stadt flüchtet.
Dieser Artikel soll ein paar grundlegende Tipps für alle geben, die nicht aus dem Rheinland stammen und keine Jecken sind, aber auch für diejenigen, die das große Leid tragen müssen und kurz nach Karneval eine Klausur schreiben müssen.
Zuerst sollte man sich informieren, wo die Umzüge der Stadt hergehen und diese Orte, zu der Zeit sowieso, aber auch davor und danach vermeiden. Dort wird mächtig was los sein und es mag für Manche wie ein Abenteuer erscheinen, die Menschenmassen zu durchqueren. Karneval: Der Frohsinn als eingetragenen Verein weiterlesen

Über den Einfluss des Islam

Warum Koranverteilungen nicht das Problem sind

Gastartikel von Hendrik Erz

Bau der Zentralmoschee in Köln. Foto: Thorsten Hansen
Bau der Zentralmoschee in Köln. Foto: Thorsten Hansen

Vor ein paar Wochen haben die Tagesthemen eine Grafik aus dem ARD-DeutschlandTREND von infratest dimap (Oktober 2016) in den sozialen Netzwerken verbreitet, in welchem unter dem Titel „Sorgen wegen des Flüchtlingszugangs“ drei Aussagen mit ihrer Zustimmungsrate dargestellt wurden. Am höchsten wurde dabei die Aussage „der Einfluss des Islam wird zu stark“ mit 56 Prozent bejaht.
Schauen wir uns die Datengrundlage an, wird schnell klar, woher der Wind weht. Aus der Grundgesamtheit (alle Wahlberechtigten über 18 Jahren) wurde eine Stichprobe anhand der Telefonnummern gezogen, eine Auswahlmethode, die mehr und mehr die Generation der unter-35-jährigen systematisch benachteiligt, da von dieser Generation kaum noch jemand ein Festnetz-Telefon hat. Die Relation der Telefonnummern war dann auch 70 Prozent Festnetzanschlüsse zu 30 Prozent Mobilfunkanschlüsse. Das heißt, die hohe Zustimmungsrate zur Sorge vor zu großem Einfluss des Islam generiert sich aus der Befragung vornehmlich konservativ eingestellter Personen, welche — und das ist mittlerweile nun kein Geheimnis mehr — natürlich eher Sorge vor dem Islam haben. Über den Einfluss des Islam weiterlesen

Bericht aus Übersee

 Politische Eindrücke zur Vorwahlstimmung in den USA

Gastartikel von Jakob Strohmaier

ladylibertyEs ist Montag, der 26. September, 20 Uhr: Meine Gastschwester öffnet eine Flasche Sekt und schenkt ein. Wir sitzen vor dem Fernseher und schauen „The debate“. Das Highlight des Tages, die Kinder sind schon ins Bett gebracht worden, die Erwachsenen schauen sich jetzt 90 Minuten wegweisende Diskussion über die Zukunft ihres Landes an.“Wrong!“ hört man Donald Trump seiner Rivalin ins Wort fallen. Was als seriöse politische Debatte beginnt wird, driftet nach wenigen Minuten in Kindergarten-Gesprächskultur ab. Dafür hätte man die Kinder nicht ins Bett schicken müssen. Bericht aus Übersee weiterlesen

Stöcke statt Besen

Wenn der Hofgarten zum Quidditchfeld wird

 von Laila N. Riedmiller

Ein brutaler Kontaktsport? Foto: Sam F. J.
Ein brutaler Kontaktsport? Foto: Sam F. J.

Wer nach 1985 geboren wurde, hatte in der späten Kindheit vermutlich irgendwann die grausame Erkenntnis, dass der Brief aus Hogwarts nie verloren ging, sondern gar nicht erst verschickt wurde. Nichtsdestotrotz prägte Harry Potter inzwischen mehrere Generationen und die Geschichte des Zauberlehrlings, der gegen das Böse kämpft, inspiriert auch außerhalb der Bücher und Filme.

So haben sich vor circa 10 Jahren insbesondere in den USA und Kanada vermehrt Menschen zusammengefunden, die aus der berühmten auf Besen gespielten Sportart Quiddich eine realitätstaugliche Version entwickelt haben. Stöcke statt Besen weiterlesen

Bald Schluss mit „Lies!“-Ständen?

