Unis tun sich manchmal schwer mit ihren Purschen

2015 wurde die Jubiläumsfeier der Bochumer Ruhr-Uni von Protesten überschattet

von  Jana Klein

Man dulde keine fremdenfeindlichen, rassistischen oder rechtsextremen Tendenzen, keinen Links- oder Ausländerextremismus, keine frauenfeindliche oder sexistische Propaganda auf der 50-Jahr-Feier, so hatte es in der „Streckenordnung“ der Bochumer Ruhr-Universität letztes Jahr geheißen. Doch unter den 1200 Ständen, die dann die Route zwischen der Uni und der Bochumer Innenstadt säumten, waren auch solche diverser Burschenschaften. Das hatte bereits im Vorfeld der Feierlichkeiten für Protest unter Studierenden und Mitarbeiter_innen der Universität gesorgt. Als sich die Universitätsleitung auf die Forderungen nach Ausschluss der problematischen Gruppen, unter ihnen etwa die Prager Burschenschaft Arminia zu Bochum, Mitglied im rechten Dachverband „Deutsche Burschenschaft“, nicht einließ, kündigten diverse Gruppen Protest an.

In einem offenen Brief im Vorfeld hatten Mitarbeiter_innen der Universität unter anderem geklagt: „Die Situation stellt insbesondere diejenigen Mitarbeiter/innen unter uns, die planen die Blaupause aktiv mitzugestalten, vor besondere Schwierigkeiten: Auf der einen Seite der Wunsch, die RUB zu repräsentieren und ihr Jubiläum zu feiern, auf der anderen Seite der Anspruch an uns selbst, diese Art von Öffentlichkeitsarbeit nicht im Schulterschluss mit sexistischen und reaktionären Gruppierungen zu leisten.“ Unterschrieben hatten das über 60 Angestellte. Auch das Studierendenparlament sowie die studentischen Vertreter_innen im Senat hatten eine Ausladung der Burschenschaften gefordert – vergeblich.

Ein anonymes „Bündnis gegen Burschenschaften“ drohte sodann im Internet: „Wir werden unseren Protest nicht nur bei der Blaupause auf der Unistraße sichtbar machen, sondern auch vor 1.300 geladenen Gästen und Bundespräsident Gauck im Audimax“. Am Tag selber betätigte dann jemand den Feueralarm im großen Auditorium. „Burschenschaften raus, sonst Blaupause kaputt“, hieß es andernorts großspurig. Am Tag selber erklärten einige Stände ihren Bereich zur „Burschenfreien Zone“, andernorts konnte man beim Dosenwerfen in schwarz, weiß und rot gekleidete Büchsen vom Tisch kegeln.

Schließlich waren es vor allem die „Frauen gegen Burschen“, die insbesondere gegen die zum Prinzip erhobene Männerbündelei der Vereinigungen protestierten – unter anderem mit Schildern, die in ironischer Manier die bei den Burschen selbstverständlichen Ausschlüsse zur Spitze treiben sollten. „Warum dürfen Frauen überhaupt studieren?“ war einer der Slogans. Dann musste auch die Polizei eingreifen, nachdem sie die kleine Demonstration, die von Stand zu Stand zog, aus der Ferne beobachtet hatte. Weil ein Mitglied der Verbindung „Saxo-Thuringia“ eine Demonstrantin festgehalten und erst wieder losgelassen hatte, als die Beamten einschritten, verlief der Nachmittag nicht ganz friedlich. „Kaputt“ fanden die bis zu 100.000 Besucher das Bochumer Fest dann allerdings nicht vor.

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