Des Friedrich Wilhelms Nr. 56

Online-Ausgabe

Die letzte Ausgabe des Jahres ist da und wir haben uns ein paar Rückblicke vorgenommen, die in der Zeit weiter zurück gehen als 2019. Unser neues Redaktionsmitglied Jan Bachmann hat sich mit den Hohenzollern beschäftigt, wir haben einen Gastbeitrag über Willi Brand und auch die historische Feuerzangenbowle findet ihren Platz in unserer Ausgabe. Außerdem könnt ihr unsere letzte KünstlerInnen-Vorstellung bewundern. Danke an alle die mitgemacht haben!

Viel Spaß beim Lesen wünscht euch eure Redaktion!

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Changemaker

Von Nachhaltigkeit und Spirit

Der Begriff der „Nachhaltigkeit“ hat sich zunehmend seinen Platz in unseren alltäglichen Sprachgebrauch und somit unser aller Bewusstsein gekämpft. Rentner, Studierende, Eltern oder Jugendliche hinterfragen im Supermarkt was sie kaufen können oder ob sie wirklich das Flugzeug nach Frankreich nehmen sollten. Der Spirit der Nachhaltigkeit und das schlechte Gewissen wegen des eigenen ökologischen Fußabdrucks werden immer selbstverständlicher in Zeiten von Fridays for Future oder Extinction Rebellion. Die deutsche Bundesregierung führt das Konzept der Nachhaltigkeit in ihrem „Rat für Nachhaltige Entwicklung“ folgendermaßen auf: „Nachhaltige Entwicklung heißt, Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen. Zukunftsfähig wirtschaften bedeutet also: Wir müssen unseren Kindern und Enkelkindern ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches Gefüge hinterlassen. Das eine ist ohne das andere nicht zu haben.“ Das Spektrum der Nachhaltigkeit reicht von alltäglichen umweltfreundlichen Gewohnheiten wie Recycling und den eigenen Kaffeebecher mitbringen,  bis zu Schilder für eine Demo malen. In der Blase, in der wir als Studierende leben, ist es  normal sich über den eigenen Lebensstil und Fußabdruck Gedanken zu machen. Oft reicht uns  das allerdings nicht, weil man sich dennoch häufig hoffnungslos fühlt angesichts der momentanen Lage der Welt und den eigenen Möglichkeiten. Engagement und Innovation können sowohl dem eigenen Gewissen als auch der Umwelt helfen, wie auch die ehrenamtliche Regionalgruppe „INFINITY“ aus Bonn zeigt.

Der Spirit von INFINITY

Das heutige Verständnis von Nachhaltigkeit lässt sich in drei verschiedene Aspekte gliedern: das nachhaltige Wirtschaften, den eigenen Lebensstil und Soziales. Die Regionalgruppe INFINITY vereint diese drei Aspekte miteinander. Das Ziel nachhaltig zu handeln ist oftmals schwer umzusetzen für Einzelpersonen. Aus diesem Grund möchte INFINITY verschiedene Modelle entwickeln, die dabei helfen, Nachhaltigkeit in den eigenen Alltag zu integrieren. Mittlerweile gibt es deutschlandweit sieben INFINITY-Gruppen, mit der ersten in Mannheim gegründeten. Die Mitglieder selbst beschreiben sich als Changemaker oder Social Entrepreneur. Bei ihrer Gründung vor einem Jahr waren sie, wie Nico Fröhlich beschreibt, noch alle unerfahren und mussten ein paar Rückschläge verkraften. Was in diesen Zeiten wichtig war und immer noch ist, ist laut ihm ein starkes und motiviertes Team. Die Motivation kommt auch aus der Inspiration, die sie mitnehmen, wenn sie als Team Workshops mit Sprechern besuchen. Sie selbst beschreiben sich und ihre Idee als: „Hier kommen Menschen zusammen, die basierend auf der Idee der Nachhaltigkeit […] unkonventionelle und innovative Ideen entwickeln.“

Ideas for days

Doch wie will INFINITY nun Nachhaltigkeit verbreiten und welche Ideen möchten sie umsetzen? Ihr erstes großes Projekt ist die sogenannte „BonnBottle“, das man auch auf ihrer Instagram Seite sehen kann. Die 500ml Glasflasche ist darum etwas Besonderes, weil sie anders als die meisten Produkte nicht aus China kommt, sondern in Italien hergestellt und  bei einem Familienunternehmen aus der Eifel bedruckt wird. Durch das Kaufen der Flasche unterstützt man INFINITY und ist nachhaltiger als mit einer Plastikflasche. Dennoch bleibt man in seiner Komfortzone, was laut INFINITY eins der größten Probleme ist im Kampf gegen Klimawandel und Umweltverschmutzung. Denn aus seiner Komfortzone heraus, etwas zu verändern ist relativ schwer, da meist die nötige Reflektion und das Bewusstsein dafür fehlen.

