„Als Universität müssen wir gemeinsam agieren!“ – Im Gespräch mit Prof. Dr. Michael Hoch

Prof. Dr. Michael Hoch

Prof. Dr. Michael Hoch

Die Universität Bonn hat zum Sommersemester 2015 einen neuen Rektor. Prof. Dr. Michael Hoch ist im Dezember 2014 vom Hochschulrat einstimmig zum neuen Rektor gewählt worden und hat bereits eine bewegte Vergangenheit an unserer Universität. Darüber und was er sich für seine Amtszeit vorgenommen hat, haben wir mit ihm für euch gesprochen.

BAStA: Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Michael Hoch, Sie werden ab dem Sommersemester 2015 das Amt des Rektors der Universität übernehmen. Wie war Ihr eigener akademischer Werdegang und was verbinden Sie mit Ihrem eigenen Studium?

Prof. Dr. Hoch: Ich habe in Heidelberg Biologie studiert, meine Diplomarbeit habe ich in Tübingen geschrieben und meine Doktorarbeit an der LMU München. Anschließend bin ich an das Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie nach Göttingen gegangen, wo ich für zwei Jahre eine Postdoc-Ausbildung gemacht habe. Dort habe ich dann auch meine eigene Nachwuchsgruppe bekommen und bin für sieben Jahre in Göttingen geblieben, bis ich 1999 an die Universität Bonn gerufen worden bin. Seitdem bin ich Professor für Molekulare Entwicklungsbiologie und habe im Verlauf der Zeit verschiedene Funktionen in der akademischen Selbstverwaltung übernommen. Dabei war ich sehr aktiv bei der Einwerbung von Forschungsprogrammen, bin seit 2005 selbst Sprecher eines SFBs [Sonderforschungsbereichs] und habe mich an der Konzeption neuer Studiengänge beteiligt. Ich kann auf eine reichhaltige Vergangenheit in Bonn zurückblicken, die mir sehr viel Freude gemacht hat.

Wenn ich zurückblicke auf meine Studentenzeit in Heidelberg, wo ich 1983 mein Studium begonnen habe, dann erinnere ich mich daran, dass ich sehr motiviert war. Damals gab es im Bereich der Molekularbiologie eine stürmische Entwicklung, in Heidelberg wurde ein neues Zentrum für Molekularbiologie gegründet und ich hatte als Studierender das Gefühl: Da ist die Zukunft, das musst du machen! Die Veranstaltungen haben mich damals sehr geprägt, es haben sich auch bis heute anhaltende Freundschaften gebildet. Mit meiner
damals zukünftigen Frau habe ich in einer sehr kleinen Wohnung mit Holzkohleofen gewohnt und trotzdem war es eine sehr glückliche Zeit.

BAStA: Möchten Sie die von Ihnen beschriebene Aufbruchsstimmung als Rektor in den Studierenden von heute entfachen? Was sind ihre persönlichen Wünsche und Ziele für ihre Amtszeit? Prof. Dr. Hoch: Es wäre toll, wenn das gelänge – nicht nur bei den Studierenden, sondern auch bei allen anderen Mitarbeitern der Universität; dass man Euphorie wecken und motivieren kann. Auch in dieser Zeit, in der die Mangeldiskussion unseren Alltag bestimmt positiv in die Zukunft zu schauen und neue Ziele definiert, in deren Richtung man sich gemeinsam bewegt – das ist mein Anspruch, den ich gerne verwirklichen würde

BAStA: Gibt es Dinge, die Sie anders machen wollen als Ihr Vorgänger? Was setzen Sie fort? Prof. Dr. Hoch: Die Universität Bonn ist eine sehr erfolgreiche Universität, wir gehören immerhin zu den zehn besten Universitäten in Deutschland, da ist es natürlich wichtig, dass wir diese Spitzenstellung in Forschung und Lehre auch erhalten und weiter entwickeln. Die Kontinuität hat darum einen hohen Stellenwert. Herr Fohrmann hat Initiativen angestoßen wie beispielsweise die neue Interaktion mit der Stadt Bonn, und den Bonner Forschungsförderorganisationen, die auf jeden Fall fortgeführt werden sollen.

In meiner Amtszeit möchte ich aber auch den einen oder anderen Impuls neu setzen. Ich möchte zum Beispiel wissenschaftliche Themen identifizieren, die über die Fakultäten hinweg gemeinsam bearbeitet werden können, sogenannte Querschnittsthemen.
Das halte ich deswegen für wichtig, weil es eine Möglichkeit darstellt, über den Tellerrand der eigenen Forschung hinauszuschauen und andere Fachbereiche kennenzulernen. Ich hoffe, dass das Erschließen neuer Themen einen Einfluss auf die Studienstruktur, Studiengänge und Studiengangsinhalte hat. Viele interessante Dinge geschehen an den Grenzbereichen mehrerer Fachbereiche, wo Überlappungen stattfinden. Es geht nicht darum alles umzustellen, die aktuellen Profilbereiche sollen auch weiter gefördert werden,
aber ich denke es ist gut darüber nachzudenken, ob es noch etwas Zusätzliches
geben kann. Dafür werde ich mich einsetzen.

