Was ist eigentlich…

die Exzellenzinitiative?

 von Clarissa Clever

Die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder zur Förderung von Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen wurde 2005 von der Sozialdemokratin Edelgard Bulmahn, damalige Bundesministerin für Bildung und Forschung, ins Leben gerufen. Es handelt sich hierbei um ein Förderprogramm, das die Wettbewerbsfähigkeit von deutschen Universitäten verbessern soll.
Nach Artikel 91b des Grundgesetzes dürften Bund und Länder nur in wenigen Ausnahmefällen im Bereich der Bildung miteinander kooperieren. Deshalb kann der Bund die Länder nur sehr eingeschränkt finanziell unterstützen.

Im Laufe der Förderungszeit wurden ca. 1,9 Mrd. Euro in der ersten und ca. 2,7 Mrd. Euro in der zweiten Runde an Hochschulen verteilt, die in einem Bewerbungsprozess ausgewählt werden. Dabei beteiligten sich die Länder mit einem Drittel an den Fördermitteln.
Zu den Eliteuniversitäten in Deutschland, also zu jenen, die vom Programm gefördert werden, gehören elf Universitäten, unter anderem die Universität Köln und die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) Aachen.

Die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn bezog in dem Zeitraum von 2006-2015 84 Millionen Euro und wird bis 2017 weitere 26,5 Millionen Euro Unterstützung aus diesem Programm erhalten. Doch was wird gefördert?
Die Förderung des Programms umfasst drei Förderlinien: Graduiertenschule, Exzellenzcluster und Zukunftskonzepte.
Die Förderlinie der Graduiertenschule befasst sich hauptsächlich mit der Ausbildung von Doktoranden. Ihre Ausbildung und Forschung tritt hierbei in den Vordergrund, wohingegen die der Professoren in den Hintergrund rückt. Das zweite Konzept der Förderlinien, die Exzellenzcluster, beinhaltet die wissenschaftliche Forschung eines breiten Materiekomplexes an einer bestimmten Hochschule. Hier werden jährlich ca. 6,5 Millionen Euro Finanzmittel an Teilnehmer der Initiative verteilt. Es zählen jedoch nicht Resultate der Forschung, sondern vielmehr die Mitarbeiter, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Die Exzellenzcluster der Universität Bonn sind ,,Mathematics:  Foundations, Models, Applications“ und ,,ImmunoSensation: Das Immunsensorische System“.
Die Zukunftskonzepte hingegen beschäftigen sich, wie der Name schon sagt, mit Konzepten zur langfristigen Entwicklung einer Universität im Bereich der Forschung. Betrachtet wird die Entwicklung selbst, aber auch das Ziel einer methodischen Entwicklung.
Die Bewilligungsphasen der Exzellenzinitiative werden in sogenannten Runden beschrieben. In der Ersten Runde (von 2006–2011) wurden 21 Universitäten in das Förderprogramm aufgenommen. Die Universität Bonn stellte im Bereich der Graduiertenschule die ,,Bonn-Cologne Graduate School of Physics and Astronomy“ vor.
Für die Zweite Runde (2012-2016), die sich gerade im Auslauf befindet, bewarben sich 18 Universitäten. Sie wurde jedoch bis zum Start der dritten Runde verlängert, um Förderpausen zu umgehen.
Eine Dritte Runde, die 2019 starten soll, wurde bereits im April beschlossen, jedoch ohne die Förderlinie der Zukunftskonzepte.
Näheres hierzu kann in dem Artikel ,,Querschnittsthemen überwinden klassische Fächergrenzen“ von Dr. Ardreas Archut in der aktuellen ,,forsch“ (Ausgabe Juli 2016) nachgelesen werden.

Das Ziel der Exzellenzinitiative ist die Schaffung von Eliteuniversitäten. Deshalb stellt sich unmittelbar die Frage, ob das Förderprogramm in Deutschland diesem Ziel gerecht wird und international erfolgreiche Universitäten geschaffen werden.
Durch die Exzellenzinitiative zeigen sich bereits erste Schritte in die richtige Richtung. Einzelne Forschungsbereiche der geförderten Universitäten haben erheblich mehr Zuspruch und Zuwachs in den letzten Jahren bekommen. So ist die Universität Bonn im Bereich der Mathematik durch ihre Exzellenzcluster international bekannt geworden und hat Ansehen erlangt.

Der jüngste Professor Deutschlands ist Peter Scholz, der mit 24 Jahren schon zum ordentlichen Professor berufen wurde und an der Universität Bonn im Bereich der Mathematik tätig ist, genauer gesagt im Hausdorff Center for Mathematics, das im Rahmen eines Exzellenzcluster gegründet wurde.
Allerdings besteht die Gefahr, dass sich die Universitäten Deutschlands in ,,Elite“ und ,,Masse“ aufteilen. Die ,,Massen“-Universitäten könnten es schwerer haben, Forschungsmittel vom Bund und anderen Organisationen zu erhalten. Eine Forschungskonzentration auf die Eliteuniversitäten könnte eine Folge sein, sodass diese sich der größeren Popularität bei Studenten und der allgemeinen Öffentlichkeit erfreuen.
Diese Vermutungen werden nur zukünftige Ereignisse entweder bestätigen oder widerlegen können.

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