Veränderung kommt von innen

Die oben genannte Reflektion und das Bewusstsein besitzen immer noch weitaus weniger Menschen als gedacht. Bei der letzten Fridays for Future Demonstration waren ca. 4000 Demonstrant*innen. Dass eine Studentenstadt wie Bonn es nicht hergibt, mehr Studierende für eine wichtige Demonstration zu mobilisieren, macht alle Interessierten zurecht etwas stutzig. Bei manchen mag es daran gescheitert sein, dass sie nicht so früh aufstehen wollten, anderen war es vielleicht zu kalt. All das soll absolut kein Urteil bzw. eine Verurteilung derer sein, die sich nicht engagieren möchten. Vielmehr soll dieses Beispiel zeigen, wie wichtig Initiativen wie INFINITY sind, da sie zwar den Appell an jene in der Komfortzone richten, allerdings trotzdem die erreichen, die sich weigern, aus dieser herauszukommen. Denn es ist komfortabler, eine Flasche zu kaufen als in der Kälte morgens zu skandieren. Demnach ist es wichtig, im Bilde zu sein, welche Initiativen es in Bonn gibt, die man unterstützen kann, und vor allem wie. So heißt Nachhaltigkeit für jeden von uns zwar etwas anderes, aber es sollte für uns alle gleich wichtig sein. Um bei INFINITY mitzumachen, braucht man folglich: die Bereitschaft, etwas zu verändern und einen Studierendenausweis der Universität Bonn. Außerdem sollte man sich im Klaren sein, dass nachhaltiges Handeln impliziert,: „So zu handeln, dass künftige Generationen auf intakte soziale, ökonomische und ökologische Strukturen zurückgreifen können.“

Des Friedrichs Wilhelm Nr. 55

Online-Ausgabe

Unsere vorletzte Ausgabe dieses Jahres beschäftigt sich mit einem Thema, womit sich die Uni Bonn schon seit Semesterbeginn auseinandersetzen muss: Sexismus und den Vorfällen in der Medizin-Fachschaft. Wir haben dazu einen Bericht aus der letzten Studienparlaments-Sitzung für euch, sowie eine Ansicht zu einer Tradition so mancher Ersti-Woche: den “Kleiderketten”. Außerdem könnt ihr in unserem neuen Kunstraum die Band “Elia” aus Bonn näher kennenlernen und etwas zu der neuen RTL-Datingshow “Prince Charming” erfahren.

Viel Spaß beim Lesen wünscht euch die Redaktion!

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Des Friedrichs Wilhelm Nr. 54

Onlineausgabe

Liebe Leserinnen und Leser, in unserer neuen Themenausgabe dreht sich diesmal alles um die Umwelt. Klimaschutz und -wandel sind kaum noch aus aktuellen Diskussionen wegzudenken und unsere Redakteur*innen haben sich in den unterschiedlichsten Bereichen mit diesen Themen beschäftigt. Ob ein Interview mit Extinction rebellion oder eine Auseinandersetzung mit der Konsumkritik, es ist bestimmt auch was für euch dabei.

Viel Spaß beim Lesen wünscht euch eure Redaktion!

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Des Friedrich Wilhelm Nr. 53

Online-Ausgabe

Liebe Leserinnen und Leser,

die neue FW ist wieder da und erwartet euch mit Themen wie dem fragwürdigen Ersatz des Bonner Lochs, Sexismus im Sport und dem Werdegang der Bonner Soziologin Prof. Dr. Doris Mathilde Lucke. Auch eine neue Künstler*innenvorstellung ist natürlich wieder dabei.

Viel Spaß beim Lesen wünscht euch die Redaktion!

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Ersti-FW

Wintersemester 2019/20

Liebe neuen und alten Leser*innen,

In der diesjährigen Ersti-FW zum Wintersemester 2019/20 geht es um studentische Selbstverwaltung und ihren Nutzen, das neue Hochschulgesetz für Nordrhein-Westfalen, Tipps für ein fittes Studium mithilfe des Unisports. Außerdem findet ihr in dieser Ausgabe einen Stimmungsführer, einen Comic über den ersten Tag an der Uni sowie einen Artikel über Burschenschaften.

Wir hoffen, dass auch die “alten Hasen” unter den Student*innen ihre Freude an dieser Ausgabe haben werden.