Der zukünftige Rektor im Gespräch mit unseren Redakteuren

Der zukünftige Rektor im Gespräch.

BAStA: An der Universität Bonn muss eine Einsparung von acht Millionen Euro stattfinden, mitunter werden Professuren eingestellt. Wie ist ihre Strategie dieses Defizit in den Griff bekommen zu können? Und wie reagieren sie auf die nächste, sich bereits abzeichnende Sparrunde?

Prof. Dr. Hoch: Ich denke es ist wichtig zunächst das Gespräch mit allen Beteiligten zu suchen und ich werde zunächst mit den Fakultäten darüber sprechen. Jede Fakultät wird
sicher einen anderen Weg finden damit umzugehen. Wesentlich ist aber der Kontakt und der gegenseitige Austausch, das wird sicher auch das aktuelle Rektorat bereits so umsetzen. Wenn es uns gelingt die Situation transparent darzustellen, warum wo gespart werden muss und es ein faires Miteinander gibt, dann können wir die Mangeldiskussion bewältigen. Als Universität müssen wir gemeinsam agieren! Es wäre schlecht wenn
die verschiedenen Fachbereiche gegeneinander arbeiteten; da möchte ich auch ein Miteinander erzeugen und die verschiedenen Lösungsvorschläge anhören.

Auch wenn ich aus dem Bereich der Naturwissenschaften komme, habe ich als Rektor natürlich eine übergeordnete Position und muss für die gesamte Universität denken. Ich werde nicht für eine Fakultät in die Bresche springen und andere im Regen stehen lassen.

BAStA: Die Einwerbung von Drittmitteln ist eine der Möglichkeiten, Geld an die Universität zu holen. Zuletzt gab es mit der „Kissinger-Professur“ (BAStA berichtete) ein umstrittenes Beispiel dafür. Betrachten Sie Drittmittel und Stiftungsprofessuren als
Chance zur Verbesserung der Lehre oder eher als Gefahr für die Unabhängigkeit der Lehre?

Prof. Dr. Hoch: Ich denke es ist eine Chance, was jedoch nicht bedeutet, dass man nicht auch über bestimmte Fälle diskutieren kann. Für einige Fakultäten, z.B. die Medizinische Fakultät, sind solche Stiftungsprofessuren sehr wichtig. Es ist ja nicht nur so, dass sie die Forschung bereichern, sondern dass diese Professorinnen und Professoren auch zur Lehre beitragen, die Studieren also auch davon profitieren. Ich denke die Einwerbung von Mitteln von außen ist grundsätzlich positiv. Im Falle von Stiftungsprofessuren sieht das Regelwerk auch vor, dass der Stifter nicht bestimmen kann, welche Forschung und welche Lehre gemacht wird. Diese Freiheit bleibt im akademischen Bereich. Trotzdem muss man natürlich auf den Einzelfall betrachten und offen darüber diskutieren können. Es gibt Fälle wie beispielsweise die Mongolistik oder Tibetologie, in denen Co-Finanzierung von Stiftungsprofessuren stattfindet,
damit dieser Fachbereich weiter existieren kann.

BAStA: Wie stellen Sie sich die zukünftige Arbeit mit dem Studierendenwerk und den Studierendenvertretungen vor?

Prof. Dr. Hoch: Positiv! Ich werde mich dafür engagieren, dass wir mit der Studierendenschaft regelmäßig die Kommunikation suchen. Dazu möchte ich auch, ähnlich wie mein Vorgänger, eine regelmäßige Möglichkeit schaffen, bei der man sich auch einmal informell zu einem Gespräch treffen kann. [„Auf einen Kaffee mit dem Rektor“, Anm. d. Red.] Was das Studierendenwerk betrifft ist natürlich die Wohnraumsituation ein sehr wichtiges Thema. Ich denke da wird man weiterhin versuchen noch intensiver zu interagieren und Probleme im Sinne der Studierenden zu lösen. Auch mit dem AStA würde ich gern das Gespräch suchen und überlegen, welche Projekte man gemeinsam durchführen könnte, beispielsweise eine Veranstaltungsreihe.

BAStA: Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für Ihre kommende Amtszeit!

Das Gespräch führten
Julian Görlitz und Ronny Bittner
Fotos: Ronny Bittner

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