Editorial

Liebe Leser:innenschaft,

eine weitere Ausgabe des „Friedrichs Wilhelm“ wartet auf euch! Wem es noch nicht aufgefallen ist: Neuerdings erscheint “Des Friedrichs Wilhelm” nur noch alle  vier Wochen. So können wir euch umso mehr Qualität und Artikelfülle liefern. Diese Ausgabe könnt ihr euch auf gleich zwei Interviews freuen. Zuerst durften wir Bijan Moini treffen, welcher mit Ferdinand von Schirach an dessen neuen Buch „Jeder Mensch“ gearbeitet hat und uns so ein wenig über neue und alte Grundgesetze erzählen konnte. Und dann berichtet Tom über die neue Ausstellung des Hauses der Frauen-Geschichte aus der Bonner Altstadt. Weitere Recherchearbeit wurde von Simeon getätigt, welcher euch in seinem Artikel über den neuen Entwurf des Versammlungsgesetzes in NRW informiert.  Natürlich darf auch Helenes Kolumne nicht fehlen und neben diesem gab es außerdem noch eine Reaktion der KriPS auf Helenes Kommentar über einen Rassismusvorfall an der Uni Bonn. Um diesen Fall wenigstens ein bisschen aufarbeiten zu können, könnt ihr dort außerdem drei Informationstexte über Angebote und zukünftige Anlaufstellen für Rassismusbetroffene finden.

Wie immer freuen wir uns über jegliche Art des Feedbacks und wünschen euch viel Spaß beim lesen!

Melina Duncklenberg, Chefredakteurin

Inhalts-verzeichnis

Uni Bonn

Sowohl der AStA, als auch die KriPS haben sich zu Rassismus an der Uni (Bonn) geäußert

Uni Bonn

Adressen für Änderung und Aussprache

Politik

Ein Interview mit Schirachs Co-Autor
zu dessen neuem Buch

Kultur

Über die Undurchsichtigkeit
der Corona-Neuigkeiten

Kultur

Die neue Dauerausstellung im Haus
der Frauen-Geschichte

Politik

Was die Landesregierung mit dem neuen Gesetz vorhat

Rassismuskritische Uni Bonn - JETZT!

Einführung einer zentralen sowie unabhängigen Anti-Rassismusstelle für die Universität Bonn

Ein Statement des Allgemeinen Studierenden-Ausschusses der (AStA) Uni Bonn

01.06.2021 - Ausgabe 72

In unserer Gesellschaft ist Rassismus tief verankert, was sich in den unterschiedlichsten Lebensbereichen widerspiegelt. Die Universität stellt keine Ausnahme dar. Rassismus gehört zu unserem Alltag, wird leider gesellschaftlich nicht (an)erkannt, verharmlost und/oder reproduziert. Fälle von Rassismus werden auch im universitären Kontext meist als Einzelfälle abgetan, Betroffenen wird nicht zugehört oder ihnen schlimmstenfalls vorgeworfen, die ganze Situation zu überspitzen. In den meisten uns bekannten Fällen führt dies zu einer Verharmlosung der jeweiligen Situation. Aus diesem Grund entfernt sich die Universität Bonn davon, ein sicherer Ort für internationale Studierende und BIPoC (Black, Indigenous and People of Color) zu sein. 

Wir als AStA sind die gewählten Vertreter*innen der Studierenden der Universität Bonn und sehen uns daher verstärkt in der Verantwortung, einen umfassenden und systematischen Diskriminierungsschutz für alle Studierende zu schaffen. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit der Universitätsleitung, den Dozierenden, den Mitarbeiter*innen und den Studierenden den institutionellen und strukturellen Rassismus anzuerkennen, zu benennen und zu dekonstruieren.

Da Rassismus für die Mehrheit der Gesellschaft schwer zu erkennen ist, möchten wir im Folgenden erläutern, wo und wie diese Form der Diskriminierung an der Universität Bonn auftritt. Wir möchten betonen, dass die folgende Aufzählung anhand von dem AStA bekannten Fällen entstanden ist und somit nur einen kleinen Einblick in diese strukturelle Problematik liefert.

In Vorlesungen, Seminaren oder anderen Lehrveranstaltungsformaten kann sich Rassismus in Lehrmaterial wie Präsentationsfolien (durch „lustige“ Comics) widerspiegeln. Er kann jedoch auch durch Werke, die obsolete Werte vertreten (z.B. aus der Kolonialzeit), durch sowohl Dozierende als auch Studierende reproduziert werden. Oft fehlt das Bewusstsein dafür, dass durch fehlende kritische zeithistorische Einordnungen oder unbedachte Äußerungen selbst rassistisch gehandelt wird.

In der Verwaltung: Für einige BIPoC und internationale Studierende ist es eine große Hürde, Studien- oder allgemein bürokratische Angelegenheiten zu regeln. Leider kommt es vor, dass die entsprechenden Sachbearbeiter*innen weniger bereit sind ihnen bei ihren Anliegen zu helfen. Dies schürt nicht nur die Frustration bei Betroffenen, sondern bedeutet auch unnötigen Stress und Mehrarbeit für sie. Studierende befinden sich in einer hierarchisch abhängigen Position zur Universität und deren Mitarbeiter*innen, was Studierende unter besonderen Druck setzt und die Freiheit nimmt, Vorfälle zu melden. Für internationale Studierende of Color ist dieses Machtgefälle noch bedrückender, da häufig ein Visum vom Studierendenstatus abhängt.

Im Studierendenwohnheim: Die meisten Studierenden of Color ohne europäischen Namen werden vom Studierendenwerk in Tannenbusch untergebracht. Nicht nur der Zustand des veralteten Tannenbusch-Wohnheims ist im Vergleich zu den anderen Wohnheimen des

Studierendenwerks mehr als grenzwertig. Auch die Tatsache, dass internationale Studierende und BIPoC nicht ausreichend über ihre Rechte informiert werden, sich durch fehlende oder schlechte Erfahrung nicht an die Polizei wenden und das Studierendenwerk keine adäquate Anlaufstelle für Beschwerden bietet, verhindert hier einen sicheren Rückzugsort und „Safe

Space“ für internationale Studierende und BIPoC. Dementsprechend stellen externe Personen, die teilweise sehr aggressiv auf die Aufforderung reagieren, das Wohnheim zu verlassen, eine anhaltende Gefahr für die dort lebenden Studierenden dar.

In der Grundordnung der Universität: Im Falle von Rassismus gibt es keine konkreten Verordnungen, die Konsequenzen von oder für Angehörige(n) der Universität Bonn fordern. Durch die Berichterstattung verschiedener AStA-Referate ist uns bekannt, dass Betroffene keine angemessene Anlaufstelle an der Universität haben, um Fälle von Rassismus zu melden. Institutioneller und struktureller Rassismus deckt sich nicht mit dem Aufgabenfeld von Diversitäts- oder Gleichstellungsbeauftragten. Diese beiden Stellen können zwar eine unterstützende Rolle für eine Antirassismus-Stelle übernehmen, die Aufgaben jedoch nicht vollständig auffangen und ersetzen. Institutioneller und struktureller Rassismus wird bis heute von höheren Instanzen der Universität nicht anerkannt und Erfahrungen von Betroffenen werden bagatellisiert. Solidaritätsbekundungen oder das ausdrückliche Sich-Distanzieren von rassistischen Handlungen einzelner Angehöriger des Lehrkörpers sind hierbei weder zielführend noch progressiv. Die Universität Bonn kann eine der ersten in NRW sein, die mit Einrichtung der entsprechenden Beschwerde- und Beratungsstellen Rassismuskritik fest in den akademischen Alltag integriert, indem entsprechenden Verordnungen in der Grundordnung der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn verankert werden.

Wir wollen gemeinsam individuellen, institutionellen und strukturellen Rassismus an der Universität Bonn erkennen, benennen und dekonstruieren. Deshalb fordern wir:

  • die Einführung einer zentralen sowie unabhängigen Anti-Rassismusstelle,
  • eine zentrale unabhängige Beratungsstelle für von Rassismus Betroffene, geleitet durch eine BIPoC mit Expertise,
  • sowie eine psychosoziale Betreuung für BIPoC, die von BIPoC angeboten wird.
  • die Erarbeitung und Umsetzung von konkreten Maßnahmen zum Abbau institutioneller und struktureller rassistischer Strukturen,
  • konkrete Leitlinien in der Grundordnung der Universität Bonn, die Konsequenzen für rassistisches Handeln festsetzen,
  • die Verpflichtung zur Teilnahme an professionellen (Weiter-)Bildungsmaßnahmen zu Anti-Rassismusstrategien (geleitet von Expert*innen wie bspw. Tupoka Ogette oder Karim Fereidooni) für alle Angehörigen der Universität mit Lehr-, Aus- bzw. Weiterbildungs-, Verwaltungs- und Leitungsauftrag,
  • die Einführung von transparenten Überprüfungsmechanismen der fachlichen Expertise von Dozierenden, insbesondere diejenigen mit Veranstaltungsschwerpunkten in Themenbereichen wie Rassismus, Diversität, Integration oder Diskriminierung fallen (vor allem in Studiengängen wie Lehramt, Medizin, Politik-, Kulturwissenschaften usw.),
  • die Verpflichtung zur professionellen zentralisierten Aufarbeitung von Beschwerden in Bezug auf Rassismus, begleitet von BIPoC mit Expertise,
  • Zugang zu Ressourcen, die sich mit Anti-Rassismus befassen, z.B. Bücher, Seminare, Trainings, eLearning-Tools etc. für alle Angehörigen der Universität Bonn auf freiwilliger Basis,
  • eine aktive und regelmäßige Bewerbung der oben genannten Anlaufstellen,
  • regelmäßige und anonymisierte Umfragen zum Thema Rassismus und rassistisches Verhalten an der Universität Bonn, z.B. im selben Turnus wie die Lehrveranstaltungsevaluationen.

