„Der wirtschaftliche Druck wird wachsen“

Jürgen Huber ist der neue Geschäftsführer des Studierendenwerks Bonn. Ein Gespräch über Pläne und Ziele. 

Interview von Ronny Bittner

fw: Seit dem 1. Juli 2015 sind Sie neuer Leiter des Studierendenwerkes Bonn. War das schon immer ein Traum von Ihnen? Wie sehen Sie Ihre neue Herausforderung?

Foto: Barbara FRommann
Foto: Barbara Frommann/Studierendenwerk

Huber: Ich habe in meinem wirtschaftswissenschaftlichen Studium bereits einen Schwerpunkt auf öffentliche Unternehmungen und Sozialpolitik gelegt. Es war für mich recht früh klar, dass ich beruflich im Non-Profit-Bereich Fuß fassen möchte. Ich bin lange Jahre als Verwaltungsdirektor und Geschäftsführer im Bereich des Krankenhaus-Managements tätig gewesen. Nun wollte ich meine beruflichen und privaten Interessen miteinander in Einklang bringen. Der Lebensmittelpunkt meiner Familie liegt in Bonn, leider ist es mir bisher immer verwehrt geblieben hier auch arbeiten zu können. Dabei habe ich auch eine neue berufliche Herausforderung gesucht. Das Studierendenwerk ist aus einer gewissen Sicht mit einem Krankenhaus vergleichbar. Die Themen Unterkunft und Verpflegung spielen auch dort eine ganz entscheidende Rolle. Zudem unterliegt auch der Krankenhausbereich seit längerer Zeit starken ökonomischen Zwängen. Durch sinkende Landeszuschüsse wird der Druck auf Studierendenwerke in Deutschland weiter wachsen. Ich kann also gut meine sämtlichen Erfahrungen und Kenntnisse einbringen und fühle mich auf diese Aufgabe gut vorbereitet.

fw: Das Studierendenwerk bietet viele Dienstleistungen an, beispielsweise die BAföG-Beratung, die Organisation der Studierendenwohnheime, das Mensa-Essen, Kinderbetreuung und noch vieles Mehr. Da ist sehr viel soziale Verantwortung, die nun auch auf Ihren Schultern lastet. Wie leicht kommt man morgens mit einer solch starken Verantwortung aus dem Bett?

Huber: Die Aufgabe ist für mich sehr reizvoll und von daher gehe ich jeden Morgen mit großer Freude an meinen neuen Arbeitsplatz. Mein ganzes Denken und Streben ist darauf fokussiert, wie wir das Studierendenwerk Bonn organisatorisch und finanziell so aufstellen, dass wir auch morgen und übermorgen noch dieses Leistungsangebot allen Studierenden und auch zukünftigen Studierenden anbieten können.

fw: Gibt es denn konkrete Ziele, die Sie sich vorgenommen haben?

Huber: Ich werde im Dezember dem Verwaltungsrat einen sogenannten „Statusbericht“ vorstellen, der möglichst objektiv über die aktuelle Lage des Studierendenwerks Bonn informieren soll. In Folge dessen hoffe ich, dass der Verwaltungsrat mir das Mandat überträgt, im Jahr 2016 einen „realistischen Masterplan“ zu erstellen. Darin muss alles derart strukturiert werden, dass das Studierendenwerk Bonn einen roten Faden bekommt, um die an uns gestellten Anforderungen auch erfüllen zu können. Es gilt dazulegen, wie wir das Angebot in gleicher Form aufrechterhalten und die erforderlichen Investitionen mittel- bis langfristig finanzieren können. Beispielsweise haben wir bei unseren Liegenschaften einen Sanierungsstau von ca. 110 bis 130 Mio. Euro. Im Masterplan wird sich dann niederschlagen, dass jede Interessensgruppe einen kleinen Beitrag leisten muss. Dabei werden wir nicht nur unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern etwas abverlangen müssen, wobei betriebsbedingte Kündigungen gänzlich ausgeschlossen sind, sondern auch den Studierenden. Das Geld wird jedoch nicht von uns „verprasst“, sondern wird nachfolgenden Studierendengenerationen zugutekommen, wenn beispielsweise Wohnheime saniert werden. Dabei werden wir im Rahmen des Masterplans darauf achten, einzelne Interessensgruppen nicht zu überlasten. Am Ende müssen wir allerdings unterm Strich eine schwarze Null schreiben können. Das ist eine anspruchsvolle Herausforderung, aber ich bin überzeugt, dass wir das schaffen.
Bei der Erarbeitung des Masterplans werden auch externe Partner, etwa die Studierendenvertretungen, die Hochschulen, die Stadt Bonn und das Ministerium mit eingebunden. Überhaupt ist es mir wichtig, die Kooperation mit der Universität Bonn, dem Universitätsklinikum und der Hochschule Bonn/Rhein-Sieg zu intensivieren, die schon dem Studierendenwerksgesetz nach unsere originären Kooperationspartner sind.

fw: Der Masterplan ist ein eher langfristiges Thema. Gibt es denn aktuelle Projekte für dieses Semester?

