Nachruf auf eine politische Größe

Der Lotse hat das Schiff verlassen     

von Lillian Bäcker und Tobias Panthel

 

nachrufalois_freigestelltWenige Abschiede haben in der vergangenen Zeit für so viel Traurigkeit gesorgt wie von dem, der nun von uns gegangen ist. Manche waren sich vermutlich sicher, es würde nie passieren, trotz des ein oder anderen gesundheitsschädlichen Lasters. Nicht nur parteiintern sorgte sein Gehen für große Betroffenheit, denn er hatte für viele Menschen auch außerhalb seines direkten
Wirkungskreises eine hohe Bedeutung – Er wird sie auch weiter haben. Er war für Jahre eine beständige Institution, ein Fixpunkt, eine zuverlässige Meinung und trotz (vielleicht auch gerade wegen) seines relativ hohen Alters ein gefragter Ratgeber.    
Der Lotse – Der Mann mit dem Kompass, auch in Zeiten politischen Terrors. In seinem Amt nicht unumstritten, wird er dennoch aus der Historie der Inhaber nie wieder wegzudenken sein. Er hat angeeckt, war nicht immer leicht in seiner Art und ist besonders in der Öffentlichkeit einigen auf den Schlips getreten. Für arrogant werden ihn viele auch weiterhin halten… Aber damit vereint auch für jemanden, der sein Fähnchen nie in den Wind des Populismus gehalten halt.
Seine Kunstpausen beim Reden, seine Überlegenheit, die aus den meisten seiner Argumente sprach, machten ihn für viele unzugänglich. Zu Unrecht – Man musste ihm nur gewachsen sein. Er trat stets für seine, unsere Sache ein: Sozialdemokratische, progressive und menschliche Politik. In Zeiten der Turbulenzen und Katastrophen,  ja immer dann, wenn ein kompliziertes Problem eine rasche, vernünftige und vor allem nachhaltige Lösung brauchte, war er für uns alle da. Ein Macher, nicht bloß einer, der redet. Und für diese konsequente Entscheidungsfähigkeit bezahlte er nicht wenige Male mit verspielten Sympathien.
Über seinen Zynismus und seine Spitzfindigkeit könnten schon Bücher verfasst werden, wir möchten hiermit aber nur anmerken: Ohne ihn hätten wir häufig weinen und weniger lachen können.
Oft ist seltsamerweise zu hören, er sei der Inbegriff des Realpolitikers… Aber seine Leidenschaft hat ihn unserer Meinung nach genauso ausgezeichnet, auch wenn er sich im Reden stets disziplinierte. Ohne diese hätte er dem öffentlichen Druck vermutlich nachgegeben und sich freiwillig dem politischen Geschehen entzogen.
Faktisch musste er allerdings sein Amt abtreten, weil einige seiner eigenen Leute ihm das Misstrauen ausgesprochen haben, weil seine Politik nicht unbedingt dem Willen der unentschlossenen Basis entsprach und seine Meinung als zu autoritär wahrgenommen wurde. Kein führender Sozialdemokrat ist so harsch gegangen worden. Aber seine wahre Bedeutung für die Politik wird sich davon unabhängig bewahren, wie ein Orakel klingen seine Worte noch lange weiter und werden hoffentlich noch Gehör finden.

Lieber Alois Saß, einen besseren Finanzreferenten als dich hätten wir uns nicht wünschen können und du wirst eine Lücke hinterlassen!
Wenns ganz schlimm wird, kommen wir zum Flimm trinken… Alles Gute !

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