Altehrwürdig, stattlich – baufällig

Der aktuelle Zustand unserer Universität und der Philologischen Bibliotheken

 von Laila N. Riedmiller

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Karikatur: Jan Bachmann

Teile der Bonner Universität befinden sich in einem alten Schloss. Das bringt viele angenehme Dinge mit sich, wir befinden uns im Gegensatz zu anderen Universitäten nicht auf einem abgeschlossenen Campus, sondern sind mit dem Schritt durch die Tür mitten in der Stadt.
Im Sommer halten die dicken Mauern zumeist die Wärme draußen und es ist angenehm kühl. Zudem hat die Universität einen ganz eigenen Charme, den das alte Gemäuer ausstrahlt.
Doch neben all diesen Möglichkeiten bedeutet die Nutzung alter Gebäude eine Verantwortung, nämlich die, die Räumlichkeiten instand zu halten. Das ist aufwändig, teuer und kann je nach Dauer und Intensität der Arbeiten den Betrieb der Universität beeinflussen.
Wenn solche Instandhaltungsarbeiten jedoch ausbleiben, wird es erst richtig teuer. Denn dann wird irgendwann der Punkt erreicht, an dem es ohne Reparaturarbeiten nicht mehr geht.
Dieser Punkt ist nun im Hauptgebäude – offenbar schon seit einigen Jahren – erreicht.
Die Philologischen Bibliotheken stehen vor einem gewaltigen Problem.

Wissen wiegt schwer
Inzwischen haben sich dort solche Mengen an Büchern angesammelt, dass die Statik des Gebäudes bedroht ist. Infolgedessen ist es für die Bibliotheken nicht mehr möglich, ohne weiteres neue Literatur anzuschaffen. Dies geht der Pressestelle der Uni zufolge nur, wenn für jedes neu angeschaffte Buch ein anderes ins Magazin verschoben wird.
Auf Nachfrage teilte die Universität mit, es ergäben sich dadurch keine wesentlichen Einschränkungen des Studienbetriebs. Allerdings ist durchaus anzunehmen, dass die Recherchearbeiten bis auf weiteres einen höheren Zeitaufwand einfordern werden, da insbesondere ältere Lektüre erst aus dem Magazin angefordert werden muss.
Da sich die bisherigen Bibliotheken fast allesamt nicht im Erdgeschoss befinden und sich deren Gewicht in höheren Etagen stark auf die gesamte Statik des betagten Gemäuers auswirkt, bevorzugt die Universitätsleitung einen generellen Umzug der Bibliotheken entweder in einen Neubau oder –  zumindest eingeschränkt – ins Erdgeschoss der alten Gebäude.

Erschwerte Raumproblematik
Um den Betrieb der Bibliotheken wieder uneingeschränkt aufnehmen zu können, werden derzeit Ausweichmöglichkeiten gesucht. Ursprünglich war angedacht, alle Institutsbibliotheken des Hauptgebäudes in einem Neubau zusammenzufassen, der bei einem Umbau des Viktoriakarrees dort hätte angesiedelt werden sollen. Die Universitätsleitung sieht dies zudem als eine Möglichkeit, „Synergieeffekte, die bei der bisherigen, zersplitterten Unterbringung nicht zu erzielen waren“ zu erzielen, so der Pressesprecher.
Dieser Plan musste allerdings mit dem Bürgerbegehren vorerst auf Eis gelegt werden. Nun ist die Universität erneut auf der Suche für eine geeignete Räumlichkeit, die sich nach Einschätzung der Pressestelle vermutlich noch einige Jahre hinziehen wird. Bis dahin ist damit zu rechnen, dass die Literaturrecherche mehr Zeit in Anspruch nehmen wird.

Die Alma Mater hat Risse
Doch nicht nur die Bibliotheken sind akut renovierungsbedürftig. Geht man aufmerksam durch das Hauptgebäude, so fällt an einigen Stellen auf, dass es an der Zeit für eine umfassende Sanierung ist. Bisher wurde immer nur teilweise saniert oder repariert, eine Kernsanierung fand jedoch nicht statt. Auch dies ist ein Grund dafür, dass die Bibliotheken mindestens für die Zeit der Sanierungsarbeiten umziehen müssten, um die Sanierung schneller durchführen zu können und gleichzeitig die Nutzungsmöglichkeiten der Bibliotheken nicht allzu sehr einzuschränken.
Allerdings müssen für die Kernsanierung auch andere Räume frei werden und dies ist aktuell ein großes Problem. Zurzeit wird nach Ausweichräumlichkeiten gesucht, diese sind jedoch noch lange nicht im ausreichenden Maße vorhanden, was die Sanierung weiter hinauszögert und auch einen konkreteren Zeitplan der Sanierung bisher nicht ermöglicht.
Die Kosten der Sanierung

Nun bleibt zu hoffen, dass die Ausweichräumlichkeiten möglichst bald in ausreichendem Maß zur Verfügung stehen und sich der Zustand des Hauptgebäudes bis dahin nicht massiv verschlechtert.
Es bleibt abzuwarten, in welchem Zeitraum die Sanierung wird stattfinden können, fest steht jedoch: Es werden bis dahin noch ein paar Jahre ins Land ziehen. Zeit genug, sich auf die Kosten einzustellen, die die fachgerechte Sanierung eines so alten und großen Gebäudes mit sich bringt. Sie belaufen sich allein für das Hauptgebäude laut einer Kostenschätzung, auf die sich die Pressestelle beruft, auf rund 92 Millionen Euro.

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