Mit diesen Forderungen schließen wir uns der NRW-weiten Initiative #unirassismuskritisch an.

Unsere Forderungen finden in dem Bewusstsein statt, dass wir alle rassistisch sozialisiert sind. Rassismus ist nicht immer böswillig, ist dadurch jedoch nicht weniger verletzend oder gefährlich. Anti-Rassismusarbeit fängt individuell bei jeder*jedem selbst an. Wir möchten gemeinsam mit der gesamten Universität rassistisches Denken und Handeln entlernen.

Wir fordern keine weitere studentische Initiative, auf deren Rücken antirassistische Arbeit ausgetragen werden soll, sondern eine systematische Dekonstruktion, die von der Universität geleitet wird. Als Vertreter*innen der Studierenden bieten wir hierzu gerne unsere Mitarbeit, vor allem in der Funktion der kritisch-reflektierenden Berater*innen an. Gleichzeitig benötigen wir auch die Unterstützung von externen Personen und Gruppen mit entsprechender Expertise, um ein nachhaltiges Ergebnis zu gewährleisten.

Im Interesse aller von Rassismus betroffenen und rassismuskritischen Studierenden der Universität Bonn richten wir uns öffentlich an Sie: Lassen Sie uns gemeinsam an einer rassismuskritischen Universität arbeiten, die ein sicherer Ort für alle Studierende und Angehörige sein kann!

Auch die Kritischen PoWi/SoWi Studierenden haben uns eine Stellungnahme geschickt, die wir hier gerne abdrucken möchten. Sie beziehen sich darin auf einen unserer Artikel aus der 70. Ausgabe des FWs in dem ein Rassismusvorfall geschildert wurde, in dem sowohl die KriPS, als auch ein Professor der Uni Bonn involviert waren. Eine Reaktion des Professors gab es nach einer Anfrage nicht.

Rassismus und Sexismus sind noch immer Teil unserer Gesellschaft – auch an der Universität. Wir als KRIPS verstehen es als unsere zivilgesellschaftliche Aufgabe, uns mit diesen Strukturen auseinanderzusetzen und uns gegen explizite und implizite Vorfälle zu wehren. Unsere Kritik an der Reproduktion von Sexismus und Rassismus zu bestimmten Vorfällen in einer Soziologievorlesung ist ausführlich formuliert auf unserer Instagram-Seite @krips_bonn nachzulesen. Die umfassende  Kritik hier zu wiederholen, würde den Rahmen des Statements sprengen.

Einige Tage nach der Veröffentlichung der beiden Posts meldet sich der verantwortliche Soziologieprofessor Herr Albrecht mit einer E-Mail an alle Teilnehmer*innen seiner Einführungsveranstaltung zu Wort. Er nimmt Bezug auf einen kleinen Teil unserer Kritik, bezeichnet diesen als abwegig und wirft uns Rufschädigung vor. Da wir keine falschen Behauptungen über seine Aussagen tätigten, dient dieser Vorwurf lediglich zur Diffamierung unserer Kritik. Im Anschluss fordert er alle Studierende auf, sich an einer von ihm organisierten sowie moderierten Diskussion zu beteiligen. Diese wird mit einem langen Plädoyer eröffnet, indem er kritisiert, dass die Vorwürfe nicht zuerst an ihn herangetragen wurden, sondern wir direkt die Öffentlichkeit suchten. Dies sei ihm so unerträglich, dass er überlege seine Lehrtätigkeit niederzulegen. Das Kernthema der Diskussion war folglich gelegt: Ist es in Ordnung, Rassismus öffentlich zu kritisieren? Abgesehen davon, dass eine solche Themensetzung keine Einsicht seitens der Moderation vermuten lässt, ist sie schlichtweg abwegig. Unsere Kritik entbrannte an einem Vorfall, der erst zustande kam nachdem eine Person aus unserer Gruppe den Professor in einer Sprechstunde konfrontierte und als Antwort einen polemischen und rassistischen Vergleich zwischen der Unterdrückung von BIPoC und der Unterdrückung von Tieren erhielt.

Denn der problematischen Vorlesung ging eine Sprechstunde zuvor, in der zwei Studierende ihn mit der fehlenden Einordnung der von Rassismus geprägten Schriften von Auguste Comte konfrontierten. Durch dieses Gespräch sowie durch einen früheren Austausch von einer Gruppe Studierenden mit Prof. Albrecht zum Thema geschlechtergerechte Sprache, wurde das Reaktionsmuster von Prof. Albrecht auf solche sozial kritischen Themen deutlich: Er nimmt die Thematik nicht ernst, normalisiert oder banalisiert sie und Änderungen im Umgang mit diesen Themen sind nicht zu erwarten. Die gleiche Haltung zeigt das Institut und die Universität mit dem Ausbleiben einer Reaktion auf solche Vorfälle. Zudem gibt es noch immer keine Anti-Diskriminierungsstelle an der Universität, bei der solche Vorfälle ernst genommen und professionell aufgearbeitet werden. Das fehlende Handeln der Gleichstellungsbeauftragten zeigt außerdem, dass diese Anlaufstelle nicht genügt und nicht ausreichend geschult ist, um alle Diskriminierungsstrukturen aufzuarbeiten.

Daher haben wir den Weg über social media gewählt, um unsere Kritik an Lehre an der Universität Bonn exemplarisch an diesem heftigen Vorfall zu äußern. Unsere Beiträge haben die Vorfälle in ihrem Kontext berichtet. Der Textausschnitt bzw. das Bild sowie die Äußerungen von Prof. Albrecht innerhalb der Sprechstunde und der Vorlesung haben wir dargestellt. Die Wahrhaftigkeit der stattgefunden Vorfälle stand auch von keiner Seite zur Debatte.

Mit gut einer Billionen Nutzer*innen weltweit gehört Instagram zu den essentiellen social-media-Plattformen. Aktuell werden solche Plattformen für sowohl journalistische als auch politische Zwecke verwendet. In vielen Fällen führte der Rückhalt und die Vernetzung durch die Öffentlichkeit zu regionalen und weltweiten Veränderungen. Daher sehen wir diese Plattform unter gegebenen Umständen für eine passende Ausdrucksform unserer Kritik. Dies zeigt sich auch darin, dass erst hierdurch eine Auseinandersetzung zwischen Prof. Albrecht mit der Studierendenschaft und der Thematik erfolgt ist, die eine breitere Debatte zu Diskriminierungsstrukturen an der Universität angestoßen hat.

Wie Prof. Albrecht in der Besprechung mit den Studierenden seiner Vorlesung wiederholt ansprach, erwäge er, sich aufgrund von unserer Kritik aus der Lehre zurückzuziehen. Da unsere Forderung klar formuliert zu jedem Zeitpunkt lautet, dass eine Auseinandersetzung mit den von ihm reproduzierten Rassismen stattfinden und diese beendet werden sollten, verstehen wir diese Haltung nicht. Dass unsere Kritik als Angriff auf seine Person bewertet wird, zeigt das Grundproblem einer weißen Öffentlichkeit im Umgang im Rassismus.

Gute Lehre findet gerade in einem sicheren und aufgeklärten Rahmen statt, in dem sich alle Studierende willkommen fühlen und eine ständige Reproduktion von Rassismus und Sexismus unter dem Deckmantel einer didaktischen Provokation nimmt diesen Raum für viele Studierende weg. Die Vorlesungen von Prof. Albrecht sind somit ohne Reproduktion von Sexismus und Rassismus in unseren Augen möglich, weshalb seine Reaktion mit der Aussicht seines Rückzugs nicht nachvollziehbar ist. Doch nicht nur im Gespräch mit den Studierenden der Vorlesung von Prof. Albrecht stand der Vorwurf der “Cancel Culture” in Raum.

In einem Kommentar der Friedrich Wilhelms vom 13.04.2021  wird sogar sehr deutlich über “Canceln” gesprochen. Nicht nur blendet der Kommentar mit seiner Aussage, “dass Universitäten Orte des akademischen Austausches auf Augenhöhe sind”, die tatsächlichen Machtdynamiken aus: von Rassismus und Sexismus betroffene Studierende sind gegenüber einem Professor nicht nur in einem akademischen Abhängig- und Beurteilungsverhältnis,  sondern stehen auch als von Diskriminierung betroffenen und verletzten Personen vor der Person, der diese Gewalt in seiner Autorität ausüben kann.

Darüber hinaus unterstellt der Kommentar an mehrfachen Stellen explizit und implizit das Ziel des Cancelns – hier möchten wir nochmals in aller Deutlichkeit betonen, dass dies nicht der Fall ist!

Wir wollten anhand des Beispiels auf die institutionalisierten, rassistischen und sexistischen Strukturen in der Lehre aufmerksam machen, weshalb unsere Forderungen zur Veränderung sich nicht auf Herrn Albrecht alleine sondern die Universität beziehen.

