1:0 für die Gegenproteste bei „Köln 2.0“

15.000 Menschen protestieren in Köln gegen HoGeSa

von Laila Riedmiller

 

Hier wird das Gewaltmonopol gewahrt. Foto: Marek Majewsky

Hier wird das Gewaltmonopol gewahrt. Foto: Marek Majewsky

Am 25. Oktober zog die „HoGeSa“- Wiederauflage in Köln tausende Menschen, darunter auch viele Studierende der Uni Bonn, zu einer Gegendemonstration an, um sich dem rassistischen Aufmarsch entgegenzustellen, der zwar rechtlich auf eine Kundgebung zusammengeschrumpft wurde, allerdings trotzdem ausreichte, um einige Menschen den gesamten Tag über zu beschäftigen.
Man sollte meinen, dass, nachdem im vergangenen Jahr mehrere tausend rechte Hooligans die Kölner Innenstadt zerlegten, die Vorbereitungen der Polizei hinsichtlich der diesjährigen HOGESA-Demonstration stärker durchdacht gewesen wären. Man muss den Einsatzkräften lassen, dass sie den rassistischen Mob, der keinen Hehl aus seiner Menschenverachtung machte und nicht einmal versuchte, bürgerlich zu wirken, zumindest teilweise deutlich in seine Schranken verwiesen – zu Tumulten und Straßenschlachten wie im vergangenen Jahr kam es nicht. Dies hätten sich allerdings auch weder die Polizei noch die Stadt erlauben können, erst recht nicht, nachdem Mitte Oktober die Kölner OB-Kandidatin Henriette Reker von einem in den 90ern in Bonn aktiven Neonazi beinahe ermordet worden wäre.

Allerdings wurde schnell klar, dass die 3500 eingesetzten Polizeibeamt_innen aus ganz Deutschland mit der Situation recht überfordert waren. Während die Kundgebung der Hooligans erst verspätet anfing, da die über 700 Teilnehmer_innen es nicht fertigbrachten, aus ihren Reihen 50 nichtalkoholisierte, nichtvorbestrafte Ordner_innen zu bestimmen, wuchs die Anzahl der HOGESA-Gegner_innen im Laufe des Tages Schätzungen zufolge auf bis zu 15.000 Teilnehmer_innen an. Dabei handelte es sich um Menschen jeglicher politischen Couleur, sogar die CDU hatte auf dem Straßenfest einen Stand angemeldet und karnevalistische Gruppen skandierten lauthals „Alaaf, Alaaf, Antifascista!“ (Ein Anblick, an den sich mensch auch erst gewöhnen muss).

Fernab der Kundgebungen und des Kulturfestes kam es allerdings zeitweise zu Zusammenstößen, bei denen die Polizei unkoordiniert, dafür aber umso aggressiver eingriff.

Nicht nur, dass sie mehrmals Gassen in die Gegenproteste förmlich hineinprügelten, um vereinzelte Hooligans durch die Protestmenge hindurchzuleiten. Ein einzelner Flaschenwurf schien offenbar Grund genug, zwei der vier auf die Gegendemonstrant_innen gerichteten Wasserwerfer aufzufahren und damit unkoordiniert die Menge zu beschießen. Inwiefern dieser Einsatz in einer sinnvollen Relation zum Flaschenwurf stand, ist mehr als fraglich.

Doch auch das Bild von Polizist_innen in Grüppchen, die (mal mit Straßenkarte, mal ohne) durch die Menge irrten, bot sich mehr als einmal. Sowohl die eingesetze Polizei als auch die Hooligans, die es offenbar als Mutprobe verstanden, sich in Kleingruppen in den Schwarzen Block zu wagen und mit Nachdruck dort herausgeprügelt wurden, können froh sein, dass zumindest der Bereich zwischen HOGESA und Gegendemonstrant_innen u.a. durch Gitter  abgetrennt war. Hätten es die gewaltbereiten und vielfach alkoholisierten Hooligans geschafft, diese Absperrung zu überwinden, hätte wohl auch die Polizei nicht mehr viel ausrichten können. [die Polizei hatte bei den Nazis alles im Griff, deshalb find ich den Vorwurf schwer haltbar] Trotzdem war zu spüren, dass die Hooligans zwar eingeschüchtert waren, jedoch kein Problem mit Provokationen und größeren körperlichen Auseinandersetzungen hatten.
Auch der oft heftige Einsatz von Tränengas aus nächster Nähe sowie der Einsatz eines Sonderzuges, mit dem die Hooligans bis zu ihrem Kundgebungsort kutschiert wurden, müssen öffentlich thematisiert werden.

Erfreulich ist, dass so große Massen von Demonstrant_innen sich den rechten Hooligans in den Weg stellten. „Arsch hu, Zäng ussenander“ funktioniert offenbar. Die Tatsache, dass sich selbst der Kölner Lokalpatriotismus nicht auf die Seite der Hooligans stellte, führte im Nachhinein bei vielen der Hooligans auf Facebook zu wütenden Statements . Bei alldem konnte man jedoch den Eindruck gewinnen, dass Teile der  bürgerlichen Gegenproteste vor allem der Selbstbeweihräucherung ob einer scheinbar grenzenlosen Weltoffenheit, denn dem bestimmten, selbstkritischen und zivilcouragierten Zeichen gegen Rassismus und Ausgrenzung dienten.

Es bleibt zu wünschen, dass bei den nächsten Gegenprotesten zu einer rassistischen Veranstaltung die Kernbotschaft des Protests nicht „Wir sind absolut genial“ sondern „Nazis, verpisst euch!“ lautet.

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