Eure FW-Redaktion

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Kosten und Nutzen

Ein Erfahrungsbericht von Hendrik Schönenberg

In den Semesterferien oder zu Beginn des neuen Semesters trifft es jeden Studierenden. BASIS wird geöffnet, der Studienverlaufsplan rausgeholt, das Modulhandbuch herausgekramt. Welche Veranstaltungen muss ich im nächsten Semester belegen? Welche Voraussetzungen gibt es? Welche Prüfungsleistung? Wann liegen die Veranstaltungen? und so weiter und so fort…. Jeder kennt dieses Spiel mit dem neuen Stundenplan. Dabei sind einige Regelungen von Fach zu Fach stark verschieden. Mediziner haben sehr wenig Auswahlfreiheit während in Fächern wie Germanistik die Module in nahezu beliebiger Reihenfolge, im Winter- wie Sommersemester belegt werden können. Klar ist jedoch: Was in der Prüfungsordnung steht, das gilt. Da kann man mit den Füßen stampfen, in Tränen ausbrechen und in Rage verfallen. Letztlich muss man sich geschlagen geben.

Eine ganz ähnliche Reaktion war an meiner eigenen Person zu beobachten, als in meinem eigenen Modulplan „Modul: Wirtschaft“ zu lesen war. Wirtschaft – nicht unbedingt mein liebstes Thema, aber es könnte doch ganz interessant werden und mir sicher weiterhelfen, so dachte ich bei mir. Tja. So kann man sich irren.

Wie vorgeschrieben gab ich in der ersten Woche meinen Antrag auf dieses Exportmodul ab und fand mich prompt am Juridicum wieder. Modul: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre. Ein sehr beliebtes Exportmodul. Von Politologen bis Mathematikern und Juristen fanden sich neben der überwiegenden Mehrheit aus VWL-Studierenden im ersten Semester auch viele Nebenfächler in Hörsaal C ein. So auch ich: Lehramt Sozialwissenschaften. Der einzige Unterschied: Für uns ist VWL nicht frei wählbar. Zwei VWL Module sind Pflicht für alle (Grundzüge der VWL und Makroökonomik B).

„Grundsätzliches Verständnis der mikro- und makroökomischen Prinzipien“, so lautet das erste Lernziel für Grundzüge der VWL im Modulhandbuch. Weder an dieses noch an eines der anderen Lernziele kann ich nach dem Semester einen Haken setzen. Trotz hunderter Stunden am Juridicum und der Arbeit mit den eCampus-Materialien bleibt das Gefühl, nichts gelernt und nichts verstanden zu haben.

Natürlich kann der engagierte Volkswirt hier entgegenhalten, das läge eben an meinem mangelhaften mathematischen und logischen Verständnis und meiner Weigerung, mich wirklich auf das Thema einzulassen. Schlicht an meiner grundsätzlichen Abneigung. Sicherlich Einwände, die ihre Berechtigung haben. Aber nehmen wir doch mal ein paar allgemeine Struktureffekte in den Blick, institutionelle Effekte, die nicht nur mich als Person beeinflussen. Schwächen des Systems.

Es beginnt bereits mit dem System der Tutorien. Mikro- und Makroökonomik wechseln sich dabei nämlich wöchentlich ab, was zur Folge hat dass der Studierende nie auf dem gleichen Stand mit dem Tutorium ist. Oder umgekehrt: die Tutorien machen immer zwei Wochen lang das gleiche. Für sich kein Problem, kann ich doch so ein weiteres besuchen, wenn ich es nicht beim ersten Mal gecheckt habe. Richtig. Allerdings ist der Stoff des Tutoriums nie synchron mit dem der Vorlesung. Die Hälfte der Aufgaben gehören erst in zum Vorlesungsstoff der kommenden Woche. Wie soll ich so die Aufgaben vorher bearbeiten? Erst recht, wenn sie nur zwei oder drei Stunden vor dem Tutorium hochgeladen werden?

Der normale VWLer hört neben dem Grundzüge Modul auch noch BWL-Module und Mathematik Kurse. Alles Wissen, was auch bei Grundzüge mitreinspielt und nicht zuletzt sind Mathematikkenntnisse auch in Grundzüge von großer Bedeutung. Wird für die Nebenfächler dieser ganz natürliche Wissensmangel in irgendeiner Form kompensiert? Mit einem extra Tutorium als freiwilligem Angebot vielleicht? Fehlanzeige. Jeder muss schauen, wo er bleibt…im Zweifelsfall auf der Strecke.