Kritik an Rassismus und Sexismus ist zivilgesellschaftliche Pflicht! Diese Kritik sofort in die Narrative von Cancel Culture zu  drängen  – sowohl von Seiten Prof. Albrechts als auch von Inhalten der Friedrichs Wilhelm –  und dadurch den Kampf gegen Rassismus und Sexismus als Ganzes zu diffamieren, reiht sich in eine gefährlich ignorante Rhetorik ein.

Auch die ausbleibende Aktionen und Konsequenzen – sowohl auf persönlicher und struktureller Ebene –  von Seitens der Universität und des Instituts zeigen, wie selbstverständlich Diskriminierungsstrukturen Teil der akademischen Welt sind. Dies muss sich ändern!

Daher fordern wir die Einführung von Anti-Diskriminierungsstellen, besetzt von Personen mit Expertise, Abbau von institutionellem Rassismus, Verpflichtung zur Aufarbeitung von Beschwerden und Vorfällen innerhalb der einzelnen Institute und der gesamten Universität sowie die verpflichtende Teilnahme an (Weiter-)Bildungsmaßnahmen zu Diskriminierungsstrukturen von allen Mitarbeitenden der Institute.

Zu Beginn dieser FW haben wir uns ausnahmsweise für keinen Artikel, sondern folgendes Statement des AStAs der Uni Bonn entschieden. Es wurde vom Referat für Frauen und Geschlechtergerechtigkeit, sowie dem Referat für Internationale Studierende konzipiert und am 26.05.2021 auf der Gesamt-AStA-Sitzung (GAS) einstimmig verabschiedet.

Uni Bonn

An dieser Stelle hat die Redaktion des Friedrichs Wilhelm nach Anlaufstellen für von Rassismus betroffene Studierende gesucht und kann euch folgende drei Angebote vorstellen.

Die Diversitäts-AG

Eine Plattform für verschiedenste Angebote rund ums Thema Diversität

An der Uni Bonn und insbesondere der Philosophischen Fakultät gibt es verschiedenste Angebote, die sich mit dem Thema Diversität beschäftigen. Workshops, Seminare, Referate, Podiumsdiskussionen, Initiativen, Vortragsreihen… Es gibt all diese Angebote, gefunden werden sie aber meist nur, wenn explizit nach ihnen gesucht wird.

Um eine übergreifende Plattform zum Thema Diversität zu schaffen, wurde letztes Jahr an der Philosophischen Fakultät, der größten Fakultät der Uni Bonn, die AG Diversität ins Leben gerufen. Die Leiterin: Julia Krings, Kunsthistorikerin und Referentin für Diversität, Internationales und Fakultätsentwicklung. Die Mitglieder: Jede:r, die:der will, und in irgendeiner Form Teil der Philosophischen Fakultät ist. Jede:r heißt tatsächlich jede:r. Von Studierenden bis Professor:innen sind alle mit im Boot, nur Verwaltungsmitglieder fehlen bis jetzt (sind jedoch angefragt und werden in Zukunft die Statusgruppe in der AG komplettieren).

Das Ziel dieser AG ist vor allem, eine Plattform für bereits bestehende Initiativen zu schaffen. Es ist nicht ihr Anspruch, für von Diskriminierung oder Rassismus Betroffene zu sprechen. In erster Linie geht es zunächst darum, herauszufinden, wie die momentane Situation an der Uni Bonn ist, um darauffolgend eine Strategie zu entwickeln und Einzelprojekte zu vernetzen. Im Zuge dessen wurde ein Fragebogen entworfen, der sich an alle richtet, die an der Philosophischen Fakultät arbeiten und studieren. Alle heißt hier auch wieder wirklich alle.

Sobald der Fragebogen freigegeben ist, soll damit herausgefunden werden, wie Diversität in der Fakultät bereits gelebt wird, welche Probleme es gibt und was bisher noch wenig Beachtung gefunden hat. Im Gespräch erwähnte Frau Krings, dass sie sich als Ergebnis ein detailliertes Gesamtbild erhofft sowie Anregungen und Antworten für bzw. auf Fragen erwartet, die zum Beispiel die Repräsentation von BIPoCs in Lehre und Studium an der Uni Bonn betreffen.

Aus dieser Umfrage und weiterführenden Fragen, die sich um das Warum, aber auch um Unterstützung und Lösungsansätze drehen, soll eine Strategie entstehen, mit der langfristige Veränderungen in Gang gesetzt werden sollen. Damit sich Studien- und Arbeitsbedingungen in Hinblick auf Diversität an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität verbessern. Damit die Universität vielleicht eines Tages ein diverserer Raum wird. Vor allem aber auch, um auf bestehende Missstände ebenso wie auf bereits vorhandene Angebote aufmerksam zu machen. Und das über die Grenzen der Universität hinaus. Es ist ein Anliegen der AG, sich und ihre Projekte mit der Stadt Bonn zu verknüpfen und überhaupt Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit zu generieren.

Die Gründung der AG war Schritt eins. Coronabedingt und weil aller Anfang schwer ist, gibt es noch keine „fertigen“ Projekte. Doch die sind in der Planung:

In einer Mini-Serie, in Podcasts und anderen Formaten, will sich die AG vorstellen und ihre Inhalte und Schwerpunkte beleuchten. Im Sommer, der frischen Wind bringen wird, soll es eine Art informatives Open-Air Kino mit Beiträgen und Diskussionsforen rund ums Thema Diversität geben. Darüber hinaus möchte die AG für Studierende, Wissenschaftler:innen und Mitarbeitende der Universität Möglichkeiten schaffen, Arbeiten, die in Bezug zur Thematik stehen, zu publizieren. Die Idee einer eigenen Buchreihe ist geboren. Der Anspruch an sich selbst als Publikationsplattform ist natürlich auch wieder, möglichst divers zu sein. Momentan ist außerdem eine Website im Aufbau. Eine Website, die für die Vernetzung aller bestehenden Projekte und Initiativen sorgt, eine Plattform darstellt, Wege aufzeigt, an wen sich in welcher Situation gewendet werden kann.

Julia Krings erhofft sich von diesen ersten Schritten eine Schneeballreaktion. Damit die AG, die gerade erst einmal den Status Quo eruiert, zu einer Anlaufstelle wird und gleichzeitig im Geiste eines „Wir“ starke Impulse setzt.

#unirassismuskritisch

Eine Initiative für die Dekonstruktion von Rassismus an Unis und Hochschulen

Rassismus ist strukturell und damit allgegenwärtig. In der gesamten Gesellschaft und also auch an Universitäten.

Nachdem sich die Studentin Senami Hotse in einem Seminar zu interkultureller Kommunikation mit Rassismus konfrontiert sah, teilte sie ihre Erfahrungen in einem Instagram-Video. Darauffolgend startete sie die Petition #unirassismuskritisch. Die Forderungen:

  • Einführung von Anti-Diskriminierungsstellen mit Expertise in Anti-Rassismus an allen Hochschulen
  • Anstellung von BIPoC mit Fachwissen im Diversity Management
  • Maßnahmen zum Abbau von institutionellem Rassismus
  • Überarbeitung bestehender Maßnahmen unter Einbeziehung von BIPoC
  • Öffentliche Updates und mehr Transparenz zu den Maßnahmen
  • Verpflichtung zur Aufarbeitung von Beschwerden in Bezug auf Rassismus anhand von Trainings o.Ä. begleitet durch BIPoC mit Expertise
  • (Verpflichtende) Teilnahme an (Weiter-) Bildungsmaßnahmen zu Anti-Rassismus für alle Personen mit Lehr-, Ausbildungs- und Leitungsaufgaben
  • Durchführung der Trainings durch BIPoC mit entsprechender Expertise
  • Erarbeitung/Überarbeitung von Selbsteinschätzungs-Tools unter Einbeziehung von BIPoC mit entsprechender Expertise
  • Transparente Überprüfung fachlicher Kompetenz von Dozierenden, die Veranstaltungen zu Rassismus, Diskriminierung o.Ä. durchführen (wollen), Bemühung darum, diese Stellen mit BIPoC zu besetzen

Zu den Erstunterzeichner:innen der Petition gehörte der AStA der Universität Bonn.

Auch an der Uni Bonn gibt es keine zentrale Anlaufstelle für von Rassismus betroffene Personen. Das Gleichstellungsbüro bietet eine erste Beratung, doch eine konkrete Stelle, die sich mit rassistischer Diskriminierung beschäftigt, fehlt bisher. Das muss sich ändern!

Das neue BIPoC-Referat

Eine Safe Space für von Rassismus Betroffene

Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Uni Bonn ist seit dem 25. Mai um ein Referat reicher. Eine Gruppe Bonner Studierender hat sich versammelt und beschlossen, einen Raum für Schwarze, Indigene und People of Color anzubieten, um Ansichten, Gefühle und leider schlechte Erfahrungen austauschen zu können. Eine Mitgründerin des bald offiziellen Referates gab in unserem Gespräch wieder, dass die erfahrenen rassistischen Mikroaggressionen kaum auszuhalten sind und bereits viele BIPoC aus Ihrem Umfeld ihr Studium abgebrochen haben. Hinter der Gründung des Referates stecken also viel Enttäuschung, Frustration und Aussichtslosigkeit. Im Gegensatz dazu wird es aber für Geborgenheit, Vertrauen und die Möglichkeit stehen, mit anderen Menschen in einem „Safe Space“ über eigene Erfahrungen reden zu können. Ein Stichwort ist aktive Rassismusaufarbeitung von Studierenden für Studierende. Während der Erstellung dieser Ausgabe wurde auf der GesamtAStA-Sitzung die Referatsleitung und Konstitution gewählt, sodass das Wirken und Arbeiten des Referats so schnell wie möglich umgesetzt werden kann.

