Ersti-FW

Wintersemester 2019/20

Liebe neuen und alten Leser*innen,

In der diesjährigen Ersti-FW zum Wintersemester 2019/20 geht es um studentische Selbstverwaltung und ihren Nutzen, das neue Hochschulgesetz für Nordrhein-Westfalen, Tipps für ein fittes Studium mithilfe des Unisports. Außerdem findet ihr in dieser Ausgabe einen Stimmungsführer, einen Comic über den ersten Tag an der Uni sowie einen Artikel über Burschenschaften.

Wir hoffen, dass auch die “alten Hasen” unter den Student*innen ihre Freude an dieser Ausgabe haben werden.

Eure FW-Redaktion

Hier geht es zur Ersti-FW 2019/20

Mensa bald im Freien?

Der Abriss der Mensa-Nassestraße und die möglichen Zwischenlösungen

An vielen Studierenden ist es bis jetzt vorbei gegangen, aber genau wie die Campusmensa in Poppelsdorf soll nun auch die Mensa in der Nassestraße erneuert werden. Dem ganzen Mensagebäude inklusive dem AStA steht der Abriss bevor. Schon lange laufen die Verhandlungen zwischen der Universität, der Stadt und dem Studierendenwerk darüber, wie es nun weitergehen soll. Geplant ist der Abriss für das Frühjahr 2020, geplante Sanierungsdauer: 3 Jahre. 3 Jahre in denen die Studierenden von Juridicum, Hauptgebäude und Co., von vier der sieben Fakultäten, wo essen gehen?

Genau das ist die entscheidende Frage, die im Moment die Gemüter bei allen drei Partnern erhitzt. Das zuständige Komitee hat sich inzwischen für den Entwurf eines Architekten entschieden, die Pläne liegen vor. Was immer noch nicht vorliegt, ist die Interimslösung, der Ort, wo die Mensagängerinnen und Mensagänger in Zukunft hingehen können.

Wie auch in Poppelsdorf ist ein mehrstöckiges Zelt geplant, welches die Essensausgabe für die Zeit der Sanierung beherbergen wird. Das Problem an dieser Stelle: Wo soll dieses Zelt stehen?

Lange Zeit wurde dieser Punkt zum Zankapfel zwischen Universität, Stadt und Studierendenwerk. Bisher wurden als Standort gehandelt die Wiese beim Alte Zoll, die Grünfläche vor der ULB, der Parkplatz des Juridicums, das hintere Ende des Hofgartens vor dem akademischen Kunstmuseum und der Kaiserplatz. Abgelehnt wurden diese Alternativen alle von Universität oder Stadt aus den üblichen Gründen: Sanierungsmaßnahmen, Denkmalschutz, dadurch fehlende Mieteinnahmen, dem Beethoven-Jubiläum 2020 oder dem zerstörten Blick auf großartige Sehenswürdigkeiten der Bundesstadt.

Unterdessen schreitet die Zeit immer weiter fort und unklar bleibt weiterhin, wie zahllose Studierende pro Tag versorgt werden sollen. Nach einem offenen Brief des Studierendenparlamentes an die Streithähne hat die Uni die Angelegenheit jetzt zur „Chefsache“ erklärt. Die drei Parteien arbeiten konstruktiv zusammen, um eine Lösung zu finden. Mögliche Standorte zum jetzigen Zeitpunkt sind das Ende der Hofgartenwiese, der Parkplatz neben oder die Rasenfläche vor der Bibliothek.

Wie sich diese konstruktive Arbeit entwickelt und zu welchen Ergebnissen die Bemühungen im wiederholten Anlauf kommen werden ist noch offen. Für alle Mensagänger*innen bleibt es weiterhin spannend. Wird er oder sie bald unter freiem Himmel essen gehen müssen oder ganz leer ausgehen?

… und basta.

