Studierende, stellt die Räder ab!

Die Buslinie 632 könnte eingestellt werden

 von Laila N. Riedmiller

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Foto: fw

Studierenden, die regelmäßig in Richtung Venusberg fahren müssen, ist die Linie 632 bekannt. Sie wird gerne genutzt, um Fahrräder über den Berg zu nehmen und abends mit dem Rad nach unten zu fahren. Insbesondere die Naturwissenschaftler_innen und Mediziner_innen der Uniklinik machen von der Fahrradlinie regen Gebrauch, die zwischen Poppelsdorf und dem Venusberg verkehrt.
Diese soll, so sieht es eine Beschlussvorlage vor, die nun in den politischen Gremien diskutiert wird, eingestellt werden. Grund dafür, so teilen die SWB auf Anfrage mit, sei eine fehlende Wirtschaftlichkeit der Buslinien. Christian Smydra, Sachbearbeiter der Stadt Bonn und zuständig für die ÖPNV-Angebotsplanung, verweist darauf, dass die Linie im Schnitt pro Fahrt neben den Fahrradfahrer_innen nur von ca 8 weiteren Fahrgästen genutzt würde –  gegenüber 46 Fahrgästen, die im Schnitt pro Fahrt die Linie 601 nutzen. Zudem sei die Linie 632 von vornherein als Probebetrieb angelegt gewesen, der nun aufgrund mangelnder Rentabilität eingestellt werden könnte.
Die betroffenen Fachschaften schlugen auf Anfrage des Friedrichs Wilhelm vor, man könne beispielsweise die Linie nur zu den Stoßzeiten einsetzen und kritisierten eine generelle Einstellung der Linie. Dieser Vorschlag sei ebenfalls diskutiert worden, so Smydra. Allerdings sei das vorrangige Ziel der SWB, gleichzeitig die stark überfüllte Linie 601 zu entlasten, indem diese häufiger verkehre. Würde die vergleichweise kurze Strecke der Linie 632 dagegen verlängert, würde sie attraktiver für andere Fahrgäste und im gleichen Atemzug unattraktiver für Radfahrer_innen, da damit auch der verfügbare Platz geringer würde. Eine Lösung, die für alle Parteien zufriedenstellend sei, sei schwierig, räumt er ein.

Auch die Tatsache, dass der Rat im neuen Haushaltsplan beschlossen hat, die Stadtwerke nicht mehr weiter zu bezuschussen und deren Gewinnausschüttung an die Stadt zurückzuführen, sei dafür verantwortlich, dass die Stadtwerke sparen müssten und unrentable Buslinien daher eingestellt würden. Generell gibt Smydra zu bedenken, dass die Haushaltslage der Stadt Bonn zurzeit sehr angespannt sei.

Als Ausweichmöglichkeiten schlägt die Stadtverwaltung, falls es zu einer Streichung der Linie zum Fahrplanwechsel im Dezember 2016 kommen sollte, vor, die anderen Buslinien zu nutzen. Smydra räumt jedoch ein, dass durch den fehlenden Komfort einer separaten Fahrradbuslinie und die alternative Nutzung der Linie 601 andere Fahrgäste verärgert werden könnten, wenn insbesondere im Berufsverkehr Fahrräder mit in den Bus genommen würden. Eine Möglichkeit bestünde darin, die Fahrräder am Poppelsdorfer Platz abzustellen, von dort mit dem Bus weiterzufahren und die Räder abends dort wieder abzuholen.
Zudem werde bis 2017 eine Machbarkeitsstudie durchgeführt, die feststellen soll, ob langfristig eine Seilbahnverbindung auf dem Venusberg eine sinnvolle Option sei. Vermutlich noch vor der Sommerpause soll die Öffentlichkeit an der Studie beteiligt werden.

Die Fachschaften gaben an, dass weder die SWB noch die Stadt Bonn bisher das Gespräch mit den betroffenen Studierendenvertretungen gesucht hätten.

Die Beschlussvorlage kann im Bonner Rats- und Informationssystem BoRIs als Drucksache 1611553 eingesehen werden.

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