Ferdinand von Schirachs Co-Autor: Bijan Moini (honorarfreies Copyright: Thomas Friedrich Schäfer)

Politik

„Ich glaube nicht, dass jemand sagt: Diese Rechte will ich nicht!“

Wieso brauchen wir neue Grundrechte?

01.06.2021 - Ausgabe 72

Ferdinand von Schirach, bekannt durch seine Stücke „Terror“, „Gott“ und zuletzt „Feinde“, hat ein neues Buch rausgebracht. In Jeder Mensch plädiert er für die Modernisierung unserer Grundrechte. Mit präziser Schlichtheit statuiert von Schirach sechs Artikel, die jeweils mit Jeder Mensch beginnen und mit erschreckender Aktualität enden. Es richtet sich an alle Bürger:innen der EU, die sich im Rahmen eines Verfassungskonvents ihre eigenen Visionen von Sicherheit garantierenden Grundsätzen erfüllen sollen. Aber soweit nur das Buch. Dahinter steckt etwas viel Größeres: Ein enormes Projekt mit namhaften Unterstützer:innen und Expert:innen aus der Juristerei, der Wirtschaft, der IT-Branche und der Umweltbewegung.

Um herauszufinden, wie die sechs Artikel zustande gekommen sind, wie die Petition läuft und wieso überhaupt neue Grundrechte nötig sind, haben wir mit Bijan Moini gesprochen. Er ist Schriftsteller und Jurist, zieht mit der Gesellschaft für Freiheitsrecht (GFF) vor das Bundesverfassungsgericht und hat eine Dystopie über Digitalherrschaft und Datenausspähung geschrieben. Er hat an Jeder Mensch mitgearbeitet.

FW: Welche Aufgabe hast du bei Jeder Mensch?

Bijan Moini: Ferdinand von Schirach hat das Buch Jeder Mensch geschrieben. Er hat für die Formulierung der Grundrechte ein paar Leute zu Rate gezogen und ich durfte vor allem an Artikel 2 und 3 mitarbeiten. Jetzt bin ich im Vorstand der Stiftung Jeder Mensch e.V., die die Grundrechte Wirklichkeit werden lassen soll.

FW: Wie kam der Kontakt mit Ferdinand von Schirach zustande?

Moini: Der Kontakt kam durch eine Freundin von mir zustande, deren Onkel mit Ferdinand von Schirach befreundet ist. Der Onkel hat auf ihrem Geburtstag mitbekommen, was ich so mache. Er hat uns dann zusammengebracht. Ferdinand von Schirach und ich hatten uns dann getroffen und es passte gut.

FW: Die Grundrechte sind jetzt sehr knapp und präzise formuliert. Wie aufwändig war der Weg bis dahin?

Moini: Das ist sehr aufwändig! Wir hatten die Schwierigkeit, das alles online machen zu müssen. Das war eine andere Arbeitsweise als man sie sonst von Beratungen über neue Grundrechte kennt. Der Prozess ist aber ähnlich: Einer macht einen Vorschlag, ein anderer korrigiert oder sagt: „Das geht in die falsche Richtung”. Zum Beispiel haben wir die Frage diskutiert: Wie stellt man Drittwirkung her, das heißt: wie bindet man auch Privatunternehmen an ein Grundrecht? Funktioniert das über ein Verbot? Ein solches Verbot wie in unserem Artikel 2 ist nämlich sehr ungewöhnlich. Im deutschen Grundgesetz gibt es nur eine Verbotsvorschrift, die unmittelbare Drittwirkung entfaltet. Das haben wir alles per E-Mail oder Videokonferenz ausdiskutiert. Ferdinand von Schirach sagt zwar von sich selbst, seine Rolle sei es nur gewesen, die Vorschläge nur noch einfacher und verständlicher zu formulieren. Aber er hatte natürlich auch zum Inhalt viel zu sagen.

FW: Die Petition läuft seit knapp zwei Monaten. Wie ist da der aktuelle Stand?

Moini: Wir haben knapp 220.000 Unterschriften und sind bisher erst in Deutschland und Österreich aktiv. Wir waren stark darauf fokussiert, in Deutschland einen guten Start hinzulegen. Das hat nach unserem Gefühl auch geklappt. Der nächste Schritt wird sein, dass wir über die deutschsprachigen Grenzen hinaus gehen. Die Texte werden auch schon übersetzt. Aktuell planen wir, in welchem Land der Text wann erscheinen soll.

FW: Sind schon Politiker:innen oder Parteien auf dich zugekommen, die sich für die Initiative einsetzen wollen?

Moini: Ja, erstaunlicherweise hat auch ein CDU-Kreisverband einen Beschluss gefasst, die Grundrechte unterstützen zu wollen. Ein näher liegender Partner wären die Grünen, von denen wir schon erste positive Signale bekommen haben. Von Volt ebenso. Aber bisher haben wir das noch nicht systematisch an die Politik getragen und wollten das auch nicht. Für Jeder Mensch sollen sich Bürger:innen einsetzen, damit es ein Projekt wird, das die EU bisher – leider – noch nicht erlebt hat. Wir wollen ein Projekt werden, das von den Menschen kommt und nicht von oben diktiert wird.

FW: Glaubst du, dass Jeder Mensch auch den Bundestagswahlkampf beeinflussen kann?

Moini: Ich hoffe, dass Politiker:innen die Chance unseres Projektes sehen und nutzen werden. Wenn die EU etwas bieten kann, dann Schutz, nicht nur hier und für uns, sondern sogar über unsere Grenzen hinaus. Das geht, indem wir beispielsweise für menschenfreundliche Lieferketten oder eine gesunde Umwelt einstehen. Ich glaube nicht, dass jemand sagen würde: Diese Rechte will ich nicht! Wir können sicher über einzelne Grundrechte diskutieren. Aber die Ziele sollte doch jeder Mensch teilen, oder nicht?

FW: Woher kommt dein Engagement für die digitale Selbstbestimmung und die Regulierung von künstlicher Intelligenz?

Moini: Ich glaube, dass wir in diesem Bereich in einer Umbruchphase stecken, an deren Ende die Welt sich fundamental verändert hat. Wir brauchen deshalb schon früh Zielvorstellungen, wohin dieser Umbruch führen soll. Ich bin kein Technologiefeind. Aber künstliche Intelligenzen werden auch von Unternehmen und Staaten genutzt werden, die keine menschenfreundliche Agenda verfolgen. In diesen Technologien steckt wahnsinnig viel Potenzial in alle Richtungen und ich hoffe, wir können die Potenziale für etwas Gutes nutzen, ohne uns als Gesellschaft kaputt zu machen.

FW: Vor kurzem urteilte das Bundesverfassungsgericht über das Klimaschutzgesetz. Darin heißt es, dass die Bundesregierung zu wenig tut, um die Freiheitsrechte jüngerer Menschen zu erhalten, weil im aktuellen Gesetz für den Zeitraum nach 2030 konkrete CO2-Einsparziele fehlen. Erfüllt das Urteil nicht genau euren Artikel 1?

Moini: Es erfüllt nur einen Teilausschnitt. Das Bundesverfassungsgericht hat im Prinzip ein Grundrecht auf Schutz vor dem Klimawandel erfunden. Aber Umwelt ist mehr als Klima. Bei ihr geht es auch um den Artenschutz und eine saubere Natur. Der zweite Punkt ist, dass das Bundesverfassungsgericht sich sehr viel Mühe gemacht hat, ein Grundrecht aus dem bestehenden Grundrechtekatalog heraus zu entwickeln. Das ist revolutionär und wir können darauf aufbauen. Aber das gilt nur für Deutschland. Die meisten EU-Staaten kennen nichts Vergleichbares. Vor allem fehlt auch der EU dieser Maßstab. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat erst einige Wochen vor dem Bundesverfassungsgerichtsurteil eine Klimaklage abgewiesen, unter anderem mit dem Argument, dass es momentan keinen individuellen Schutzanspruch gibt. Wir können darauf hoffen, dass der EuGH irgendwann auch auf so eine revolutionäre Idee wie das Bundesverfassungsgericht kommt. Aber warum? Das Volk sollte seine Utopien selbst definieren. 

»Wir können darauf hoffen, dass der EuGH irgendwann auch auf so eine revolutionäre Idee wie das Bundesverfassungsgericht kommt. Aber warum? Das Volk sollte seine Utopien selbst definieren.«

FW: Artikel 6 regelt die Grundrechtsklage. Was ergibt sich daraus?

Moini: Bisher kann niemand aus eigener Kraft zum EuGH ziehen. Der EuGH kann nur von Gerichten und Staaten angerufen werden, aber kein:e Einzelne:r kann ihre oder seine Grundrechte direkt vor dem EuGH einklagen. Dieser Artikel ist ähnlich der Verfassungsbeschwerde in Deutschland angelegt.

FW: Es gibt bereits eine Grundrechtecharta der EU. Welchen Mehrwert bieten eure sechs Artikel?

Moini: Das sind alles Themen, die bisher in der Charta nicht abgebildet sind. Eine Ausnahme ist vielleicht Artikel 2 Satz 1 „Jeder Mensch hat das Recht auf digitale Selbstbestimmung“. Das mag man in Artikel 7 und 8 der Charta hineinlesen, aber mit Satz 2 haben wir dieses Recht durch das Verbot von Ausforschung und Manipulation konkretisiert, was es in der Charta noch nicht gibt. Als die Charta im Jahr 2000 geschrieben wurde, wurden keine neuen Grundrechte geschaffen. Es ging darum, einen Minimalkonsens zu definieren, der allen Verfassungen der EU-Mitgliedsstaaten gemein ist. Das müssen wir ändern, die Charta muss sich den Herausforderungen der Gegenwart und nahen Zukunft stellen.