Huber: Die aktuellen Projekte für dieses Semester liegen auf der Hand: wir investieren derzeit fast 50 Mio. Euro in vier große Bauvorhaben. Da ist zum einen die Kernsanierung der Mensa Poppelsdorf, deren Fertigstellung zum Wintersemester 2016/2017 erfolgen soll. In Bonn Castell und in Tannenbusch bauen wir zwei Studierendenwohnheime. Bei beiden konnten wir bereits Richtfest feiern. Zudem wird im Römerlager ein Zwischengeschoss für neue Wohnräume ausgebaut. Wir konzentrieren uns zunächst darauf, diese Projekte erfolgreich zu Ende zu führen. Denn für die Studierenden sind sie von größter Bedeutung. Der Wohnungsmarkt in Bonn ist wirklich sehr schwierig. Ich hoffe, dass wir die Anzahl der Wohnheimplätze mittel- bis langfristig wieder auf über 4.000 Plätze steigern können. Aktuell liegen wir da bei ca. 3.700.

fw: Es ist also viel geplant, um die Wohnungssituation etwas zu verbessern. Wie ist denn die aktuelle Entwicklung in den Wohnheimen, die nach wie vor von PCB belastet sind?

Huber: Speziell was das Wohnheim in der Pariser Straße betrifft, das in der Vergangenheit stark im Fokus stand, haben wir durch neue Messungen nochmals bestätigt, dass es weiterhin unbedenklich ist, das Gebäude zu vermieten. Daher werden wir erst Ende 2016 das Wohnheim in der Pariser Straße entmieten. Laut den Messungen und den Gutachten von zwei Sachverständigen ist das gesundheitlich unbedenklich, eine Gefährdung ist zum Glück in keiner Weise gegeben. Das ist für uns insofern günstig, da wir natürlich nicht auf den Tag genau sagen können, wann die neuen Wohnheime fertig sind. Beabsichtigt ist, dass wir 2017 die Sanierung des Wohnheims in der Pariser Straße angehen werden, was aber auch eine Frage der Finanzierung sein wird.

fw: Was sieht dieser Masterplan denn für die Preisentwicklung bei den Mensaessen vor? Die Mensa ist für die meisten Studierenden der Hauptanlaufpunkt beim Studierendenwerk. Sieht der Masterplan Preiserhöhungen vor?

Huber: Wie schon angedeutet wird jede Gruppe einen Beitrag leisten müssen, damit das Studierendenwerk die Zukunft im Sinne unserer Kunden – also den Studierenden – gestalten kann. Deswegen werden Preisanpassungen – so wie aktuell bei den Hauptkomponenten in der Mensa gerade geschehen – auch in Zukunft nötig sein, allerdings immer in einem überschaubaren und verantwortbaren Umfang. Wir dürfen die Studierenden finanziell nicht überfordern.

fw: Die Studierenden müssen sich also auf leicht ansteigende Mensapreise einstellen. Aktuell wird die Mensa in Poppelsdorf saniert. Soll es dann dort auch – im Gegensatz zu vorher – ein veganes Angebot geben, so wie es mit „Querbeet“ in der Mensa Nassestraße existiert?

Anders (StW): Das Angebot in Poppelsdorf wird erweitert und vielfältiger werden, da das gesamte Konzept umgestellt wird. In diesem Konzept, das aktuell noch auf dem Papier existiert und Schritt für Schritt in die lebendige Umsetzung geht, ist auch ein veganes Angebot vorgesehen.

fw: Aktuell ist das Thema Flüchtlinge nicht nur in den Schlagzeilen, sondern auch direkt in deutschen Städten und Kommunen angekommen. Viele Menschen engagieren sich als ehrenamtliche Helfer und es wird Wohnraum für Flüchtlinge gesucht. Inwieweit ist auch das Studierendenwerk in dieses Thema involviert?

Huber: Wir hatten Gespräche mit der Stadt Bonn, die mit der Frage nach Unterkünften auf uns zugekommen ist. Das Wohnheim Erzberger Ufer, welches wir formaljuristisch erst Ende 2015 an die Stadt Bonn hätten übergeben müssen, übertragen wir der Stadt nun noch im Laufe des Oktobers, damit diese es als Unterkunft für Flüchtlinge nutzen kann. Das noch leerstehende KMK-Gebäude in der Nassestraße könnte vorübergehend eine Option sein. Das wird sich aber erst frühestens Anfang kommenden Jahres abzeichnen. Wir versuchen also zu überlegen, wie wir die Stadt Bonn in der Situation unterstützen können. Unsere Ressourcen an freien Flächen sind aber begrenzt, wir sind in erster Linie für die Studierenden da und es darf nicht dazu führen, dass Flüchtlinge gegen Studierende ausgespielt werden. Gerade im Wintersemester haben wir für unsere Wohnräume einen enormen Nachfragedruck, leerstehende Gebäude könnten wir allerdings versuchen, verfügbar zu machen.

fw: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei der Umsetzung des Masterplans, wir behalten es gespannt im Auge.

Huber: Ich danke Ihnen auch für das Gespräch und freue mich auf die weitere Zusammenarbeit mit dem AStA, dem Studierendenparlament und den studentischen Vertretern im Verwaltungsrat.

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