Stellenkürzungen – Nichts Neues für kleine Fächer?

aus der Reihe “Schön (und) selten – Orchideenfächer an der Uni Bonn”

Dass in der diesjährigen Sparrunde alle Fakultäten von Kürzungen betroffen sind, ist bekannt. Doch wie sieht es bei den Stiefkindern der Alma Mater, den kleinen Fächern aus? Nach Jahren des Darbens scheinen die Institute dieser Fächer eher „einsparungsgewohnt“.

Ich konnte den de facto Institutsleiter der Keltologie, Dr. Gisbert Hemprich zu einem Interviewtermin treffen und dazu befragen.

MK: Herr Hemprich, dieses Jahr müssen ja alle mit sparen. Macht sich das bei den kleinen Fächern wie der Keltologie überhaupt noch bemerkbar?

Hemprich: Im Gesamtrahmen nicht. Dieser zeigt ja, dass der wirtschaftliche Druck auf die einzelnen Fächer immer größer wird. Wenn von wirtschaftlicher Seite ein Fach keine Relevanz hat, wird versucht diese zunächst an den Rand zu drängen und sukzessive einzusparen. Das macht sich besonders bemerkbar daran, dass der Mittelbau der Lehre wegfällt, wenn dieser nicht durch Drittmittel gestützt werden kann. Es wird also nicht nur an Professuren gespart, sondern auch beim Lehrpersonal unterhalb der Professuren.

Insbesondere kleine Fächer, die Kurse bspw. zu Sprachen anbieten müssen, die man wohl kaum von der Schule mitbringt, wie Irisch-Gälisch oder Walisisch, bekommen dann Schwierigkeiten die Lehrplätze mit Lehraufträgen zu besetzen. Ohne den Einsatz von einigen Dozenten, der an Selbstausbeutung grenzt, wäre die Grundlagenlehre kaum noch zu stemmen. Dass das Niveau dabei ebenfalls leidet ist keine Frage. Der Leistungsgedanke nach dem Motto „Studieren muss sich lohnen.“ wird ziemlich ad absurdum geführt. Wer sich über die geforderten Studienleistungen hinaus bemüht für eines oder beide seiner Fächer (Besonders die kleinen Fächer sind häufig nur noch Begleitfächer. Anm. d.A.) hat davon heutzutage nichts mehr.

MK: Ist die Keltologie in dieser Sparrunde betroffen?

H: Ja, wenn auch nicht direkt. Auch wenn wir versuchen eine Stelle aufzustocken, sind wir betroffen.

(Anm. d.A.: Die Professur bleibt zwar weiterhin ausgeschrieben, ist aber unbesetzt und wird wohl auch weiterhin vakant bleiben, wenn nicht sogar ebenfalls gestrichen. Hoffnungen auf eine Neubesetzung scheint sich jedenfalls niemand mehr zu machen.)

MK: Wie groß ist das Institut eigentlich?

H: Wir haben aktuell circa 50 Studenten über alle Fachsemester. Die wissenschaftlichen Mitarbeiter und die Lehrenden belaufen sich auf zwei feste, aber halbe, Stellen, 2 bezahlte Lehraufträge, 2 unbezahlte Lehraufträge, 2 Tutorate und eine HiWi-Stelle. Alles was mit dieser Besetzung nicht angeboten werden kann, übernehmen freiwillige Fachkollegen, Studenten höherer Fachsemester und Ehemalige des Instituts ohne eine Gegenleistung zu verlangen oder zu bekommen. In Deutschland werden nur hier die Grundlagen des Faches in vollem Umfang angeboten. Leider geht es nur dank des Engagements der Fachkollegen.

Außerdem haben wir in der Fachwelt einen außergewöhnlich hohen Stellenwert, so dass wir in jedem Jahr für ein so kleines Fach zahlreiche Erasmusstudenten aus mehreren Ländern begrüßen dürfen und nicht zuletzt wegen unserer Bibliothek für historische, vergleichende Sprachwissenschaft, die über lange Jahre forschende Kollegen, auch von weit her angelockt hat. Diese Bibliothek galt lange Zeit als die Bedeutendste in ganz Deutschland und eine der wichtigsten in Europa.

(Anm. d.A.: Die Bibliothek wurde in den vergangenen 2-3 Jahren zerschlagen und einzelne Bereiche an andere Universitäten und Institute abgegeben. Aus ursprünglich zwei Etagen voller Bücher wurde so gerade mal eine Halbe.)

MK: Was leisten die Institutsmitarbeiter neben der Lehrtätigkeiten?

H: Forschung findet leider offiziell nicht mehr statt und wird von den Institutsmitarbeitern in ihrer Freizeit übernommen. Des weiteren organisieren wir bis zu 4 Exkursionen im Jahr zu Museen, Ausstellungen, Freilichtmuseen und archäologischen Fundstellen, keltologische Filmabende und unsere obligatorische Kostümfeier an Halloween. Außerdem versuchen wir weiterhin regelmäßige Colloquiumsvorträge anzubieten.

MK: Wenn sie etwas tun könnten, um die Prozesse der Hochschulpolitik zu Gunsten der kleinen Fächer zu beeinflussen, was wäre ihr Ansatz?

H: Wahrscheinlich die Möglichkeit, dass kleine Fächer nicht vollständig gestrichen werden können.

MK: Man gewinnt den Eindruck, dass sich die Universitäten mit den Federn der kleinen Fächer schmücken, diese aber längst nicht mehr fördern. Wie kommt der Umfang der Kürzungen in diesem Jahr bei ihnen an?

H: Es zeigt zwar, dass nun wirklich ALLE sparen müssen, aber in Relation bleibt die Philosophische Fakultät weiterhin hauptsächlich betroffen.

MK: Wie schaut es mit Drittmitteln aus?

H: Drittmittel sind für kleine Institute ein Segen, aber der Uni an sich und im Ganzen helfen Drittmittel kaum weiter. Sie spielen im großen Rahmen keine Rolle mehr.

MK: Das war es schon. Ich bedanke mich für das Gespräch.

H: Ich habe zu danken.

das Gespräch führte Mike Kerpers

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