FZS: Eine Verteidigung der studentischen Vertretung

Plädoyer von Laila N. Riedmiller, Tobias Panthel und Jan Bachmann

Vom  18.-21. Januar bestand für die Studierendenschaft der Uni Bonn die  Möglichkeit, in einer Urabstimmung über den Verbleib im freien zusammenschluss von studentInnenschaften (fzs) abzustimmen. Lediglich 7,1% der Studierenden sprachen sich für einen Austritt aus. Doch während  des Ganges zu den Urnen wurde immer wieder die Frage gestellt, was der  fzs eigentlich sei und was er tue. Dazu kam eine Fragestellung in der  Urabstimmung, die durch ihre Formulierung eine Abstimmung für einen Austritt nahelegte.
Daher möchten wir in dieser Ausgabe dem fzs Raum geben,euch dessen Arbeit genauer vorstellen und aufzeigen, warum ein Verbleib im fzs so wichtig ist.

Der fzs: Eure starke Vertretung auf Bundesebene
Darüber,  wie eure Studienbedingungen aussehen, entscheidet eine Vielzahl von  Menschen und Gremien. Manche Entscheidungen werden an den Fakultäten gefällt, andere vom Senat oder Rektorat. Wieder andere Entscheidungen trifft das Land  und auch der Bund. Wie viele andere gesellschaftliche Gruppen brauchen auch Studierende eine überregionale Vertretung, die auf politische und  gesellschaftliche  Probleme im Studium aufmerksam macht und  Verbesserungen fordert. Auch die wirtschaftlichen Interessen von Studierenden werden gegenüber der Politik und den Hochschulen vertreten.  Die größte bundesweite und einzige parteiunabhängige Vertretung der Studierenden ist der freie zusammenschluss der studentInnenschaften, der fzs. Knapp 90 Universitäten sind bundesweit Mitglied –  insgesamt  wird circa eine Million Studierender auf Bundesebene vertreten.

Vertretung eurer Interessen auf Bundesebene
Die  studentischen Interessen vertritt der fzs gegenüber der Politik  und der Öffentlichkeit auf vielfältige Art und Weise. Zum einen führt  er zahlreiche Kampagnen durch, an denen sich auch die einzelnen  Studierendenschaft vor Ort tatkräftig beteiligen. Hier gibt es etwa das  festival contre le racisme (das im Sommer auch in Bonn stattfinden wird), die Aktionstage gegen Sexismus und Homophobie, die Aktion Studis gegen Wohnungsnot oder die Kampagne Lernfabriken …meutern!.
Alleine diese Aufzählung zeigt schon, wie vielfältig der Aufgabenbereich ist, wie unterschiedlich die Ansprechpartner*innen sind. Die Vertretung eurer Interessen geht jedoch weit darüber hinaus. Neben der üblichen Pressearbeit, die dafür sorgt, dass die Position der Studierenden auch in den Medien wahrgenommen wird (der Pressespiegel des fzs zeigt, wie oft Zeitungen und bundesweite Medien den Vorstand des fzs zu aktuellen Themen befragen), führen Vertreter*innen des fzs auch Fachgespräche in den Ministerien und beteiligen sich an Anhörungen des Bundestages.
Zudem wird der fzs von Ministerien, Landtagen, dem Bundestag oder auch dem  Bundesverfassungsgericht regelmäßig um Stellungnahmen gebeten, wenn es  darum geht, die Situation der Studierenden einzuschätzen. Forderungen des fzs sind beispielsweise die nach einer studentischen Beteiligung an hochschulpolitischen Entscheidungen auf Bundes-und Landesebene, eine finanziell wie gesetzlich abgesicherte studentische Vertretung an Hochschulen,  elternunabhängiges BAföG und die Abschaffung von Studiengebühren bzw. die Ausfinanzierung von Hochschulen. Zudem setzt sich der fzs kritisch mit Wissenschaft auseinander und setzt sich für eine internationale studentische Vertretung ein (dazu werden z.B. Vertreter*innen zur „European Students Union“ entsendet).
Der  fzs arbeitet  mit zahlreichen anderen Organisationen zusammen, etwa  Gewerkschaften oder NGOs und wird als überparteiliche studentische  Interessensvertretung auch als Sachverständige von Bundespolitiker*innen  betrachtet.
Eine  institutionelle überregionale Vertretung der Studierenden gibt es in  der Bundesrepublik, anders als in anderen Staaten, nicht. Der fzs wurde  daher von Vertreter*innen einzelner Studierendenschaften gegründet, um  sich selbst eine Stimme zu geben. Ein weiterer Vorteil ist dabei, dass der fzs durch die studentischen Beiträge tatsächlich unabhängig agieren kann.