Und was steht am Ende des Semesters? Business as usual: eine Klausur. Eine scheinbare unüberwindbare. „Aber machen sie sich keine Sorgen“, sagten die Professoren im Oktober, „sie müssen in der Klausur absolut nichts rechnen“. Ein Satz, der wirklich Hoffnung machte. Im Zuge der Veranstaltungen, besonders der Tutorien, bezweifelten wir jedoch, dass es so einfach sein würde – sah es doch am Ende jeder Sitzung so aus, als hätte ein formelwütiger Mathematiknobelpreisträger sich an der Tafel vergangen. Aber der Prof. hatte es gesagt…oder nicht?…also musste es ja stimmen.

Kurz vor der Klausur dann erreichte uns eine verwirrende Nachricht: Bitte bringen sie einen Taschenrechner zur Klausur mit. Sie werden verstehen, denke ich, dass ich skeptisch wurde. Und nach der Durchsicht einiger Altklausuren dann die erneute Ernüchterung: Rechnen mussten wir nicht, wir mussten keinen Rechenweg durchführen, keine Formeln oder Zwischenschritte notieren. Die ganze Klausur bestand aus Multiple Choice. Allerdings vergaßen unsere Lehrenden zu erwähnen, dass auch durchaus eine mathematische Aufgabe auftauchen kann und vier Brüche oder Kommazahlen die Antworten sind. Die Prüflinge müssen also nicht rechnen, nein, aber sie müssen aus einer Rechenaufgabe eine richtige Rechenantwort ableiten. Manche würden sagen, das ist rechnen. Für die Dozierenden der Volkswirtschaftslehre offensichtlich nicht.

In der Klausur ein weiterer Schockmoment: die Altklausuren waren wesentlich einfacher. Das ist also gute Klausurvorbereitung an der Staatswissenschaftlichen Fakultät. Eine Klausur, die übrigens die absolut gleichen Anforderungen für alle hat. Keine Verkürzung oder Erleichterung für Studierende anderer Fächer.

Wie kommt das Drama also zu seinem Ende? Die Klausur ist bestanden. Das Wissen fehlt. Bulimie-Lernen wie es im Buche steht. Aber an einer echten, kritischen Auseinandersetzung mit dem Stoff ist niemand interessiert.

Im nächsten Semester muss ich ein weiteres VWL-Modul belegen, Makroökonomik B. Ein Modul was der „normale VWL Student“ im 4. Semester hat, nachdem er unter anderem Makroökonomik A bestanden hat. Lehramtsstudenten, deren zweites Fach vielleicht nicht auch nur im Ansatz mathematisch oder naturwissenschaftlich ist, kann Makro B aber bestimmt trotzdem bestehen. Nach einem einzigen Modul. Dem allerersten in VWL. Und ohne Makro A. Jedem objektiven Beobachter dürfte klar sein: „Ja, da stehen die Chancen doch sicher extrem gut“.

Wie ich eingangs erwähnte, wählen viele Studierende anderer Fächer VWL als Exportmodul. Warum reite ich dann so auf den Lehramtsstudierenden rum? Die Antwort ist einfach. Wir sollen im Rahmen der Sozialwissenschaftlern Kindern wirtschaftliche Prozesse wenigstens in ihren Grundzügen erklären. Wir sollen die zukünftigen Generationen von Schülern mit der Wirtschaft und ihren Mechanismen in Kontakt bringen. Oft wird davon berichtet, dass Schülerinnen und Schüler keine Ahnung von Wirtschaft hätten. Wirtschaft und Ökonomie sollte ein eigenes Fach werden, argumentieren einige Ökonomen. Selbst die aktuelle schwarz-gelbe Landesregierung hat das eigene Fach Wirtschaft auf ihrem Programm. Es soll in NRW in den kommenden Jahren eingeführt werden.

Dabei zeigt meine Erfahrung mit der VWL in Bonn doch vor allem eines, nämlich dass die Probleme nicht erst in der Schule anfangen. Nach dem vergangenen Semester in den Katakomben des Juridicums fühle ich mich nicht darauf vorbereitet, Kindern dieses Fach näher zu bringen. Und das wird sich mit einem weiteren Modul, das in noch undurchsichtigere wissenschaftliche Untiefen abdriftet, sicher nicht ändern. Wie soll ich etwas unterrichten, was mir selbst nicht gut beigebracht wurde?

Naheliegend wäre deshalb, meiner persönlichen Meinung nach, nicht nur ein Überdenken des Studienverlaufsplans und ein wirkliches Angebot an Veranstaltungen auch für Studierende andere Fächer, sondern eine Änderung der gesamten Grundhaltung gegenüber den Studierenden anderer Fächer. Ein bloßes „Friss oder stirb!“ reicht definitiv nicht. Offensichtlich liegen für die Volkswirte die Kosten dafür jedoch eindeutig über dem Nutzen.  

