Von Bürgerwehr und „Frauenbeschützern“

von Sam F. Johanns

Wer die Reaktionen rund um die widerlichen Übergriffe gegen Frauen in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof und Hamburg liest, dem wird im geforderten Aktionismus vielleicht ein gewisses Frauenbild aufgefallen sein, das dort gepflegt wird und welches als alles andere als emanzipatorisch gesehen werden kann.

Schon nach wenigen Minuten der Recherche wird klar, dass es sich bei den frauenbeschützenden Bürgerwehren, die sich nun in sozialen Netzwerken bilden, zumeist um Leute im rechtsradikalen Spektrum handelt, denen Frauenrechte eigentlich ziemlich egal sind, die sexuellen Übergriffen auf dem Oktoberfest (wenn sie von autochthonen Deutschen Jahr für Jahr begangenen werden) wahrscheinlich nicht mal ein müdes Schulterzucken widmen und den Wert von Frauen hauptsächlich in der Funktion als Gebärmaschine, gehorsame Hausfrau und sexuelle Erfüllungsgehilfin erkennen. Wo der Schock über die Verbrechen zu ausländerfeindlicher Propaganda instrumentalisiert werden kann und sich die Polizei als mit der Situation überfordert zeigt, ist man aber schnell zur Stelle, um „das Problem jetzt selber in die Hand zu nehmen“, am besten gleich beim nächsten nordafrikanisch oder arabisch Wirkenden, der einem über den Weg läuft, wird wohl schon ein Sexferkel sein.

Aber auch aus dem bürgerlichen Lager sind die Impulse und Lösungsvorschläge von keinem sehr viel fortschrittlicheren Geschlechterverständnis gezeichnet. So verschlimmbesserte Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker ihren Begriff von „Verhaltensregeln“  für Frauen zur Prävention von sexuellen Attacken, wenn sie stattdessen nun (5.1.) im ZDF-Heute-Journal von einer Empfehlung zu „klugem Verhalten“ sprach, welches darin bestünde, wenn man sich nicht von seiner Gruppe entferne und den Kontakt zu Fremden meide. Besonders pikant dürfte abschließender heißer Tipp für Frauen auffallen, wo geraten wird sich „nicht jedem Mann gleich um den Hals zu werfen“, der nett lächele.

Ob unbedingt (klarerweise von Männern) schützenswerte, schwache Kreatur, die nur in Gruppen draußen rumlaufen sollte oder als Naivchen, das sich jedem Mann um den Hals wirft, das als Lösung präsentierte Frauenbild ist das eines ritterlichen Sexismus und funktioniert mit dem klassischen Bild der unselbstständigen Prinzessin, die nur vom strahlenden Helden vorm Schurken beschützt werden kann. Reaktionen, die ein solches Frauenbild wie dieses implizieren, sind somit im Kampf gegen Rape Culture und Sexismus keine Lösungen, sie sind ein Teil des Problems.

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