Ebenfalls eine Aufgabe des fzs: Konkrete Hilfestellungen und Angebote für die Studierendenschaften
Die  Arbeit des fzs beschränkt sich nicht nur auf die Vertretung eurer  Interessen auf überregionaler Ebene. Er bietet auch den Studierenden  ganz konkrete Hilfestellungen. Er bündelt das Wissen und die Erfahrungen  der einzelnen Studierendenschaften, veranstaltet Seminare, Kongresse und Workshops, die allen Studierenden offen stehen. Die Zusammenarbeit  mit anderen Studierendenschaften ist für jeden AStA sehr wichtig und  dient der Vernetzung.
Auch  bringt der fzs zahlreiche Publikationen heraus, die von Fachausschüssen  und Arbeitskreisen erarbeitet werden. Darin finden sich Lösungen zu  diversen Problemen, die einem während des Studiums begegnen: von der  Prüfungsordnung bis zum Mietrecht. Auch unterstützt der fzs andere  Organisationen wie das Aktionsbündnis gegen Studiengebühren.
Wichtig  ist auch die Unterstützung der Studierendenschaften in Bayern: Dort  gibt es keine studentische Selbstverwaltung. Der fzs unterstützt hier  die unabhängigen Studierendenschaften, damit auch die Studierenden dort  eine Vertretung ihrer Interessen haben.

Vorwürfe an den fzs
Häufig wird dem fzs vorgeworfen, er sei „ideologisch“ , „zu links“ und nicht politisch neutral. Allerdings stellt sich die  Frage, inwiefern eine politische Neutralität in diesem Fall überhaupt sinnvoll ist. Zudem kommt der Vorwurf häufig von anderen studentischen Vertretungen wie beispielsweise dem RCDS, die jedoch selbst ebenfalls eigene Interessen vertreten und den fzs dementsprechend als Konkurrenz wahrnehmen. Gerade in der Zeit vor acht Jahren als einige Mitglieder aus Hessen, Berlin und dem Ruhrgebiet ausgetreten sind, war der Vorwurf gegen den fzs übrigens nicht, dass er zu links sei, sondern dass er nicht links genug wäre. Wenn der RCDS diese Austritte als Absicherung der eignen Weltsicht präsentiert, verklärt er schlicht die eigene Isolation. Zudem engagiert sich der fzs klar gegen Ausgrenzung, Rassismus und Intoleranz und unterstützt dementsprechende zivilcouragierte Projekte. Dies führt häufig zu Kritik von Gruppen, die in dem Engagement gegen Ausgrenzung keinen Sinn erkennen können. Des Weiteren ist vielen Mitgliedern des fzs daran gelegen, nicht bei theoretischen Überlegungen zu verharren, sondern diese bspw. durch die Teilnahme an Demonstrationen auch praktisch umzusetzen. Es stellt sich immer die Frage, ob Ziele wie Chancengleichheit, Antidiskriminierung und eine soziale, demokratische und vor allem multikulturelle Gesellschaft eine Bezeichnung als „zu ideologisch“ verdient haben.
Insbesondere bei der Urabstimmung in Bonn wurde argumentiert, der fzs koste zu viel Geld. Doch wenn man die 26.800 Euro, die die Mitgliedschaft im fzs die Studierendenschaft jährlich kostet, durch alle Studierende der Uni teilt, kommt man auf weniger als einen Euro. Einen Euro, den jede*r Studierende im Jahr dafür ausgibt, dass sie*er bundesweit eine Interessenvertretung für studentische Belange hat.
Auch der Vorwurf, der fzs wirke mit seinem gesellschaftspolitischen Engagement über seine Kompetenzen hinaus, kann schnell entkräftet werden. Die Universität ist Teil dieser Gesellschaft und als solche spiegelt sie gesellschaftliche Verhältnisse wieder. Eine Veränderung dieser kann nicht nur inneruniversitär funktionieren, sondern muss einen gesamtgesellschaftlichen Anspruch haben. Es ist notwendig, gesellschaftliche Prozesse zu betrachten und zu reflektieren, um diese auf universitärer Ebene hinterfragen und identifizieren zu können. Als angehende Wissenschaftler*innen oder sogenannte Akademiker*innen sollten wir alle an diesem Prozess teilhaben und können ihn nur sinnvoll verwirklichen, wenn wir die Struktur unserer Gesellschaft hinterfragen und das Bildungssystem nicht als ausgegliederten Teil davon betrachtenEs bringt nichts, sich innerhalb der Universität gegen Diskriminierung einzusetzen, wenn man dies nicht auch auf die Gesamtgesellschaft überträgt. Unterfinanzierung, starre Prüfungsordnungen, zu wenig BAföG, schlecht bezahlbarer Wohnraum, schlecht bezahlte Studijobs und weitere Probleme teilen sehr viele Studierende in Deutschland und insofern ist eine Vernetzung und Bündelung der Stimmen über einen Dachverband strategisch sinnvoll.
Viele Studis haben sich zu Recht gewundert, dass sie mittelbar Teil des studentischen Dachverbands sind und die Mitgliedschaft mit ihrem Semesterbeitrag mittragen. Aus dem Unwissen über diesen Dachverband jedoch Ablehnung zu schließen wäre fatal, denn die Einflussmöglichkeiten und die Wichtigkeit eines Vereins oder eines Gremiums bemisst sich nicht an deren Bekanntheitsgrad (Wieviele Studis kennen schon alle Ausschüsse des Stadtrats? Oder die höchsten Posten in Bundesministerien? Oder den Vorsitz der Bertelsmannstiftung?)

