Über das autoritäre Strafbedürfnis des Herrn Leyk

Hinweis der FW-Redaktion: Die Autorin dieses Textes ist nicht mehr Teil der Redaktion. Die Polemik spiegelt nicht die Meinung der Redaktion wider.

Polemik von Anna-Lena Rackwitz

Nach den Taten von Silvester konnten viele Deutsche wieder einmal nicht anders und sonderten allerlei ab, das auch die mitbekommen mussten, die zufällig ebenfalls im Internet unterwegs sind.
Jan Leyk ist einer davon.

Screenshot aus der Sendung: Ein Herz und eine Seele mit Lyke

Screenshot aus der Sendung: Ein Herz und eine Seele mit Lyke

„Sittlichkeitsverbrechen, wie Vergewaltigung und Kinderschändung, verlangen eine strengere Strafe als nur Gefängnis; derartige Verbrecher sollten öffentlich ausgepeitscht oder noch härter bestraft werden.“
Das ist der Wortlaut der zwölften Testaussage der sogenannten F-Skala, die in „The Authoritarian Personality“ von 1950 das faschistische Potential in demokratischen Gesellschaften statistisch zu bestimmen suchte. Diese „Studien zum autoritären Charakter“ wurden in den USA von Theodor W. Adorno und drei weiteren Mitautorinnen und Mitautoren verfasst, um mittels der damals neuesten Instrumente der empirischen Soziologie der Frage nachzugehen, welche gesellschaftlichen Segmente durch faschistische Bewegungen und ihre Propaganda mobilisierbar wären und wo in der Gesellschaft noch Resistenz-, gar Gegenkräfte zu finden wären, um eine Entwicklung wie die jüngst in Deutschland Geschehene zu verhindern.
Wer der obigen Testaussage stark zustimmte, bekundete damit autoritäre, lustfeindliche Strafbedürfnisse, die sich zumeist mit extrem hohen Werten bei vielen anderen Testaussagen der F-Skala deckten und in präzisierenden Einzelinterviews der Untersuchung fast zuverlässig eine ausgeprägt faschistische Persönlichkeit nachweisen konnten. Die Testaussagen zur Ermittlung des F-Wertes waren bewusst als „Köder“ konzipiert, die Probanden wurden mit für damalige Verhältnisse niedrigschwelligen Aussagen autoritärer Tendenz konfrontiert. Deshalb würden die gleichen Fragen heute aus diversen, nicht immer guten Gründen teilweise kein so aussagekräftiges Ergebnis zeitigen. Doch die Forderung nach drakonischen Strafen für objektiv unentschuldbare, sexuelle Übergriffe wie etwa Vergewaltigung ist bis heute ein zuverlässiger Maßstab faschistischer Gesinnung geblieben.
Ein besonders anständiger, sauberer, penetranter, mit einem Wort: deutscher Lautsprecher, der sich als DJ, Produzent und Modedesigner bezeichnet, gewährte seinem so denkunwilligen wie kraftwortbedürftigen Publikum am 5. Januar 2016 einen Einblick in die Abgründe seiner sexuellen Projektionen. Er gab seinem maßlosen Strafbedürfnis mittels wilder Lynchphantasien ein bis zur Indiskretion beredtes Zeugnis, dessen sprachermordende Rechtschreibung und gewaltlüsterne Hashtags unbedingt zu seiner Gesamtaussage passen und deshalb hier unkorrigiert zitiert werden sollen: „Ich frage mich gerade wie es sein kann, dass an nem Silvester Abend und in der aktuellen politischen Situation, in der wir uns befinden, irgendwelche eierlosen Wixxgesichter in der Lage sind, an so öffentlichen Plätzen wie den besagten Hauptbahnhöfen oder dem Kölner Dom, wehrlose Frauen ein zu kreisen und Dinge zu machen, für die sie an ihren Schwänzen aufgehangen werden sollten!! Wo war die Polizei (Liebe Politiker)??? Wo waren gestandene Männer die mal nen paar Roundhousekicks hätten verteilen können??? Alles wieder nur bewusste Medienhetze oder ein klarer Fall von Armutszeugnis unserer Sicherheit und nicht vorhandener Zivilcourage??? Eines jedoch ist Fakt…..jeder einzelne von diesen Untermenschen gehört in ein scheiss