FW: Du hast bereits zwei Bücher geschrieben, vergangenes Jahr hast du eine Klage gegen den Bundesnachrichtendienst vor dem Bundesverfassungsgericht gewonnen. Jetzt legst du uns neue Grundrechte vor. Und das alles mit 37 Jahren. Was kommt alles noch von dir in Zukunft?

Moini: Na ja, das habe ich ja nicht alles im Alleingang gemacht. Hinter allen Projekten – die Bücher vielleicht ausgenommen – steckt viel Teamarbeit. Als nächstes erscheint am 1. September mein neues Buch „Unser gutes Recht. Was hinter den Gesetzen steckt“. Ansonsten arbeite ich weiter bei der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) und da sind wir sicher noch viele Jahre damit beschäftigt, unser Recht besser zu machen. Die GFF klagt vor deutschen Gerichten, um Grund- und Menschenrechte durchzusetzen, manchmal auch mal vor dem EuGH. Dass wir als Zivilgesellschaft etwas an unserem Recht verändern können und uns nicht immer auf die Politik verlassen müssen, ist ein unheimliches Privileg. Dieses Privileg will ich auch in der Zukunft kräftig nutzen.

Über die Autor:innen

Tom Schmidtgen und Dorit Selting

empfehlen die Buchbesprechung mit Schirach im Podcast Hotel Matze. Ironischerweise dauert die Folge jedoch länger, als sich das Buch durchzulesen. Wem 5€ für die gebundene Ausgabe als Wucherpreis erscheint, kann sich auf der Website auch ein gratis PDF mit Kommentaren zu den einzelnen Artikeln herunterladen.

Quelle: Gerd Altmann via Pixabay

Kultur

Wolkig mit Aussicht auf Infektionsrekorde

Ein Gastbeitrag von Timo Sieg

01.06.2021 - Ausgabe 72

Als im letzten Jahr die zweite Welle anlief, habe ich relativ lange gebraucht, um zu verstehen, wie viel schlimmer die Lage im Vergleich zum Beginn der Pandemie ist. Diese verzerrte Wahrnehmung kam wahrscheinlich auch daher, dass ich mich von der Berichterstattung über Infektions- und Todeszahlen bewusst etwas entkoppelt hatte. Das mag an einem gewissen Gewöhnungseffekt an eine sich ziehende Krise liegen, Schuld dafür sehe ich aber auch in einer miserablen Corona-Berichterstattung.

Ich höre seit einiger Zeit jeden Morgen verschiedene Nachrichtenpodcasts und bin damit nicht alleine. In den Top 20 von Spotify sowie iTunes finden sich einige Nachrichtenformate. Ich möchte in diesem Text exemplarisch auf tägliche Podcastshows eingehen, damit wir wissen, wovon wir sprechen. Die Kritik lässt sich jedoch auf jedes tägliche Medium ausweiten. Ob Fernsehen, Zeitung oder Radio – es wird stümperhaft mit Corona-Zahlen umgegangen. Die Beobachtungen stammen aus den Zeiten der zweiten Welle, vor einer dritten scheinen wir ja, bei mir ist gerade Anfang März, durchaus zu stehen.

Vom Deutschlandfunk werden die stündlichen Nachrichten aus dem Radioprogramm als Podcasts hochgeladen, so dass jeden Morgen mehrere Folgen erscheinen. In mindestens einer pro Tag werden die neuen Infektions- und Todeszahlen durchgegeben. Das geschieht allerdings ohne Einordnung, nur gelegentlich wird ein Anstieg oder eine Senkung des Zuwachses erwähnt, und das auch nur im Vergleich zu Vorwoche. Die Tagesschau in 100 Sekunden meldet jeden Tag die neue Todeszahl. Es stellt sich die Frage, welchem Zweck diese täglichen Updates dienen.

Was Jetzt? ist der Nachrichtenpodcast von Zeit Online, in der Regel erscheint täglich eine morgendliche Folge sowie ein Update am Nachmittag. Am 16.12. merkt Fabian Scheler sogar zu Beginn das Problem von täglicher Corona-Berichterstattung an: „Seit Wochen schon reden wir viel über Zahlen, über Statistiken, über Neuinfektionen, über Rekordwerte. Und das ist ja eigentlich immer ein bisschen schwierig, gerade als gesprochenes Wort, sich das alles zu merken, alle Zahlen sich abzuspeichern und vor allem auch Vergleiche oder Richtwerte dafür zu finden […]”

» Die Podcast-Redaktionen benehmen sich wie Schüler:innen, die für ganzzahlige Koordinaten Achsen mit Zehntelschritten malen. Ganze Zahlen sind die ohne Komma.«

Ein erster Schritt, man ist sich der Problematik also bewusst. Was kann man jetzt besser machen? Erstens würde man meiner Meinung nach mit wöchentlichen statt täglichen Updates keine nachrichtlich relevanten Informationen verlieren. Schließlich lassen sich Veränderungen der Pandemielage generell nicht auf täglicher Ebene beobachten. Die Podcast-Redaktionen benehmen sich wie Schüler:innen, die für ganzzahlige Koordinaten Achsen mit Zehntelschritten malen. Ganze Zahlen sind die ohne Komma. Bleibt bei mir, Mitstudierende der Geisteswissenschaften.

Zweitens, apropos Schule: Es heißt ja oft, da würde man ja gar nichts fürs Leben lernen, von wegen Gedichtinterpretationen in 4 Sprachen, aber keine Steuererklärung. Dann wiederum: Graphen beschreiben, starke Steigung, schwache Stagnation, Zeitpunkte vergleichen, lokaler oder globaler Höhepunkt – Corona-Berichterstattung lässt sich durch Kurvendiskussion verbessern und das bisherige Versagen in diesem Bereich zwingt mich zu solchen abenteuerlichen Aussagen. Indikatoren wie die 7-Tage-Inzidenz sollten immer in den Kontext der vorherigen Wochen, besser noch des vergangenen Monats, gesetzt werden. Außerdem lohnt sich ein Vergleich mit Zeitpunkten des letzten Jahres. Für den März würde ein solcher nämlich zeigen, dass die Bundesregierung Lockerungen mit Infektionszahlen begründet, die bei der zweiten Welle noch Grundlage für die Verschärfung der Maßnahmen waren.

Nach einem Jahr kann man durchaus Verbesserungen im Umgang mit Corona-Zahlen erwarten. Sicher, ernste Situationen müssen auch als solche dargestellt werden. Doch was im besten Fall mit der Motivation und im schlimmsten Fall unter dem Vorwand produziert wird, die bittere Realität darstellen zu wollen, sollte nicht in ein tägliches Bombardement mit zusammenhanglosen Zahlen aus Sensationsgeilheit auf Infektionsrekorde ausarten. Berichte über Infektionen und Tode verkommen sonst zu einem täglichen Wetterbericht. Das trägt nicht nur zu unser aller Abstumpfung bei, sondern verstärkt auch das Ohnmachtsgefühl gegenüber der Pandemie. Denn wer würde schon versuchen, gegen einen Hagelsturm zu kämpfen? Aber immerhin haben Nachrichtenproduzierende die Nachteile ihres bisherigen Ansatzes ja wahrgenommen, wie das obere Zitat aus dem Was Jetzt?-Update vom 16.12. zeigt. Das haben wir übrigens gar nicht bis zum Ende gehört: „[…] Aber wir kommen auch heute leider nicht drum rum, denn – 952 Tote im Zusammenhang mit dem Corona Virus an einem einzigen Tag. Das ist ein heute gemeldeter neuer Rekord.”

 

Gastartikel

Timo Sieg

studiert Politik im Master und engagiert sich ehrenamtlich beim Verein Democracy Deutschland. In Deutschland werden im zu viele Fußballtrainer und zu wenige Minister*innen entlassen. Wie schwer Toleranz sein kann merkt er bei Leuten, die Ananas auf Pizza legen oder Horoskope ernst nehmen. Gegenwärtige Verständnisse von Selbstoptimierung und Seriosität sind ihm ein Rätsel.

Politik

"So haben wir uns das sicher
nicht vorgestellt.“

Ein Gespräch über die neue Dauerausstellung im Haus der Frauen Geschichte

Ein Interview von Tom Schmidtgen

01.06.2021 - Ausgabe 72

Das Haus der FrauenGeschichte – kurz HdFG – in der Bonner Wolfstraße wurde 2012 gegründet, als erstes Museum in Deutschland, das sich auf die Perspektive von Frauen auf die Geschichtsschreibung konzentriert. Annette Kuhn gründete das Museum. Sie erhielt 1986 den deutschlandweit ersten Lehrstuhl für historische Frauenforschung an der Universität Bonn. Nun wurde die Ausstellung erneuert. Im Gespräch erklären die Projektleiterin Kira Lizza und die Referentin für Öffentlichkeitsarbeit Caroline Smout, wie der Umbau des Museums ablief, warum Frauengeschichte spannend ist und was ein Tipp-Ex in der Ausstellung zu suchen hat.

FW: Seit dem 22. Mai ist die neue Dauerausstellung eröffnet, leider nur virtuell. Warum war es an der Zeit, das Museum zu überarbeiten?