„Developing open source software is a political act.“

Wir haben uns den freien Markdown-Editor Zettlr und seinen Entwickler Hendrik Erz mal angeschaut. Ein kurzer Überblick über ein Programm (nicht nur) für GeisteswissenschaftlerInnen.

Gute Software fürs Studium kann oft teuer sein oder sein Zielpublikum verfehlen. Wir sprechen heute mit einem jungen Bonner Entwickler, der ein quelloffenes Programm zur Hilfe bei wissenschaftlichen Arbeiten geschrieben hat. Bei einem Bier im Café Blau erzählt er uns von seinem Programm Zettlr.


FW: Hallo Hendrik, stell dich unseren LeserInnen doch einfach einfach mal kurz vor und erzähle was du studierst oder studiert hast und gerade so treibst?

Hendrik: Ab dem Wintersemester 2011/12 habe ich hier den Bachelor Geschichte im Hauptfach mit Politik und Gesellschaft im Nebenfach studiert und das Ganze relativ regulär durchgezogen. Danach habe ich den Master für Gesellschaften, Globalisierung und Entwicklung dran gehangen, der seit diesem Semester durch den Soziologie-Master ersetzt wurde. Den Master habe ich Ende 2017 abgeschlossen. Anschließend war ich ein Jahr lang wissenschaftlicher Mitarbeiter hier am Institut und arbeite zur Zeit als wissenschaftliche Hilfskraft am Dekanat der Uni Bonn. Gegenwärtig schaue ich mich nach Dissertationsstellen um.

FW: Du hast mit Zettlr ein Programm geschrieben, welches Leuten unter anderem beim beim Verfassen akademischer Schriften helfen soll. Was hat es damit genau auf sich?

Hendrik: Kurz gesagt ist Zettlr ein Markdown Editor. Davon gibt es mittlerweile sehr viele weil Markdown einfach praktisch ist, um Texte zu schreiben ohne viel Formatierung, Schriftgröße, Schriftart und so weiter.
Markdown an sich ist ein ziemlich einfaches Format, wo man beispielsweise fette Schrift mit Sternchen markiert kursiv mit Unterstrichen. Viele kennen das von WhatsApp. WhatsApp hat vor ein paar Jahren angefangen Markdown zu unterstützen. Zudem findet man das Prinzip auf den meisten Foren im Internet, und auf Seiten wie Reddit ist so etwas Standard. Zettlr mach das Ganze nun eben in Form einer Desktop-App und versucht, Markdown nicht nur für kurze Textschnipsel, sondern auch für ganze wissenschaftliche Arbeiten nutzbar zu machen (?). Der Vorteil liegt einfach darin, dass man sich bei einem Markdown Editor voll auf den Text konzentrieren kann, ohne Gefahr zu laufen, mit der Formatierung des Textes beim Schreiben zu prokrastinieren.

FW: Was hebt das Programm da jetzt von anderen Programmen aus diesem Bereich aus?

Hendrik: Man kann die Softwarewelt ganz gut in zwei Gruppen einteilen. Das eine sind Programme die sehr techniklastig sind. Da ist dann quasi alles mit Konsoleneingaben und Code sozusagen „matrixlike“ und die Programme richten sich nicht an gewöhnliche Benutzer sondern eben vor allem an Entwickler. Auf der anderen Seite stehen benutzerfreundliche Programme, bei denen man Dinge nur zusammenklicken muss. Alles möglichst intuitiv, visuell viel drag&drop und man sieht die Ergebnisse sofort (What You See Is What You Get. Abgekürzt: WYSIWYG). Das Ding ist jetzt, dass beide Gruppen von Software große Probleme haben. Wenn man ein solches Programm zu technisch hält, schließt man aber Leute wie Geisteswissenschaftler aus. Wenn man ein Programm wiederum „zu benutzerfreundlich“ macht, schränkt man die Leute darin ein, was sie potentiell alles mit dem Programm machen können. Es gibt ja auch immer einen Fall wo ein Entwickler eines Programms etwas spezifisches nicht bedacht hat.
Die benutzerfreundlichen Programme sind oft proprietär und die technischen Programme oft open source. Es ging mir massiv auf die Nerven, dass es kaum Programme da zwischen gibt und darum setzt sich Zettlr genau in die Mitte. Man muss sich nur ein paar der Markdown-Zeichen merken und kann sofort mit Zettlr arbeiten. Wenn man sich dann aber sagt, dass man mehr machen möchte und das alles noch ein bisschen tweaken möchte, dann kann man das eben bei Zettlr auch einstellen.

FW: Für wen und was genau wurde dein Pogramm konzipiert? Hattest du da schon von vorne herein eine bestimmte Gruppe im Blick?

