Eine Anklage, ein Video, ein Freispruch

Wenn ein mögliches Opfer zur Täterin gemacht wird

 von Laila N. Riedmiller

Die Kölner Silvesternacht hat zu einem Umdenken geführt. Vergewaltigungen werden endlich bestraft, Opfer sexueller Übergriffe von der Gesellschaft gestützt und vor den Täter_innen geschützt. Die Gerichte gehen selbstkritisch und vorsichtig mit dem Thema um. Niemand nutzt Vergewaltigungen aus, um sich auf Kosten der Opfer zu amüsieren.

Es wäre schön, wenn all dies zuträfe. Wenn all jene, die in der ersten Januarwoche empört auf Geflüchtete zeigten, sich nun ganz selbstverständlich hinter Gina-Lisa Lohfink stellen würden. „Eine Anklage, ein Video, ein Freispruch“ weiterlesen

Kolumne: Aus der Waffenkammer der Welteroberung

 von Jana Klein

Angriff der Klongrieger. Foto: jak
Angriff der Klongrieger? Foto: jak

H&M Man ist super. Das ist der H&M-Laden, in dem ausschließlich die Herrenabteilung zu finden ist. Nicht nur, dass man sich hier mit tollen Klamotten aus der Welt hinter der Grenze zum männlichen Spektrum eindecken kann – Kleider, die für Stärke, Autonomie, Standfestigkeit, Selbstständigkeit stehen, für den Eroberer, der in die Welt hinausschreitet, seine 7 nötigsten Sachen in seinen 7 Hosen- und Hemdtaschen – nein, H&M Man ist auch der perfekte Ort zum Beobachten des dazu passenden männlichen Verhaltens. „Kolumne: Aus der Waffenkammer der Welteroberung“ weiterlesen

Urteil im Streit um den Frankfurter Pick-Up-Artist

Ein Frankfurter Pick-Up-Artist hatte in den vergangenen Monaten gegen den AStA Frankfurt geklagt, weil dieser in einem Artikel über den Sexismus der Pick-Up-Szene dessenNamen genannt hatte. Daraufhin durfte der AStA den Text nicht weiter publizieren (wir berichteten). In der Folge stellten sich mehrere ASten und Hochschulgruppen verschiedener Universitäten hinter den Frankfurter AStA und sprachen sich für eine Erlaubnis zur Veröffentlichung aus. Einige griffen das Thema selbst auf (so auch der fw) oder verbreiteten die entsprechenden Artikel. Im März klagte der PUA gegen mehrere Organisationen, unter anderem auch gegen ein Mitglied der Kölner Grünen Hochschulgruppe. Nun entschied das Kölner Oberlandesgericht, dass die Hochschulgruppe die kritischen Artikel nicht von der Webseite nehmen muss.

Der neue AStA wird gewählt

von Clarissa Clever

Nachdem im Januar 2016 das neue Studierendenparlament gewählt wurde, stand nach einer viermonatigen Verhandlung zwischen den im Parlament vertretenden Hochschulgruppen die alljährliche Wahl des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) an. Zur AStA-Vorsitzenden wurde Alena Schmitz (Grüne Hochschulgruppe) gewählt. Sie wird in ihrer Arbeit von den beiden stellvertretenden AStA-Vorsitzenden Felix Krings (Ring Christlich-Demokratischer Studenten) und Simon Merkt (Juso-Hochschulgruppe) unterstützt. Für die Finanzen der Studierendenschaft wird Mika Beele (Juso-Hochschulgruppe) verantwortlich sein. Dieser wurde auf Vorschlag von Alena vom Studierendenparlament gewählt. „Der neue AStA wird gewählt“ weiterlesen

Von Fahrrädern und Biotüten

Am ,,Tag des kaputten Fahrrads“, der dieses Jahr schon zum zweiten Mal stattfindet, treffe ich mich mit Chantal Zinke, Referentin des Referats für Ökologie und Mobilität, im Innenhof des Hauptgebäudes.

von Clarissa Clever

Foto: Sam F. J.
Foto: Sam F. J.

FW: Hallo Chantal, erstmal Herzlichen Glückwunsch zur Wiederwahl! Wie lange arbeitest du schon im Ökologie-Referat?

C.: Vielen Dank. Jetzt sind es bestimmt schon dreieinhalb Jahre. Referentin bin ich jedoch erst seit September letzten Jahres.

FW: Warum engagierst du dich gerade im Öko-Referat?

C.: Ich denke, dass es so am besten möglich ist, im Bereich Nachhaltigkeit Einfluss auszuüben und Studierende auf das Thema aufmerksam zu machen, z.B. hatten wir, als die Klimakonferenz war, eine Infoveranstaltung zu diesem Thema. Mir ist es auch wichtig innerhalb des Referats aktuell zu bleiben.

FW: Was organisiert und bietet ihr denn so an? „Von Fahrrädern und Biotüten“ weiterlesen

Editorial #11

lailakettenDer Fall Böhmermann beschäftigte die Bonner Presselandschaft über mehrere Wochen. Dabei wurde der türkische Präsident Erdogan scharf kritisiert. Doch auch in anderen Bereichen sind vermehrt Einflüsse Erdogans und der türkischen konservativen bis rechten Gruppierungen zu spüren. So löscht Facebook im deutschsprachigen Raum wiederholt Beiträge, die kurdische Symbolik einbetten. Außerdem werden an westdeutschen Universitäten immer wieder Stimmen türkischer Rechtsaußen laut, die in Form von Vorträgen oder auch Ausstellungen versuchen, rechte und islamistische Positionen nach außen zu tragen. Insbesondere Universitäten im Ruhrpott sind davon betroffen. Doch politische Einflussnahme findet auch in anderen Ländern an Universitäten statt. So versuchen Rechtspopulist_innen auch in Österreich, allen voran die FPÖ, sich an Universitäten zu Wort zu melden. Derweil ist in Bonn noch immer die Hausbesetzung Thema. Wir haben mit Stadt und Polizei gesprochen und den aktuellen Stand zusammengefasst. Außerdem beschäftigen wir uns mit Joachim Gauck und dem Zustand neuer Smartphones. Im BAStA-Teil stellen wir in dieser Woche das Sozialreferat vor.

