„Wirtschafts-Wissenschaft!“

Zur feierlichen Eröffnung des Akademischen Jahres 2015/16

von Tobias Panthel

wiwiBöse Zungen behaupten ja, dass das Gegenteil von gut nicht schlecht, sondern gut gemeint sei. Bei der Eröffnungsfeier des Akademischen Jahres 2015/2016 in der Aula der Universität am 19. Oktober hätte man jedenfalls zu diesem Gedanken kommen können. Wir schreiben das Jahr 2015 und man rühmt sich tatsächlich damit, dass nun endlich mehr Studenten [sic!] bei diesen Feierlichkeiten anwesend seien, dass die Universität Bonn in Zukunft auch gerne gute Lehre (und nicht nur elitäre Forschung) haben möchte und schließlich, dass man sogar eine Prorektorin für digitale Angelegenheiten habe. Hört, hört, das muss dieser Fortschritt sein von dem immer alle reden.

Man könnte über diesen müffelnden Konservatismus unserer Alma Mater lachen, wenn er sich in seinem Tempo Veränderungen aufzunehmen nicht signifikant mit der geradezu Rasanten Anpassung an die Ökonomisierung der Bildungsinstitution Universität beißen würde. Ganz selbstverständlich nämlich sprach man mit dem Vokabular einer Unternehmensführung, die aufgrund sinkender Einnahmen Einsparungen und Effizienzsteigerungen vornehmen muss. Es wurde von Bestehen im Wettbewerb der Universitäten gesprochen, wie auch von der Optimierung von Studiengängen, damit sie den Ansprüchen der zukünftigen Arbeitgeber gerecht werden. Das böse Wort „SparUni“ fiel auch und wurde prompt in eine Frage der Neuverteilung und effektiveren Nutzung der Gelder umgedichtet. Auch neue Freunde bzw. Partner, möchte man sich suchen und nannte bereits einige weniger klangvolle Namen chinesischer Millionenstädte (besonders Geisteswissenschaftler*innen können nun endlich ihren Traum verwirklichen, in China zu studieren), die gegen andere ausgetauscht werden sollen. Am Ende sprach man noch ehrlich begeistert von der Idee einer Verzahnung und Vernetzung von Wissensgebieten und Forschungsrichtungen und spätestens dann konnte die aufmerksame Zuhörerschaft Humboldt sich wimmernd im Grabe umdrehen hören.

Bezeichnend, könnte man sagen, war schließlich, dass die Moderation von Schauspieler*innen einer studentischen Theatergruppe übernommen wurde; die übliche Verkleidung der hohen Amtsinhaber*innen wurde also perfekt ergänzt. Ebenso bezeichnend war auch, dass die erste und einzige, die den Begriff Bildung aufrief, unsere AStA-Vorsitzende war.

Ich wünsche allen beteiligten und schuldigen Würdenträger*nnen ein ertragreiches, nutzbringendes, effizientes und optimiertes Ökonomisches Jahr 2015/2016 und vielleicht findet sich ja zwischen Kompetenz-Profilierungs-Wettbewerbs-Wahnsinn und Schönreden oder Verdrängen von Problemen mal die Zeit sich kurz Gedanken über den Sinn und den Begriff Universität zu machen. Das wäre sogar zur Abwechslung mal im positiven Sinne konservativ.

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