Kira Lizza: Seit Februar 2019 werden wir in einem Projekt vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Wir haben gemerkt, dass der Aufbau und die Inhalte unserer alten Ausstellung nicht mehr ganz zeitgemäß sind. Unter anderem war die Aufmachung nicht niederschwellig und schwer zu erschließen. Dann haben wir mit dem Projektträger gesprochen und das Ministerium fand es auch eine gute Idee, die Dauerausstellung zu überarbeiten.

FW: Wie lange dauert der Umbau schon?

Lizza: Seit Anfang 2020 arbeiten wir konkreter daran: Wir haben zuerst Ideen für den Raumplan entwickelt und ein Drehbuch geschrieben, das ziemlich dick war. Die Räumlichkeiten sind hier leider nicht sehr groß. Deswegen müssen wir uns stark konzentrieren und haben uns für die deutsche Frauengeschichte seit der Französischen Revolution entschieden. Ab Sommer vergangenen Jahres waren wir in der Recherche vertieft, haben Möbel bestellt und die Räume renoviert. Im Winter haben wir die alte Ausstellung dann abgebaut.

FW: Mitten in die Planungsphase platzte die Corona-Pandemie. Wie hat das Ihre Arbeit beeinflusst?

Lizza: Das hat uns sehr beeinflusst. Wir mussten die Gruppe, die sich hier im Haus trifft, stark verkleinern. Von sechs Personen sind maximal zwei oder drei hier. Die Frauen, die inhaltlich gearbeitet haben, konnten dadurch aber auch viel konzentrierter, nämlich von zu Hause aus, arbeiten. Nur die Recherche wurde komplizierter, weil wir nicht in die Bibliothek gehen konnten. Leider konnten wir uns auch nicht gemeinsam beraten. Man steht ja sonst gemeinsam in einem Raum und überlegt: Wo kommt was hin? Wir mussten uns dann in einem Zoom-Meeting treffen und haben auf einen virtuellen Raumplan geschaut. So hatten wir uns das sicher nicht vorgestellt.

FW: Wer soll mit der neuen Ausstellung erreicht werden?

Caroline Smout: Die alte Ausstellung war sehr akademisch. Mit der neuen wollen wir vorrangig jüngere Menschen erreichen, vor allem Schüler:innen und Studierende, die an gesellschaftspolitischen Themen interessiert sind. Wir wollen ihnen das historische Wissen vermitteln, um die Probleme der Gegenwart besser einordnen zu können. Im Lehrplan der Schulen ist gendersensible Bildung als ein Querschnittsthema vorgesehen. Wir sehen uns deswegen auch als außerschulischen Lernort und wollen Schulklassen durch die Ausstellung führen, sobald es wieder möglich ist.

FW: Welche Themen werden in der neuen Ausstellung besprochen?

Smout: Die Ausstellung besteht aus sieben Aktionsfeldern, in denen Frauen als treibende Kräfte für die Gleichberechtigung aktiv waren und sind. Das sind Familie, Wirtschaft, Bildung, Wissenschaft und Kunst, politische Macht und Partizipation, Krieg sowie Protestbewegungen. Jeder dieser Räume besteht aus vier Tafeln.

FW: Diese Themen werden immer von drei Blickwinkeln aus betrachtet: Die Ausstellung zeigt einen realhistorischen Blick, einen symbolgeschichtlichen und zum Schluss kommt ein Gegenwartsbezug. Wofür diese Aufteilung?

Lizza: In der Recherche haben wir uns viel mit Rollenklischees und Vorurteilen auseinandergesetzt. Daher kommt die Unterscheidung. Wir wollen zuerst realhistorische Entwicklungen darstellen. Das ist ja auch schon oft ein blinder Fleck, denn Geschichte wird oft aus der Perspektive der Männer erzählt. Im zweiten Teil geht es darum, wie Frauen zu der Zeit wahrgenommen wurden, beziehungsweise welche Rolle ihnen zugeschrieben wurde.

Smout: Der letzte Teil bietet einen Bezug zu heute. Da gibt es Antworten auf die Fragen: Wie wirken historische Rollenbilder bis heute nach? Und wie betreffen sie uns immer noch? Sie zeigen aber auch, wie Geschlechtergerechtigkeit erreicht werden kann. Ganz wichtig ist nämlich festzuhalten: Wir haben heute noch keine Geschlechtergerechtigkeit.

 

» Das Wichtige ist der konsequente Perspektivwechsel, dass Frauen nicht als Statistinnen der Geschichte betrachtet werden, sondern als wirkmächtige Akteurinnen. «

Caroline Smout

 

FW: Lassen sich denn dadurch in jedem Aktionsfeld auch historische Kontinuitäten erkennen, die bis heute andauern?

Smout: In der Wissenschaft beispielsweise zeigt sich, dass der Zugang für Frauen sehr spät kam. Aber auch heute haben wir noch Probleme: In der Studienzeit studieren etwa gleich viele Frauen und Männer. Doch direkt nach der Promotion kommt der Bruch und Frauen haben weniger Chancen auf eine wissenschaftliche Laufbahn. Da gibt es die vielzitierte gläserne Decke für Frauen. Da sind die Bedingungen immer noch nicht gut. In der Ausstellung haben wir für das Aktionsfeld Wissenschaft eine Tafel mit der Bundeskonferenz der Gleichstellungsbeauftragten der Hochschulen zusammen gestaltet. Dort zeigen wir, was aktuell getan wird, damit Frauen bessere wissenschaftliche Karrieren ermöglicht werden können.

Lizza: Ich kann noch etwas zum Aktionsfeld Familie ergänzen. Dort haben wir eine Kooperation mit dem Equal Care Day, der sich mit der unbezahlten Care-Arbeit beschäftigt. Obwohl wir heute das Bild einer Karrierefrau haben, fällt ein Großteil der Care-Arbeit – also beispielsweise Putzen, Kindererziehung und Kochen – immer noch auf die Frau zurück. Auch viel Pflegearbeit wird von Frauen übernommen und hat sich auch in der Sprache manifestiert. Viele sprechen immer noch von der Krankenschwester statt Krankenpfleger:innen oder von der Kindergärtnerin statt von Erzieher:innen.

FW: Die Ausstellung heißt „Frauen.Bewegen.Geschichte.“. Was macht für Sie eigentlich die Frauengeschichte so besonders?

Smout: Das Wichtige ist der konsequente Perspektivwechsel, dass Frauen nicht als Statistinnen der Geschichte betrachtet werden, sondern als wirkmächtige Akteurinnen. Frauen sind sonst eher ein Nebenthema. Der veränderte Blick ist wichtig. Denn die Benachteiligung von Frauen geht auf historische Strukturen zurück. Es lohnt sich, diese Geschichten zu zeigen, die die Geschichtswissenschaft sonst verschweigt. Durch die Erweiterung der Gender-Frage bekommen wir einen gerechteren und vollständigeren Blick auf die Geschichtsschreibung. Bisher ist das ein sehr männlicher Blick, den natürlich auch Frauen als Historikerinnen betreiben.

Lizza: All diese Perspektiven müssen gelehrt und gelernt werden, um einen Blick auf alle Menschen zu haben. Interessant ist auch, wie Frauen auf die patriarchalen Strukturen ihrer Zeit reagiert haben, wie sie sich außerhalb dieser männlich geprägten Regeln bewegt haben. Es gab viele Widerstandskämpferinnen, auch schon lange bevor es die bekannten emanzipatorischen Bewegungen gab. Das wollen wir in der Ausstellung zeigen. Gäbe es keinen strukturellen Unterschied in der Lebensrealität der Geschlechter, müsste das auch nicht erzählt werden.

FW: Ein Ausstellungsstück ist interessant. Sie zeigen einen Korrekturstift, den „Liquid Paper“ aus den USA. In Deutschland ist das mit dem Tipp-Ex vergleichbar. Was hat der mit Frauengeschichte zu tun?

Lizza: Der Korrekturstift wurde 1956 von einer Frau erfunden, von Bette Nesmith Graham! Das ist eine witzige Anekdote, an der man sich bewusst machen kann, dass nicht alle Erfindungen nur von Männern gemacht werden. Das ist ja oft der Eindruck. Es liefert aber auch einen Blick darauf, aus welchen Gründen erfunden wird. Der Korrekturstift war wichtig für Leute, die viel an einer Schreibmaschine schreiben mussten und Fehler korrigierten. Das waren meist Frauen! Das Ausstellungsstück bringt mich zum Schmunzeln, weil es so etwas Kleines, aber auch ebenso Wichtiges ist.

 

Quelle: Simeon Gerlinger

Gesellschaft

Das neue Versammlungsgesetz

1. Mai Demo-frei?

Ein Bericht von Simeon Gerlinger

01.06.2021 - Ausgabe 72

Es ist der 1. Mai 2021. Am späten Nachmittag wollen Neonazis der Kleinstparteien NPD und Die Rechte ihre Demo-Tour durch NRW in der Düsseldorfer Innenstadt abschließen. Das Bündnis „Düsseldorf stellt sich quer“ möchte dies nicht ungestört geschehen lassen und ruft dazu auf, den Neonazis zu widersprechen. Auch nach einem überraschenden Wechsel der Route begleiten viele Gegendemonstrant:innen den Aufmarsch mit lauten Parolen aus angrenzenden Straßen. An einer Kreuzung kommt es zu einer kurzen Rangelei um ein Lastenfahrrad mit Lautsprecheranlage, da Polizeikräfte mit dem Standort des Fahrrads nicht einverstanden sind. Die Situation beruhigt sich bald darauf, die Neonazis müssen jedoch, auch wegen der Gegendemonstrant:innen, auf der Hälfte der Strecke ihren Aufmarsch abbrechen. Unter Polizeibegleitung müssen die rund 100 Neonazis mit der Straßenbahn zum Hauptbahnhof zurückfahren. Alles in allem eine Situation, an die man sich in den letzten Jahren schon fast gewöhnt hat.