Loch geworfen….sollen sie sich gegenseitig einkreisen und wegficken!! #ichspuckeaufeuch #einmaldabeiseinwennsowaspassiert #jederderweggucktgehörtgenausogeohrfeigt PS: Nein ich bin kein Nazi und nein ich kann nichts dafür das der Typ mit dem Oberlippenbart damals unser geiles Land in den Dreck gezogen hat!! Aber wenn sich Menschen mit offensichtlichem Migrationshintergrund nicht benehmen und anpassen können, dann sollen sie den Scheiss in einem Land machen in dem es Normal zu sein scheint, kein Benehmen und Respekt zu zeigen!!!PPS: Schade für die ganzen geilen anderen Menschen aus unterschiedlichsten Ländern, die Dank dieser Idioten in eine Schublade gepackt werden, sich aber größtenteils selber für ihre Landsleute schämen!!!“ Jan Leyk, der hier ein glänzendes Beispiel direkter Demokratie vorlegte, indem er für diesen schamlosen Erguss eine kleine Rekordernte von über 114.329 „Likes“ einfuhr, bewarb sich bereits in der Vergangenheit mit ähnlich verrohten Bonmots, etwa als er Claus Weselsky, dem Bundesvorsitzenden der GDL, seine pathologischen Aggressionen widmete. Jede seiner Wortmeldungen klingt so, als wolle er persönlich den Beweis für die fortwährende Aktualität der Kategorien zur Faschismusaffinität antreten, mittels derer die „Studien zum autoritären Charakter“ die konkrete ideologische Gefahr damals genau auszuloten suchten. Leyk ist wie so viele ein getriebener Antreiber, ein Trittbrettfahrer der allgemein zunehmenden Destruktivität, die unablässig die Welt nach Mustern durchforscht, an denen sie im Schutz der billigsten und plumpsten Legitimationen ihre unendliche Wut betätigen kann. Selbst „Ekel-Alfred“ würde vor solchen F-Werten zunächst neidisch werden, um dann sogleich vor ihnen strammzustehen. Die unüberlesbare Verkommenheit von Leyks Sprache wird am besten immer noch von Karl Kraus‘ trefflichem Urteil beschrieben, mit welchem er die Vorfahren Leyks mitsamt ihrer ganzen prospektiven, ideologischen Nachbrut zu kritisieren wusste: „(…)kurzum, es war ein Deutsch, das schon ohne alle Bomben auf Nürnberg ein Kriegsgrund war und vor dem es jede Sau im deutschen Lande, jedoch nicht dessen Bürger graust: die Sprache derer, die zwar deutsch fühlen, aber nicht können.“ Leyks erregte und vulgäre Straflüsternheit ist unverkennbar Teil des idiotischen, aber keineswegs wirkungslos bleibenden Dauerselbstgesprächs all derer, die „deutsch fühlen“ wollen, anstatt endlich Menschen zu werden, die sich nicht vor den Schweinen zu schämen hätten. Leyks wüste Kastrationswünsche und Folterszenarios, die sich obsessiv mit den Genitalien anderer Männer befassen – insbesondere scheinen ihn Fragen der Größe extrem zu beschäftigen – sprechen geradezu Bände über die Zustände in seinem Kopf und könnten sittlich ungefestigte Zuhörer zu Überlegungen bezüglich seiner sonstigen Ausstattung verführen. Worüber wir von diesem veritablen Prachtstück während seiner unaufhaltsamen Tiraden nichts, aber auch rein gar nichts erfahren können werden, sind die Silvestergeschehen selbst, um die es solchen vom Schlage Leyks natürlich nie gegangen ist. Dies ist wohl der geeignete Moment, um kurz darauf hinzuweisen, dass Jan Leyk selbst schon einmal wegen Körperverletzung angezeigt worden ist, und dass es ein Video gibt, in welchem er gegen eine Frau gewalttätig wird. Und weiterer Hinweise und Produktwarnungen bedarf es eigentlich nicht, denn diejenigen, die sich dessen ungeachtet mit seinem hohlen Wüten identifizieren, müssen als vorerst verloren betrachtet werden und können in Ermangelung flächendeckender Therapieangebote höchstens repressiv behandelt werden.

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