Über die Geschichte der Zeitung des Bonner AStA (Teil1)

Der Friedrichs Wilhelm, so wie man ihn heute kennt, erscheint nun bereits seit fast vier Jahren. Zu Beginn des Wintersemesters 2o15 erschien die erste Ausgabe des Magazins, das vom Bonner AStA herausgegeben wird. Er löste damit die alte Zeitung des Bonner AStA ab, die BAStA. Am 15. Juli 2o15 war mit der Nummer 738 die letzte Ausgabe des Heftes erschienen, dass die Studierendenschaft 25 Jahre lang über Hochschulpolitik informiert hatte.

Die erste Ausgabe der BAStA – übrigens kurz für: Berichte aus dem AStA – war im Jahr 199o erschienen. Sie sollte die immer größer werdende Flugblattflut auf den Tischen der Mensa eindämmen. Bevor es das Internet gab, informierten die Referate des AStA die Studierendenschaft etwa über bevorstehende Veranstaltungen, aber auch über organisatorische Dinge hauptsächlich über Handzettel, diese sollten nun in einem Heft gebündelt werden. So umfasste das Heft in den 9oer Jahren oft nur 4 A4-Seiten auf einem Bogen, erschien aber dafür teils sogar einmal pro Woche. Meist gab es nur einen Artikel pro Ausgabe, oft handelte es sich hierbei um Stellungnahmen des AStA zu aktuellen (hochschul-)politischen Fragen. Im Laufe der Jahre erweiterte sich dann der Umfang des Heftes, ab der Jahrtausendwende betrug der Umfang der BAStA fast durchgehende acht Seiten.

Als linke Hochschulgruppen im Jahr 2o1o den AStA, der zuvor ein Jahr von einer RCDS-Koalition gestellt wurde, übernahmen, erhöhte sich die Anzahl der Seiten erneut, die umfangreichste Ausgabe brachte es auf stolze 24 Seiten. In dieser Zeit erschienen auch die „Themen-BASten“, in denen sich verschiedene Beiträge mit einem Schwerpunktthema auseinandersetzten und teils zu großer Resonanz unter den Leserinnen und Lesern führten. Nicht selten zogen sich die Diskussionen der Leser*innen mit der Redaktion über mehrere Ausgaben hin – heute gibt es solche Debatten – wesentlich zeitnäher – digital.

Im Jahr 2o15 kam dann das Ende, die Gründe hierfür waren vielfältig: Es bestand der Wunsch, neues, engagiertes journalistisches Projekt zu starten, um die ansonsten recht eintönige lokale beziehungsweise universitäre Medienlandschaft zu bereichern. Das Image der BAStA, eher ein Verlautbarungsorgans zu sein, passte hierzu nicht mehr recht, zumal sie zu diesem Zweck ohnehin kaum noch verwendet wurde.

Anwesenheitspflicht: Legal, Illegal, Scheißegal?

Gastbeitrag von Simon Merkt

 

Seit 2014, als die damalige,  rot-grüne Landesregierung ein neues Hochschulgesetz für NRW auf den Weg brachte, ist die Anwesenheitspflicht an nordrheinwestfälischen Universitäten und anderen Hochschulen eigentlich größtenteils abgeschafft. Im damals  so benannten Hochschulzukunftsgesetz heißt es in Paragraph 64 Absatz 2a:

„Eine verpflichtende Teilnahme der Studierenden an Lehrveranstaltungen darf als Teilnahmevoraussetzung für Prüfungsleistungen nicht geregelt werden, es sei denn, bei der Lehrveranstaltung handelt es sich um eine Exkursion, einen Sprachkurs, ein Praktikum, eine praktische Übung oder eine vergleichbare Lehrveranstaltung.“

Das Gesetz unterscheidet hier also klar zwischen Veranstaltungen, welche durch Interaktion der Studierenden untereinanter oder mit den Dozierenden einen Mehrwert gegenüber dem Selbststudium von Literatur, Online-Kursen oder anderer eigenständiger Methoden einen Mehrwert  bieten, und Veranstaltungen, die aus simplem Vortragen des zu erlernenden Stoffs bestehen und diesen Mehrwert  eben nicht bieten.