Auch sonst gibt es an diesem Tag viele weitere Demonstrationen in NRW. Neben anarchistischen oder kommunistischen Demos lassen sich auch die Gewerkschaften nicht die Möglichkeit nehmen, der Pandemie zum Trotze ihre Kundgebungen durchzuführen. Dieses Bild könnte jedoch schon bald der Vergangenheit angehören, wenn man den Entwurf der Landesregierung für ein neues Versammlungsgesetz betrachtet.

 

Die Versammlungsfreiheit in Deutschland

Grundsätzlich gibt der Artikel 8 des Grundgesetzes die Freiheit, sich friedlich, ohne Anmeldung, ohne Erlaubnis und Waffen zu versammeln. Für Versammlungen unter freiem Himmel kann dieses Freiheitsrecht durch andere Gesetze eingeschränkt werden. Wie weit diese Einschränkungen gehen dürfen, ist jedoch immer wieder Streitgegenstand an Verwaltungs- und Verfassungsgerichten.

Eine der weitreichendsten Entscheidungen wurde im sogenannten Brokdorf-Beschluss 1985 vom Bundesverfassungsgericht getroffen. Im Streit um die Rechtmäßigkeit eines allgemeinen Demonstrationsverbotes rund um die Baustelle des namensgebenden Atomkraftwerkes wurde eine Grundsatzentscheidung für die Versammlungsfreiheit getroffen, die bis heute das Versammlungsrecht prägt. Das Bundesverfassungsgericht stellte fest, dass Versammlungen ein unentbehrliches Element der Demokratie seien. Als Mittel der politischen Meinungs- und Willensbildung stünden Versammlungen unter einem hohen Schutz, der nur zugunsten von gleichwertigen Rechtsgütern eingeschränkt werden dürfe. Grundsätzlich müssten Behörden versammlungsfreundlich agieren, auch, wenn eine Versammlung teilweise unfriedlich sei. Ebenso könnten präventive Verbote nur nach der Ausschöpfung aller sonstigen Mittel und mit konkreten Gefahrenprognosen getätigt werden.

 

Ein modernes Versammlungsgesetz oder der Bruch mit Brokdorf?

Wie hängt dieser Beschluss mit dem Entwurf der Landesregierung zusammen? Bereits im April 2020 stellte Innenminister Herbert Reul in einer Stellungnahme zum Demonstrationsgeschehen in der Pandemie in Aussicht, den Brokdorf-Beschluss auf den Prüfstand stellen zu wollen. Später relativierte er diese Aussage auf Nachfrage – er hätte es „nicht so gemeint“. 

Die Vorstellung des Entwurfs eines NRW-eigenen Versammlungsgesetzes erfolgte im Januar 2021. Begründet wurde der Entwurf mit dem Ziel, das seit 1953 geltende Versammlungsrecht des Bundes zu modernisieren und den aktuellen Rechtsstand in das Gesetz einzubetten. Ebenso sollen technische Neuerungen mit Regelungen zur Videoüberwachung von Versammlungen ihren Platz im Gesetz haben. Zudem wird die Möglichkeit geschaffen, Demonstrationen an symbolträchtigen Tagen und Orten zu verbieten, was vor allem in Bezug auf Neonazi-Demonstrationen von Bedeutung sein würde.

Für die Organisation von Demonstrationen gäbe es im Entwurf einiges zu beachten. Wochenenden und Feiertage fallen nun aus der 48-stündigen Anmeldefrist heraus. Somit könnte sich die Frist auf bis zu vier Tage verlängern. Ebenso müssten die Daten von Ordner:innen auf Anfrage der Polizei zugänglich gemacht werden und die Versammlungsleitung für Abweichung vom besprochenen Verlauf belangt werden. In Zukunft soll es der Polizei auch möglich sein, Versammlungen zu filmen, die die Einsatzkräfte als unübersichtlich einschätzen. Die Aufnahmen können jedoch auch zur späteren Verfolgung von Straftaten verwendet werden. Bisher war das Filmen nur möglich, wenn es konkrete Anzeichen für bevorstehende Straftaten gab.

Das bestehende Uniformierungsverbot, welches das Tragen von Uniformen und uniform-ähnlicher Kleidung sanktioniert, wurde von der Landesregierung zum sogenannten Militanzverbot weiterentwickelt. Versammlungen können nun auch verboten werden, wenn neben Uniformierung oder paramilitärischem Auftreten ein vergleichbares Auftreten Gewaltbereitschaft und Einschüchterung vermittelt.

Das neu gefasste Störungsverbot sanktioniert das Stören, Behindern und Verhindern von Versammlungen. Der Auffassung der Landesregierung nach könnten auch schon vorbereitende Handlungen, wie etwa Blockadetrainings oder das Aufrufen zu Blockaden, strafbar sein.

 

» Das Militanzverbot ziele laut Bündnissprecherin Gizem Koçkaya darauf ab, „dem sogenannten schwarzen Block oder Menschen in weißen Maleranzügen bei Protesten gegen den Braunkohleabba u das Demonstrieren zu untersagen. «

Kritik am Entwurf der Landesregierung

Der Entwurf trifft jedoch nicht nur auf Zustimmung. So wurde er im Rahmen des Innenausschusses des Landtags von einigen der eingeladenen Expert:innen scharf kritisiert. Professor Dr. Clemens Arzt, tätig an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, erklärte, der Entwurf wolle mit der liberalen Rechtsprechung des Brokdorf-Beschlusses brechen und schränke Versammlungen ein, wo immer es nur möglich sei.

Aus Gewerkschaftskreisen kam der Einwand, dass die mögliche Verlängerung der Anmeldefrist kurzfristigen Arbeitskämpfen entgegenstehe. Der DGB kritisierte zudem die neuen Möglichkeiten der Videoüberwachung von Versammlungen. Die Aufnahmen würden etwaige Teilnehmer:innen in ihrem Recht auf eine anonyme Teilnahme einschränken oder von der Teilnahme abhalten. Folgt man der Einschätzung Wilhelm Achelpöhlers vom Deutschen Anwaltsverein, könnte das Kriterium der Unübersichtlichkeit schon bei 100 Teilnehmenden erreicht sein.

Auch das Störungsverbot ist umstritten. Professor Dr. Christoph Gusy von der Uni Bielefeld erklärte, dass Störungen Teil des Meinungspluralismus seien und dass sie, sofern sie hinnehmbar seien, auch vor staatlichen Sanktionen geschützt sein müssten. Eine diesbezügliche Differenzierung sehe der Entwurf der Landesregierung jedoch gerade nicht vor. Professor Dr. Markus Thiel von der Münsteraner Hochschule der Polizei verteidigte das Störungsverbot kurioserweise mit dem Einwand, dass mit diesem auch Blockaden von linken Demos durch Neonazis verfolgt werden könnten.

Aus der Zivilgesellschaft und von linken Gruppen gibt es große Kritik am Vorhaben der Landesregierung. Im April formte sich ein NRW-weites Bündnis aus zivilgesellschaftlichen, antifaschistischen und umweltpolitischen Gruppen, um gegen das geplante Gesetz zu mobilisieren. Das Militanzverbot ziele laut Bündnissprecherin Gizem Koçkaya darauf ab, „dem sogenannten schwarzen Block oder Menschen in weißen Maleranzügen bei Protesten gegen den Braunkohleabbau das Demonstrieren zu untersagen“. Vom 17. bis 23. Mai ruft das Bündnis zu einer dezentralen Aktionswoche auf, in deren Rahmen in ganz NRW Demonstrationen und andere Aktionen geplant sind.
Auch in Bonn regt sich seit einigen Monaten Widerstand gegen den Entwurf. Ein lokales Bündnis aus umweltpolitischen, linken und antifaschistischen Zusammenhängen organisierte bereits drei Demonstrationen mit mehreren hundert Teilnehmer:innen. Auch das Bonner Bündnis gegen Rechts stellt sich gegen die neuen Regelungen. In einer Stellungnahme erklärte das Bündnis, das Störungsverbot würde sich gegen die eigene Zielsetzung richten, „rechte Demonstrationen kontinuierlich zu Misserfolgen und damit längerfristig unmöglich zu machen“.

 

Heißt es also demnächst nur noch 1. Mai, Demo-frei?

Wenn der Entwurf im jetzigen Stand verabschiedet würde, wäre dies nicht unrealistisch. Neonazi-Demonstrationen könnten, soweit der 1. Mai nicht als geschichtsträchtig eingestuft würde, trotzdem stattfinden. Der Gegenprotest wäre jedoch fast auf ganzer Linie verboten. Für zivilgesellschaftliche Bündnisse wie „Düsseldorf stellt sich quer“ könnte allein der Aufruf zum lauten Gegenprotest zu Strafanzeigen führen. Ein Fahrrad mit Lautsprechern würde die Beschlagnahme dessen und Anzeigen mit sich bringen. Revolutionäre und autonome 1. Mai-Demos würden durch das Militanzverbot nur noch vereinzelt erlaubt werden und durch die allgegenwärtige Videoüberwachung wären die stattfindenden Demonstrationen vielleicht wesentlich kleiner als in den Vorjahren.