H: Konzipiert wurde das Programm ursprünglich von mir für mich, weil ich seit 2014 immer mal wieder versucht, habe meinen eigenen Schreibstil zu verbessern. Man kennt es, dass die Länge und Menge der zu schreibenden Artikel im Laufe des Studiums immer länger werden. Wenn man aber jetzt immer mit Word-Prozessoren (Programme wie Microsoft Word, Libre Office) arbeitet, dann startet sich für jeden Text das Programm gegebenenfalls neu. Man öffnet eine Datei, darf suchen, findet die Stelle nicht, schließt das Programm wieder und so geht es dann immer weiter.  Weil mich das genervt hat, bin ich auf der Suche nach Alternativen auf Markdown gestoßen. Ich habe dann angefangen, alle möglichen Markdown Apps zu testen. Zwischenzeitlich hatte ich um die 20-25 dieser Programme gleichzeitig installiert, was ziemlich chaotisch ausgesehen hat.  Abgeholt hat mich davon aber keine so wirklich. Die Markdown Editoren für längere Texte waren fast alle entweder nur für technische Studiengänge konzipiert oder für reine Vielschreiber, wie SchriftstellerInnen. Da war dann wiederum der wissenschaftliche Anspruch eher zurückgestellt. Was fehlte, war ein Markdown Editor für die Geisteswissenschaften. Ich habe dann das Programm geschrieben und mir gedacht, dass das auch für andere Leute nützlich sein könnte und Quellcode und Programm freigegeben.


FW: Wie genau bekommt man seinen Text aus dem Markdown Editor aber jetzt in Form eines PDF Datenformats?

H: Was Zettlr ausgibt ist ja erstmal bewusst kein formatierter Text. Das Formatieren ist der letzte Arbeitsschritt im ganzen Schreibprozess. Um das entsprechend zu exportieren setzt Zettlr seinerseits auf Initiativen anderer Wissenschaftler wie zum Beispiel dem Programm Pandoc des amerikanischen Philosophieprofessors John MacFarlane womit man verschiedene Textdateien in andere konvertieren kann. Für den PDF-Export setzt Zettlr dann zusätzlich auf LaTeX. Das sind alles Open Source-Programme und man muss sie selber für die Benutzung von Zettlr auch nicht beherrschen da sie nur im Hintergrund werkeln.

FW: Was sind denn die absoluten Highlights unter den Features des Programms. Gibt es etwas was sonst noch keiner hat?

H: Das sind vor allem drei Dinge. Erstens bietet meine App einen Support für Zitation. Man wird sich im Studium ja irgendwann ein Literaturverwaltungsprogramm anschauen einfach um sich diesen Arbeitsschritt zu erleichtern. Bislang gab es eben noch keine Markdown App die gleichzeitig über eine Literaturverwaltungsfunktion verfügt hat. Die Kombination mit Markdown bietet sich hier eben auch deswegen an, weil man sich nicht von vorne herein auf die Zitationsweise festlegen muss und kein Problem hat, wenn der Dozent in der Mitte der Arbeit auf die Idee kommt diese ändern zu wollen.

Das zweite ist die Unterstützung für die sogenannte Zettelkastenmethodik. Also ein System was bekannt geworden ist durch Niklas Luhmann, aber nicht von diesem erfunden wurde. Also, dass man Zitate und Gedanken erst einmal aufschreibt und für das Texteschreiben einsortiert und aufbewahrt. Das kann Zettlr nativ, während es das bei den meisten anderen Programmen so nicht ohne spezielle Anpassungen oder eben nur in proprietärer Form gibt. In Zettlr gibt es dann ein paar spezielle Funktionen um beispielsweise das Zitat direkt mit dem Text zu verlinken.

Und der dritte Punkt ist, dass Zettlr versucht eine Art „Whitebox“ für alle möglichen Arten zu Schreiben zu sein. Mir ist sowohl als Lehrendem als auch selber als Lernendem an der Universität aufgefallen, dass jeder seine ganz eigene Art zu schreiben hat. Da ist Zettlr eben gut, weil man es völlig frei anpassen kann und die App einem viele Möglichkeiten lässt.

FW: Was brauchen die NutzerInnen um das Programm verwenden zu können? Für welche Geräte und Plattformen/Betriebssysteme ist Zettlr genau verfügbar?

H: Im Prinzip funktioniert die App auf allem außer Smartphones. Aber wenn wir mal ehrlich sind schreibt wohl kaum jemand an einem solchen Gerät längere Texte. Ich liefere selber Installer von Zettlr für Windows, MacOS und für Linux für debianbasierte Betriebssysteme wie Ubuntu sowie für fedorabasierte Systeme wie Fedora, CentOS und Redhat. Eine tolle Sache von open source ist, dass seit neustem eine, mir selbst unbekannte Person, immer wenn ich eine neue Version herausgebe diese auch für User von Arch-Linux kompiliert und bereitgestellt.

