Bürgerwehren in Köln und Bonn

von Laila N. Riedmiller

Gewaltaufrufe gehören ebenfalls zum Repertoire der Seite

Gewaltaufrufe gehören ebenfalls zum Repertoire der Seite

Im Zuge der aktuellen Ereignisse haben sich auch in Bonn mehrere sogenannte Bürgerwehren gegründet._Diese berufen sich auf das Jedermannsrecht, nachdem jeder Mensch in Deutschland eine Person an der Durchführung einer Straftat hindern und bis zum Auftauchen der Polizei festhalten kann und haben das erklärte Ziel, nun deutsche Frauen vor sexuellen Übergriffen (selbstredend nur durch Migranten) zu schützen.
In Bonn gibt es diesbezüglich aktuell zwei nennenswerte Facebookseiten. Einmal die Bürgerwehr Bonn mit 235 Likes (Stand:18.01.2016) und einmal die Bonner Bürgerwehr mit 123 Likes (Stand: 18.01.2016).
Letztere betont auf ihrer Seite wiederholt, dass sie keine rassistischen Äußerungen dulde. Auch das Logo spricht sich „gegen Fremdenhass“ aus.
Die Bürgerwehr Bonn dagegen scheint sich noch nicht so recht im Klaren darüber zu sein, wes Geistes Kind sie ist. Zwar betont der Betreiber der Seite, Dustin H., dass man sich von jedem rechten Gedankengut distanziere. Gleichzeitig jedoch werden Facebook-User mit Reichskriegsflagge als Profilbild bereitwillig zum Mitmachen eingeladen, dazu kommen explizite Gewaltaufrufe (bspw. gegenüber Justizminister Heiko Maas) sowie eine offensichtliche Identifikation mit dem, was man selbst als „deutsch“ wahrnimmt.

Offensichtlich rechtsradikale Anfragen werden bedenkenlos und ungeprüft angenommen

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Der Content der Seite richtet sich denn, sofern sexuelle Übergriffe thematisiert werden, auch nur gegen vermeintlich „ausländische“ Täter. Das Schwimmbadverbot für männliche Geflüchtete in Bornheim wird begrüßt, womit dann auch deutlich werden sollte, dass die Bonner Bürgerwehr mit Pauschalisierungen offensichtlich kein Problem hat. Als Impressumsadresse gibt die Seite eine Anschrift in Erftstadt an. Schon wenig Recherche zeigt, dass die „Kölner Bürgerwehr“ (5182 Likes, Stand 18.01.2016) ebendiese Adresse ebenfalls angegeben hat. Offenbar sind also zumindest diese beiden Gruppen miteinander vernetzt. Die Kölner Bürgerwehr wiederum teilt Links von „Politically Incorrect“, einem offen rechten, hetzerischen Blog. Auch Beiträge der Facebookseite Anonymous.Kollektiv werden geteilt. Diese Seite benennt sich zwar nach der Hackergemeinschaft, doch auch wenn es die größte deutschsprachige Anonymous-Seite ist: Ihr Inhalt bewegt sich von rechtspopulistischer Agitation über Verschwörungstheorien bis hin zu Antisemitismus. Pegida wird regelmäßig gelobt und gefeiert.

Auch wenn sie nicht rechts sein wollen: Mit der Stilisierung zum deutschen Superhelden hat die Bürgerwehr Bonn offenbar kein Problem

Auch wenn sie nicht rechts sein wollen: Mit der Stilisierung zum deutschen Superhelden hat die Bürgerwehr Bonn offenbar kein Problem

Auch sonst teilt die Kölner Bürgerwehr mit Freuden Zeitungsartikel, in denen sich äußerst negativ und pauschalisierend mit Geflüchteten auseinandergesetzt wird und beteiligt sich so an der aktuellen Stimmungsmache gegen Geflüchtete.
Festzuhalten ist, dass sowohl die Kölner als auch die Bonner Bürgerwehr offenbar keine Berührungsängste mit der rechten Szene haben und auch ideologisch kaum davon entfernt sind. Es wird notwendig sein, die Gruppen weiterhin zu beobachten und zu verhindern, dass sie in ihrem Wahn vom Schutz der deutschen Frau zur Selbstjustiz greifen.

Die Verallgemeinerung fällt den betreibern der Seite ebenfalls sehr leicht. Aus Einzeltätern wird eine homogene Gruppe konstruiert, die problemlos mit Kollektivstrafe belegt werden kann.

Die Verallgemeinerung fällt den betreibern der Seite ebenfalls sehr leicht. Aus Einzeltätern wird eine homogene Gruppe konstruiert, die problemlos mit Kollektivstrafe belegt werden kann.

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