Ob das wirklich alles so passieren wird? Die nächsten Wochen werden es zeigen, denn die Landesregierung möchte den Entwurf noch vor der Sommerpause verabschieden. Wie viel der Kritik sie sich noch zu Herzen nehmen wird, bleibt also abzuwarten.

Von der Korrelation zwischen Wäsche waschen und sich Wohlfühlen (Quelle: Karolina Grabowska via Pexels)

Kolumne - Zwischenruf

Schöner Wohnen

Oder: wie viel nach Farbe sortierte Wäsche zu meinem Wohlbefinden beiträgt

Eine Kolumne von Helene Fuchshuber

01.06.2021 - Ausgabe 72

In den letzten zweieinhalb Jahren habe ich in sieben verschiedenen Wohnungen gewohnt. Mein kürzester Aufenthalt dauerte vier Wochen (Zwischenmiete in Berlin), der längste ca. sieben Monate (danach Studienabbruch und Umzug nach Bonn). Ich hatte zwölf verschiedene Mitbewohner:innen. Der älteste war Anfang 30, die jüngste 19. Zum Teil bin ich umgezogen, weil ich musste. Ich hatte mehrfach Untermietverträge, die mich nach spätestens einem halben Jahr wieder rausgeschmissen haben, weil die ursprünglichen Zimmerbewohner:innen aus dem Erasmus-Semester heimkehrten. Zum Teil bin ich umgezogen, weil irgendetwas nicht passte.

Eigentlich

würde ich sagen, dass ich eine unkomplizierte Mitbewohnerin bin. Ich bin nett. Ich mag Grundsauberkeit und Ordnung. Ich mag es, mit anderen zu kochen und mache freiwillig hinterher den Abwasch. Ich frage, ob ich Sachen vom Einkaufen mitbringen soll. Ich unterhalte mich gern, lasse aber auch jeder Person Raum für geschlossene Türen, weil mir das auch wichtig ist.

Das liest sich wie eine Anfrage und Selbstbeschreibung für WG-Gesucht. Liest sich wie etwas, das ich zu oft geschrieben habe, weil ich nie ganz zufrieden mit meiner Wohnsituation war. Zwischendurch, immer wieder. In Berlin, meine erste eigene Wohnung mit der Mitbewohnerin meiner Träume war toll. Altbaudielen, hohe Decken mit Stuck und riesige Fenster. Und natürlich Phili. Diese Situation hätte ich am liebsten komplett in meine Umzugskisten gepackt.

Uneigentlich

hat mir eine Freundin mal gesagt, wie interessant sie es findet, dass mir meine Wohnsituation so wichtig ist. Sie wohnt seit dem ersten Semester in einer Eineinhalbzimmerwohnung und fühlt sich wohl, einfach so. Ich bin da komplizierter.

Bei mir ist das Zimmer, in dem ich aufwache und einschlafe, ausschlaggebend dafür, ob ich mit dem Rest der Welt und mir zufrieden bin. Oder eben nicht. Wenn ich mich in meinen eigenen vier Wänden nicht wohl fühle, neige ich zu Schlafstörungen und Bauchschmerzen. Ich habe tendenziell schlechtere Laune, struggle mehr mit meinem Studium, fühle mich eher allein und unverstanden. Ich bewege mich dann nicht mehr wie ich selbst. Ich versuche, möglichst wenig Dreck zu machen, unsichtbar zu sein. Ich freue mich über gelegentlich stattfindende Gespräche mit Mitbewohner:innen, und frage mich automatisch gleichzeitig, ob ich jetzt aufdringlich gewirkt habe. Meine Toleranz für schimmliges Gemüse im Kühlschrank und Haare im Waschbecken schwindet drastisch. Ansprechen tue ich das natürlich nicht, weil ich ja harmoniebedürftig bin. Damit ist niemandem geholfen. Und mein Umzug steht vor der Tür.

Seit über zwei Jahren

bin ich auf der Suche, nach einem Ankommen, nach Hause kommen. Viel zu lange war immer noch Leipzig mein nach Hause kommen. Viel zu lang, weil ich da seit Jahren nicht mehr wohne, sondern nur dahin zurückkehre. Viel zu lange war ich nirgendwo mehr zu Hause. Denn, wenn ich ehrlich bin, habe ich mich auch in Leipzig mehr und mehr als Gästin gefühlt. Ich glaube, das ändert sich gerade. Ich glaube, ich komme im vierten Semester langsam in Bonn an.

Im Wohnzimmer

steht gefühlt ständig mindestens ein Wäscheständer. Mindestens einer, weil ich es nicht mag, wenn meine Bettwäsche knitterig trocknet und dafür also zwei brauche. Oder halt zwei, weil in der Wohnung zwei Menschen wohnen, zwei Menschen waschen, zweimal Wäsche aufhängen. Außerdem gibt es zwei komische Haken an einer grünen Wand, von denen meist Unterwäsche zum Trocknen baumelt. Farblich sortiert. Im Grunde unnötige Infos. Was ich versuche zum Ausdruck zu bringen ist, dass ich mal wieder umgezogen bin und mich in meiner neuen Wohnung wohlfühle.

Vorher

wäre ich nicht auf die Idee gekommen, meine Wäsche im Wohnzimmer zu trocknen. Was definitiv kein Problem gewesen wäre, es gab genug Platz. Aber das hat sich nicht selbstverständlich angefühlt. Ich hätte das Gefühl gehabt, danach fragen zu müssen. Obwohl ich weiß (oder jedenfalls ganz stark davon ausgehe), dass es auch für meine früheren Mitbewohner:innen kein Problem dargestellt hätte. Wir haben unser Zeug alle immer brav in unseren eigenen Zimmern getrocknet.

» Wo wer wann Wäsche aufhängt ist zwar definitiv nicht allein Indikator für das Wohnklima einer WG, aber irgendwie doch ein passendes Bild.«

Ich habe vorher maximal verloren gegangene Socken im Flur aufgelesen; jetzt ist es normal, dass im Wohnzimmer schwarz in schwarz geordnete Slips trocknen. Und ich fühle mich wohl. (Und ich hoffe wirklich, dass ich mit der Fixierung auf Wäsche weder Leser:innen noch meine Mitbewohnerin offende. Wenn, dann tut es mir leid! Ich hab es dann jetzt auch.)

In unserem Wohnzimmer

stehen verstreut die Schuhe von zwei Menschen herum. Hängen Jacken über Jacken über Jacken. Stehen manchmal benutzte Gläser auf dem Tisch. Und stören mich nicht. Ich wohne jetzt nämlich mit einer Person zusammen, die ich mag und kenne. Und das ist das, was am Ende wirklich ausschlaggebend ist. Nicht die Größe der Fenster und die perfekte Lage. Nicht unwichtig, keine Frage, aber im Vergleich fast nichtig.

Ein Sechser im Lotto ist natürlich, wenn alles stimmt. Dazu kann ich nur sagen: Zwei Zimmer Küche Wohnzimmer Bad und ein kleiner Balkon, fast Altstadt, große Fenster, schöne Wohnung, Karina. Jackpot.

Ich will gar nicht angeben, niemanden eifersüchtig machen. Ich freu mich einfach, bin erleichtert und kann endlich eine doofe Gedankenspirale aus meinem Kopf verbannen. Die Spirale, die immer wieder geflüstert hat, willst du so wohnen? Wirklich hier ankommen? Oder nicht doch lieber ausziehen, umziehen, wegziehen, dein Studium abbrechen, Köchin werden, auswandern… Ich freu mich darüber, dass ich gerne in meine Wohnung zurückkomme, dann nach Hause komme.

Ich habe wie gesagt in letzter Zeit in sieben Wohnungen gewohnt. Und ich will gar nicht sagen, dass Mensch sich nur mit dem Optimum zufrieden geben sollte. Der perfekten Wohnung, mit perfekten Mitbewohner:innen zum perfekten Zeitpunkt. Aber vielleicht will ich sagen, Umziehen lohnt sich, Veränderung lohnt sich. Den perfekten Zeitpunkt gibt’s nicht, aber gerade gerade ist es verdammt wichtig, sich in den eigenen vier Wänden wohlzufühlen. Was das Wohlfühlen bedingt folgt keiner Logik, keiner Perfektion, sondern ist individuell.

Auf dem Fensterbrett

sterben Pflanzen vor sich hin. Aber wir glauben an Wiedergeburt. Auf dem Balkon steht ein fransiger pinker Sonnenschirm vom Sperrmüll.

Es sind am Ende diese Kleinigkeiten, das Selbstverständnis.

Denn natürlich schimmeln manchmal auch in unserer Küche Zitronen und der Müll quillt über. Aber im Kühlschrank gibt’s keine getrennten Fächer mehr. Und wenn Karina sich einen Bananen-Shake macht, dann macht sie zwei und bringt mir einen in mein langweiliges Zoom-Seminar.

Über die Autorin

Helene Fuchshuber

Ist erst 20 Jahre ihres Lebens gar nicht umgezogen und dann sehr, sehr oft. Jetzt könnte es nach langer Zeit mal wieder sein, dass sie sesshaft wird. Oder immerhin vorrübergehend. Jedenfalls fühlt sie sich mittlerweile endlich in einer Wohnung wohl und hofft, dass es wenigstens den meisten von Euch auch so geht!