Der Mehrwert für und durch die Uni Bonn
Die Kosten von wenigen Cents pro Studierendem, die die Mitgliedschaft im fzs kostet, werden durch den Nutzen weit überwogen.  In zahlreichen Referaten des AStA werden die Publikationen des fzs  verteilt, die euch klare und fundierte Informationen und Hilfestellungen  geben. Auch kann der Bonner AStA durch einen Verbleib im fzs weiter  Einfluss auf seine Ausrichtung nehmen und so neue Gesetze mit  beeinflussen. Alleine das rechtfertigt schon die Mitgliedschaft im fzs.  Darüber hinaus ist es auch wichtig für den fzs, dass eine so große Studierendenschaft wie die in Bonn (wie Bonn sie hat) weiterhin Mitglied ist, da dies seine Stimme verstärkt, wovon letztlich auch wieder die Studierendenschaft  vor Ort profitiert. Eine Alternative wäre die Vertretung durch eine parteiliche studentische Vertretung, beispielsweise den RCDS. Die Mehrheitsverhältnisse im Studierendenparlament zeigen jedoch deutlich, dass die Mehrheit der Studierenden sich von links ausgerichteten Gruppen vertreten sehen will. Der fzs ist also unsere starke Stimme, die uns als Studierende der Uni Bonn auf Bundesebene vertritt.
Sicherlich sind in den vergangenen acht Jahren ein paar große Studierendenschaften aus verschiedenen Gründen aus dem fzs ausgetreten.* Keine dieser Studierendenschaften hat jedoch bisher sinnvolle Gegenvorschläge hervorgebracht oder eine konstruktive Alternative zum fzs aufgebaut. Nicht zu missachten ist auch der Trend vieler Neu- und Wiedereintritte in den letzten Semestern: durch gute inhaltliche Arbeit, konstruktiven und freundlichen Umgang bei den Ausschussitzungen, und spannenden Wochenendseminaren konnten viele Menschen vom Projekt fzs überzeugt werden.

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