Land und Kommunen prüfen Maßnahmen gegen Salafisten

von Yasemin Yaşar

Nach dem Willen der FDP-Fraktion im Landtag könnte bald Schluss sein mit den Koran-Verteilaktionen von „Lies!“. Das vom Kölner „Prediger“ Ibrahim Abou-Nagie gesteuerte Netzwerk, das mittlerweile europaweit in Fußgängerzonen wie auch in Bonn Korane verteilt, ist im Visier der Behörden, weil ihm Verbindungen zum dschihadistischen Salafismus nachgesagt werden. Doch nicht nur der Plan der FDP, das Land NRW beim Bund ein bundesweites Vereinsverbot beantragen zu lassen, könnte das nahestehende Aus der Verteilaktionen bedeuten. Bald Schluss mit „Lies!“-Ständen? weiterlesen

Selbstverteidigungssystem Krav Maga

Ich habe mich würgen und boxen lassen, um für den Ernstfall zu proben

von Jana Klein

kravmagawebKrav Maga ist der neue Hype. Überall sprießen kleine Schulen aus dem Boden. Man kann im TV einem Sanitäter dabei zusehen, wie er in voller Arbeitsmontur in einer gestellten Szene in eine Kneipe gerufen und dort von einem Aggressor attackiert wird – und wie er sich erfolgreich in dieser Umgebung dagegen wehrt. Carolin Kebekus tänzelt und schreit auf dem Bildschirm vor sich hin – und tritt dem Angreifer in die durch eine Pratze geschützten Eier. Grund genug für den friedrichs wilhelm, den neuen Trendsport einmal auszuprobieren.

Vorweg: Krav Maga ist gar kein Sport. Krav Maga, das auf hebräisch so viel wie „Kontaktkampf“ heißt, wurde zur Zeit der faschistischen Schwemme in Europa erfunden, damit Juden und Jüdinnen sich effektiv gegen Übergriffe zur Wehr setzen konnten. Imi Lichtenfeld soll, der Legende nach, bei einem Angriff von Antisemiten eine Verteidigungstechnik angewandt haben, die er niemals zuvor in Sportarten wie dem Boxen gelernt hatte. Selbstverteidigungssystem Krav Maga weiterlesen

Das Fastenbrechen in der DITIB-Moschee

In der letzten Woche des Ramadan besuchte ich m it Freunden ein Fastenbrechen in der Bonner DITIB-Moschee

Ein persönlicher Erlebnisbericht von Samuel F. Johanns.

moscheeEs ist der Dienstagabend des 28.06. Mit einem Bekannten sind wir zur DITIB-Moschee eingeladen worden. Unser Weg führt uns an der Bahnstrecke entlang zum Hochstadenring 43, wo die Türkisch-Islamische Gemeinde zu Bonn e.V seit 2010 an der Errichtung der Moschee arbeitet. Vor dem Eingang treffen wir unseren Kollegen Onur Özgen aus dem Sozialreferat des AStA, der uns eingeladen hat. Uns begrüßt ein kleines Minarett mit neongrünen Leuchten an der Spitze, welche für mitteleuropäische Augen oft als nahezu kitschige Farbgestaltung beschrieben wird. Der Andrang zur Essensausgabe ist ausgesprochen groß. Onur schätzt die Zahl der Teilnehmer dieses Abends auf ca. 600 Personen. Viele Geflüchtete seien unter den Leuten in der Schlange, man habe hier Leute aus insgesamt über 30 verschiedenen Nationen. Der Hunger ist vielen Menschen anzusehen und es ist mir unangenehm, da ich kein Muslim bin und daher auch nicht faste, vor jemand Hungrigem in der Schlange zu stehen. Das Fastenbrechen in der DITIB-Moschee weiterlesen

„…aber können sie uns nicht wenigstens den Fußball lassen?“  

Claudia Neumann erdreistet sich – Spielreportage als Frau

von Samuel F. Johanns

Übliche misogyne Ressentiments in sozialen Netzwerken
Übliche misogyne Ressentiments in sozialen Netzwerken

Dass der (Männer-)Fußball auch eine Petrischale zur Züchtung maskulinistischer Ressentiments wie Misogynie und Homophobie darstellt, ist allgemein bekannt. Wie sich dies konkret äußert durfte Sportjournalistin Claudia Neumann feststellen, als sie sich erdreistete zwei EM-Spiele zu kommentieren und gleichzeitig eine Frau zu sein und daraufhin herablassende, reduzierende und sexualisierte Beleidigungen und Drohungen im Internet zu vernehmen bekam. Die Vorrunde der EM ist gerade gespielt und das Event hat bereits zwei Shitstorms in Deutschland hervorgebracht (siehe letzte Ausgabe zum rechten Shitstorm auf Post der GJ-RLP). „…aber können sie uns nicht wenigstens den Fußball lassen?“   weiterlesen