Leben in Bonn-Beuel

Wohnen und Ausfliegen am anderen Ufer

von Jana Klein 

Bild_Beuel
Copa Cabana? Côte d‘Azur? Nein, Oberkassel vor Bonn-Beuel! Foto: jak

Beuel ist die Peripherie in der City. Das Naturphänomen Rhein sorgt dafür, dass die an das geschäftige Innenstadttreiben unmittelbar angrenzende Besiedlung von Ruhe und Gemächlichkeit geprägt ist – nur durchkreuzt durch zwei Linien Bimmelbahn, mit denen der Sprung hinüber in wenigen Minuten erledigt ist. Mit dem Rheinufer hat die Beueler Seite eine wahre Attraktion anzubieten: ist es linksrheinisch zumeist eher trist und unspektakulär, wartet der Rhein an seiner rechten Flanke im Norden von Beuel mit Natur pur, Wäldern und Fluren sowie Feld und Fluss auf. Der Süden des Beueler Ufers ist für ausgedehnte Touren auch an feuchteren Tagen ansehnlich ausgebaut. Rechts von der Kennedybrücke kann man bei Tiefstand des Rheins an vielen Stellen auf grobem Kies entspannen oder sich sonnen, auch Sandstrände sollen in Beuel schon gesichtet worden sein… Fußläufig ist die Beueler Innenstadt zu erreichen, die dadurch, dass sie von einer Straßenbahnlinie auf rotem Pflaster durchzogen ist, den Vergleich mit Vororten von Weltstädten wie San Francisco nicht zu scheuen braucht. Gemütlich geht es vorbei an Supermärkten, Dönerbuden, Pizzerien, Tabak-, Kosmetik- und Handykramläden. Im Gemüseladen an der Wilhelmstraße, mein Geheimtipp, erwartet eine_n meist eine lockre Stimmung und, wenn gewollt, ein netter Plausch mit den Verkäuferinnen – einfach Merhaba! sagen. Leider haben irgendwelche Vollpfosten in dieses Idyll einen hässlichen groben Klotz (v)erbrochen, der eine_n schon kurz nach Ortseingang über den Konrad-Adenauer-Platz herüber mit seiner grau-in-grau-Dreiecksmotiv-Fassade bedrohlich anstiert. Punktabzug wegen dieser groben Sünde!

Zum Glück ist der Beueler Bahnhof nicht weit, mit dem man schnell sowohl nach Köln (ohne das Bonner Loch ertragen zu müssen!) als auch nacheinander in die süßen Vororte im Süden von Beuel (Oberkassel, Oberdollendorf, Königswinter, Bad Honnef) gelangt. Nicht nur wegen der vielen Einstiegsmöglichkeiten ins Siebengebirge sind die südlichen Orte immer die paar Minuten in der Bahn wert: schneidet man das gegenüberliegende Rheinufer aus dem Bild aus, lassen sich in Oberkassel auch Fotos wie im Strandurlaub schießen! Obwohl das Hotel auf dem Petersberg – vormals Sitz der ehrenwerten Alliierten Hohen Kommission – in Bundesbesitz ist, kostet hier ein Bier auch nicht viel mehr als in einer gehobenen Altstadtkneipe. Da alle Wege auf die Gipfel führen, folgt man ihnen nur irgendwie nach oben, lassen sich im Siebengebirge auch ohne Reiseführer wundervolle Tage erleben. Runter geht’s dann einfach Richtung Rhein, eine der am Ufer aufgereihten Haltestationen wird man schon treffen. Schafft ihr alle Sieben?

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