Dear Google, what does it mean to leave the EU?  

Welche Folgen der Brexit für ein Studium in Großbritannien haben kann.

Ein Gastkommentar von Chiara Mazziotta

Am 23. Juni 2016 wurde in Großbritannien das Referendum über den EU-Austritt durchgeführt. Das Ergebnis ist bekannt: 51,9 Prozent der Wähler sprachen sich für den Brexit aus. Damit geht ein sehr emotionaler Wahlkampf zwischen den Befürwortern des Austritts und den Gegnern zu Ende. Die Ermordung der Labour-Abgeordneten und Brexit-Gegnerin Jo Cox kann als erschütternde Konsequenz der zunehmenden Verrohung der öffentlichen Diskussion gesehen werden. Auf Sachlichkeit und Wahrheitstreue wurde dabei nicht immer Wert gelegt: Unmittelbar nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses gaben führende Köpfe der Leave-Kampagne zu, dass viele ihrer Behauptungen entweder zu optimistisch oder sogar schlichtweg erlogen waren. Die wirtschaftlichen Voraussagen der Remain-Seite dagegen, vor dem Referendum gerne als Schwarzmalerei abgetan, begannen sich schon während der Wahlnacht zu bewahrheiten. Der Absturz des Pfunds parallel zum Eintreffen der ersten Ergebnisse ist hier nur das offensichtlichste Beispiel.

Erasmus-Programm gefährdet
Neben den intensiv diskutierten politischen und wirtschaftlichen Folgen, können sich jedoch auch erhebliche Konsequenzen für Studierende und den europäischen Hochschul- und Forschungsraum ergeben. So erfreut sich Großbritannien bei den Studierenden der Europäischen Union großer Beliebtheit. Diese nutzen das Erasmus-Austauschprogramm und profitieren von günstigen Auslandsaufenthalten. Die Verträge der Europäischen Union stellen dabei sicher, dass innerhalb der Europäischen Union Studiengebühren unabhängig vom Herkunftsland erhoben werden: Studierende aus EU-Ländern zahlen für ein Studium in Großbritannien im Regelfall 9000 Pfund pro Jahr, Nicht-EU-Studierende dagegen das Doppelte. Mit dem Ende der Mitgliedschaft in der EU entfällt diese Verpflichtung, was den Austausch zwischen internationalen Studierenden der EU-Länder sowie Großbritanniens erheblich einschränken dürfte. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass sich neue bürokratische Barrieren, wie zum Beispiel durch den Wegfall der Reisefreiheit auftun, die genau wie unmittelbare finanzielle Hemmnisse abschreckend wirken.

Verlust internationaler Kooperationen
Aber nicht nur der Austausch zwischen internationalen Studierenden wird durch den Brexit gefährdet. Die enge Partnerschaft in Forschung sowie der Austausch zwischen den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern kann aufgrund eines Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union behindert werden. Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz fordert die politisch Verantwortlichen deshalb dazu auf, „trotz der anti-europäischen Entscheidung zu tragfähigen Vereinbarungen zu kommen um den Schaden für den europäischen Hochschulraum so gering wie möglich zu halten.“.

Wie wichtig schon für die Universität Bonn die Kooperation mit Großbritannien ist, lässt sich an einer aktuellen Forschungskooperation verdeutlichen: Gemeinsam mit der Universität Birmingham untersuchen Wissenschaftler unserer Universität neue Ansatzpunkte zur Heilung von Leberkrebs. Nach einem Brexit könnten solche Projekte möglicherweise nicht fortgeführt werden.

Fehlende Fördergelder durch die EU
Neben den vielen wissenschaftlichen Kooperationen profitieren die Universitäten in Großbritannien auch stark von EU-Forschungsprojekten. So erhielten die britischen Universitäten zwischen 2007 und 2013 rund 3,4 Milliarden Euro an EU-Mitteln. Aktuell erhält Großbritannien mit 1,4 Milliarden Euro von allen europäischen Ländern den größten Anteil der EU-Fördergelder für Wissenschaft und Forschung. Das entspricht ungefähr 16 Prozent der Gesamtfinanzierung der britischen Hochschulen. Besonders erwähnt werden sollte an dieser Stelle das EU-Förderprogramm Horizon 2020, das in erheblichem Maße zur Vernetzung der wissenschaftlichen Community in ganz Europa beiträgt. So besteht die Gefahr, dass der Brexit und seine Konsequenzen Großbritannien auch in wissenschaftlicher Hinsicht wieder zu einer Insel machen.

Die Zukunft der Wissenschafts- und Forschungslandschaft ist ungewiss und wird sich in den kommenden Jahren stark verändern. Deshalb müssen schnell und entschieden Gegenmaßnahmen eingeleitet werden, um den europäischen Hochschul- und Forschungsraum zu erhalten und durch die vielen Kooperationen weiterhin positive und nachhaltige Effekte für die Volkswirtschaften und das gegenseitige Verständnis zu erzielen. Gerade die jungen Menschen in ganz Europa, die in Großbritannien mit großer Mehrheit auf der Remain-Seite standen, haben hier am meisten zu verlieren.

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