Doch was heißt das jetzt für das in den meisten Studiengängen als Seminar bekannte Format, in welchem  jede Sitzung abwechselnd ein Vortrag von Studierenden gehalten wird? Irgendwie machen hier Studierende ja mit, aber wirkliche Interaktion innerhalb der Veranstaltung findet nicht statt. Das Dekanat der Philosophischen Fakultät fand in einem Rundschreiben kurz nach in Kraft treten des Verbots klare Worte und schreibt nach einer kurzen Auflistung der vom Gesetzestext ausgenommenen Veranstaltungstypen (s.o.): „Für alle anderen Veranstaltungstypen – darunter ausdrücklich der Veranstaltungstyp des Seminars – darf keine Anwesenheit verpflichtend gemacht werden.“

Auch für Seminare scheint also zu gelten, dass Anwesenheit nur dann erforderlich  sein darf, wenn sie zur Vermittlung des Lernstoffs notwendig ist, hier also logischerweise nur am Tag des eigenen Vortrags.

 

Doch wieso jetzt dieser Artikel vier Jahre nach Einführung des Gesetzes? Er scheint  aus zwei Gründen notwendig.

Zum einen halten sich viele Dozierende schlicht nicht an das Verbot der Anwesenheitspflicht oder umgehen es. Vermutlich aus Angst  halbleere Veranstaltungsräume würden in erster Linie für die mangelhafte Qualität der Lehre sprechen – was sicherlich nur teilweise zutrifft – wird hier die Chance verkannt, die für Studierende besteht, wenn sie nach eigenem Tempo, zu flexiblen Zeiten und mit dem von ihnen bevorzugten Medium  lernen.

Der andere Punkt ist, dass die aktuelle, schwarz-gelbe  Landesregierung plant, unter dem Label Hochschulfreiheitsgesetz diese Wahlfreiheit der Studierenden über ihre Lernmethode wieder zu kippen und die Universitäten bzw. Fakultäten über das Ausmaß der Anwesenheitspflicht entscheiden zu lassen. Wie diese v or-Ort-Entscheidungen wohl ausfallen werden  scheint absehbar, wenn man sich konkret anschaut, mit welchen Fällen Studierende ans  hochschulpolitische Referat des Bonner AStA treten . Von vermeintlichen Übungen, die beim genaueren Hinsehen aus reinem Monolog bestehen, bis zu Anwesenheitslisten, die – und zwar erst auf Nachfrage – rein statistischen Zwecken dienen sollen und – hier gehen mündliche und schriftliche Aussagen teilweise außeinander – spätere Notengebung und Zulassungen natürlich nicht beeinflussen  scheint hier der kriminellen Kreativität keine Grenzen gesetzt.

 

Deswegen ist es unerlässlich  für die Idee hinter  dem Anwesenheitspflichtsverbot zu werben und auf die drohende Abschaffung hinzuweisen. Vielleicht kann hier ja  ein ähnlicher Erfolg wie bei den Studiengebühren für Studierende aus n icht-EU-Ländern erziehlt werden. Dieses Vorhaben wurde nach erheblichem Protest erst mal  auf die lange Bank geschoben und  es ist fraglich, ob es überhaupt noch realisiert wird.

Außerdem ist es bis zur Abschaffung noch ein langer Weg und  aktuell gilt das Verbot noch. Jeder Umgehungsversuch lässt sich also verhindern und auch,  wenn eine Klage für Betroffene ein mühsamer Weg ist, zeigt die Erfahrung, dass es oft schon reicht  Dozierende mit Nachdruk auf die bestehende Gesetzeslage hinzuweisen. Falls Angst vor negativen Konsequenzen bei der Notenvergabe besteht oder der passende Gesetzespassus nicht parat ist, hilft das hochschulpolitische Referat des AStA (hopo@asta.uni-bonn.de) gerne