Wie immer wünschen wir euch viel Freude bei der Lektüre und freuen uns über Rückmeldungen, Gastbeiträge und Leser_innenbriefe.

Türkisch-Rechtsaußen an westdeutschen Unis

Nationalist_innen und Islamist_innen sorgen für Zündstoff

 von Jana Klein

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Erkennungszeichen einer Gruppe türkischer Rechtsradikaler, die „grauen Wölfe“ (links im Bild). Foto: Ansgar Bovet

Sorgen machen mussten sich in den letzten Wochen vermehrt studentische Initiativen, ASten und Rektorate, denn in ihren Räumlichkeiten machen vermehrt türkeiorientierte Gruppen vom rechten Rand auf sich aufmerksam. So kam es bei einem Vortrag an der Universität Köln zu Tumulten, zum Besten gegeben wurden fragwürdige Thesen über einen Überfall auf die Osmanische Bank in Konstantinopel im Jahre 1896. Das Brisante: der Referent Şahin Ali Söylemezoğlu ist nicht nur Hobbyhistoriker, sondern auch Leugner des Genozids an den Armenier_innen. Kurz darauf trat er bei einem Podium in Köln auf – auch hier gegen Proteste. In Bielefeld bot eine AKP-nahe Studierendenvereinigung dem Konvertiten Andreas Abu Bakr Rieger mit ebenfalls fragwürdigen Ansichten zum Thema „Genozid“ ein Podium und kurz zuvor stellte die Millî-Görüş-nahe Hochschulgruppe Diwan ihre geistigen Vorbilder in einer kleinen Ausstellung vor – darunter namhafte Antisemiten und der Gründer der Muslimbruderschaft. „Türkisch-Rechtsaußen an westdeutschen Unis“ weiterlesen

„Dieser Beitrag verstößt gegen unsere Gemeinschaftsstandards“

Facebook zensiert kurdische Symbole –  und Berichterstattungen über die Zensur gleich mit

 von Laila N. Riedmiller

sperre-02Dass das Löschen und Nicht-Löschen von Artikeln auf Facebook oftmals sehr undurchsichtig geschieht, ist hinlänglich bekannt. Viele Nutzer_innen machen die Erfahrung, dass offensichtlich strafbare, zu Gewalt aufrufende Inhalte von Facebook nicht zwangsläufig als „gegen die Gemeinschaftsstandards verstoßend“ wahrgenommen werden, Beiträge, die von mehreren hundert Nutzer_innen gemeldet werden, dagegen scheinbar ungeprüft und auch ohne strafrechtlich relevanten Inhalt gelöscht werden können. Dass weibliche Brustwarzen generell auf Facebook tabu sind, rassistische Beleidigungen jedoch nicht, erscheint zunächst seltsam. „„Dieser Beitrag verstößt gegen unsere Gemeinschaftsstandards““ weiterlesen

Rechtspopulist_innen in Österreich

und an den dortigen Hochschulen

 von Frederik Fingerhut

Am 22. Mai wurde in Österreich ein neuer Präsident gewählt. Es traten Alexander Van der Bellen (GRÜNE) und Norbert Hofer (FPÖ) an, nachdem sie sich im ersten Wahlgang am 24. April durchsetzen konnten. Die Kandidaten der konservativen ÖVP und der sozialdemokratischen SPÖ waren wenig erfolgreich. Im ersten Wahlgang belegte der Rechtspopulist Hofer, mit 35,05% den ersten Platz. Weit hinter ihm folgte Van der Bellen mit 21,34%. Da Hofer keine absolute Mehrheit erzielte war ein zweiter Wahlgang von Nöten.
Nachdem am 22. Mai die Wahllokale schlossen und das Auszählen begann, lagen beide Kandidaten lange gleich auf. Es blieb spannend. Doch am Ende triumphierte Hofer, er lag 3,86% vor seinem Kontrahenten. Es schien für kurze Zeit so, als hätte die rechtspopulistische Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) triumphiert und konnte das Präsident_innenamt erringen. Besagtes Amt ist, anders als in der BRD, mit weitrechenden Kompetenzen ausgestattet. „Rechtspopulist_innen in Österreich“ weiterlesen

Aktueller Stand der Besetzung im Viktoriakarree

 von Laila N. Riedmiller

Seit über drei Wochen sind die Räumlichkeiten der Rathausgasse 6 nun besetzt. Doch wie sieht es aktuell aus, welche Rolle nimmt die Polizei ein, was sagt die Stadt Bonn und wie steht die SIGNA Holding zu der Besetzung?

Aktuell, so scheint es, sprechen die einzelnen Parteien nur wenig miteinander. Dies aber wohl auch, weil die Zuständigkeiten klar verteilt sind und eine Räumung nur durch eine Räumungsklage der Sighna Holding initiiert werden kann. Dies steht jedoch nicht an. Die Pressesprecherin der Polizei, Ruth Braun, teilt auf Nachfrage mit, eine Räumung in polizeilicher Eigenregie fände nur statt, wenn sich die Gefahrenlage vor Ort akut verändere. „Aktueller Stand der Besetzung im Viktoriakarree“ weiterlesen