FW: Woher genau hast du eigentlich die Skills die dann zur Umsetzung des Projektes geführt haben? War das sozusagen eine Art autodidaktisches Nebenstudium oder kommst du beruflich aus dieser Richtung?

H: Ich habe nach dem Abi tatsächlich überlegt ob ich Informatik studieren soll. Das wäre mir aber alles ein bisschen zu nerdig gewesen, weswegen ich mich dann doch für die Geisteswissenschaften entschieden habe (grinst). Ich programmiere aber im Prinzip schon seit ich 14 bin habe damals mit HTML, CSS, Javascript und Co. angefangen bis ich dann die ersten C++-Programme geschrieben habe die auch schon in die Richtung von Word gingen. Das Ganze wurde dann vom Studium unterbrochen und seit 2017 bin ich wieder am Programmieren um diese App zu verwirklichen. Alles was ich in dem Bereich erlernt habe war aber autodidaktisch. Eine formelle Bildung dazu habe ich nie bekommen.

FW: Zettlr ist frei und open-source verfügbar. Da kann man nur sagen, verdammt cool und vielen Dank dafür. Du wirkst auch nicht gerade wie der Yuppie mit dem Startup-Unternehmen in der Garage!

Aber einige fragt sich natürlich; Warum genau? Mit der Idee ließe sich doch gewiss auch ganz prima Geld verdienen. Also soll das alles so frei und offen? Oder dürfen die NutzerInnen sich jetzt schonmal angefixt fühlen und schließlich eine kostenpflichtige Pro-Version erwarten?

H: Wie heißt es so schön. Beziehungsstatus: It’s complicated. Es sagen mir ständig Leute „Alter! Mach das zu Geld!“. Ich würde jetzt lügen, wenn ich das nicht schon überlegt hätte. Aber! Ich habe jetzt vor ein paar Wochen auf dem Twitter Account von Zettlr den Tweet rausgehauen: „Developing open source software is a political act.“. Ich denke das vor allem Software an sich sollte frei verfügbar sein. Wenn wir uns im Bereich Digitalisierung bewegen kann man Dateien beliebig oft ohne Produktionskosten vervielfältigen. Ich halte es nicht für sinnvoll, dass Softwareentwickler Geld für ihre Software verlangen. Zum einen hat man durch opensource die Möglichkeit, dass Außenstehende mitmachen und man nicht alles alleine stemmen muss. Ansonsten ist das wie mit Lehrmitteln deren Bereitstellung auch vom Staat gefördert wird. So wie es gerade oft bei Software läuft ist so als würde der Steuerzahler einmal den Wissenschaftler bezahlen um einen Text zu schreiben und dann aber nochmal um den Text in einem Journal lesen zu dürfen. Das ist ein sinnloses System. Wofür man Geld verlangen können sollte ist alles was mit Support zu tun hat. Aber Software an sich sollte eben frei sein, denn diese zu duplizieren lässt sich quasi ohne Kosten durchführen.

Zum Glück ist das auch die Tendenz zur Zeit wenn man sich die großen Firmen anschaut die viele Programme kostenfrei zur Verfügung stellen. Die Lizenz von Zettlr wurde auch von mir von der sehr liberalen MIT-Lizenz auf die GNU GPL v3 Lizenz umgestellt die es bei einer Weiterentwicklung verbietet dieses Programm dann zu kommerzialisieren.
Wenn ich als Geisteswissenschaftler es kenne nicht über das große Geld zu verfügen und es hasse für teure Software zahlen zu müssen, warum sollte ich das dann anderen aufbürden.
Nichts desto Trotz gibt es auch einen Spenden-Knopf auf der Seite von Zettlr und man kann mir Geld schicken, wenn man die Software nicht nur gut findet sondern mich auch unterstützen möchte.
 
FW: Hörst du denn oft den Begriff Startup im Bezug auf dein Projekt wenn du davon erzählst?

Ja. Andauernd.

(falls ja) Schmeichelt dir das und klingt das nach Ambition oder gibt das eher zentralen Kopfschmerz?

Wieder schwierig. Auf der einen Seite hätte man dann schon gegebenenfalls Geld für die Dissertation, auf der anderen Seite wäre dann das Programm auch nicht mehr quelloffen und es gäbe irgendwas mit Premium-Angebot oder dergleichen.

Wenn man sich die Startup-Kultur gerade aber auch anschaut ist es ja so. Jemand hat eine Billo-Idee, sammelt dann ordentlich Venture-Kapital ein und im Endeffekt stellen sich dann 90% dieser Ideen als Flop heraus. Das Problem hier ist, dass so unwahrscheinlich viel Müll erzeugt wird. Wenn ich mit so etwas wie Zettlr mal Geld verdienen sollte würde ich es wohl irgendwie anders aufbauen. Und sei es basierend auf Forschungsgeldern.

FW: Nutzt du auch selbst überwiegend freie Software in deinem Arbeitsalltag?

H: Ausschließlich. Von meinem Betriebssystem MacOS, und Avid Protools abgesehen nutze ich nur Opensource-Programme zur Zeit.

FW: Arbeitest du momentan alleine an dem Projekt, oder sind da noch mehr Leute in der Entwicklung involviert?

H: Im Moment arbeite ich alleine an der weiteren Programmierung des Projektes. Wobei da ja die meiste Arbeit gemacht ist und es nun eher um so kleine Schönheits-Operationen für die Effizienz des Projektes geht. Das ist ein Stück weit vielleicht auch eine gewisse Neurose das alles alleine machen zu wollen (lacht). Wo ich aber auf jeden Fall in Zukunft Hilfe brauchen werde ist für die Übersetzung des Projektes in verschiedene Sprachen, damit das Programm auch international bekannter wird. Momentan ist das Programm auf Deutsch, Englisch und Französisch verfügbar. Was mir ein Anliegen wäre ist das Programm eventuell mit ein paar Leuten auf Kurdisch übersetzen zu können und damit das erste Programm auf dieser Sprache zur Verfügung zu stellen.

FW: Das ginge auch wieder ein Stück weit in die politische Richtung.

H: Defintiv. Ich verstehe open source aber eben auch so, dass es darum geht alle irgendwo erreichen und mitnehmen zu können. Das Open steht für mich dabei sowohl für „quelloffen“, also, dass jeder sieht was das Programm macht, als auch dafür, dass das Programm zugänglich und benutzerfreundlich ist. Deswegen ist mir eine Übersetzung in mehr Sprachen auch so wichtig.

FW: Mit Latein könnte man dir wahrscheinlich nicht wirklich helfen?

H: (lacht) Es wäre irgendwie verdammt funny. Gibt es ja auf der Wikipedia und Facebook ja auch.

FW: Ist die Programmentwicklung für die Zukunft für dich eine konkrete Beruftsperspektive oder siehst du dies eher als Nebenbeschäftigung zu dem was du in deinem Studium gemacht hast?

H: Mein Plan ist zur Zeit defintiv erstmal an der Dissertation festzuhalten und dann wirklich auch als Wissenschaftler zu arbeiten. Sofwareentwicklung ist ganz gut um sich so eine Dissertation zu finanzieren, aber längerfristig möchte ich da nicht voll einsteigen. Da bin ich dann doch zu sehr der Opensource-Entwickler.
Wie geht es weiter mit Zettlr? Das Programm wird ja immernoch von dir weiterentwickelt. Hast du neue Features oder Arbeitsstellen am Programm welche dir da konkret vorschweben?
Also gerade ist die Version 1.2 in der Mache. Die Veränderungen dazu werden eher weniger an den Features selber sein sondern sich sehr viel darauf beziehen die Programmstabilität zu optimieren. Daneben sollen aber hoffentlich mit 1.3 dann auch alle Bibliotheksformate verfügbar sein. Wer einen Überblick über die geplante Entwicklung von Zettlr haben möchte oder diese selber mit anstoßen möchte kann auf GitHub nachschauen und dort oder auf Reddit ein Thema eröffnen.

FW: Wir danken dir für dieses Gespräch und wünschen viel Erfolg bei der weiteren Arbeit.

Hinweis. Für dieses Interview wurden Kürzungen und sprachliche Anpassungen durchgeführt.

Vorstellung und Download des Programmes:
https://www.zettlr.com/

Zettlr auf GitHub
https://github.com/Zettlr/Zettlr


Was ist Exzellenz?

Ein Gastbeitrag von Hendrik Schönenberg vom 24.02.2019

Inzwischen haben wahrscheinlich auch die allerletzten Studierenden und die hinterste Karteileiche mitbekommen, dass an die Universität Bonn sechs Forschungscluster von der Exzellenzkommission von Bund und Ländern vergeben wurde. Damit kann sie sich ganz offiziell um den Titel als „Exzellenzuniversität“ bewerben. Mit den sechs ausgezeichneten Projekten winken der Uni Fördergelder in Millionenhöhe und natürlich ein ordentlicher Prestigegewinn. Selbstbewusst titelt die Uni auf ihrer Website: „Universität Bonn mit sechs Exzellenzclustern erfolgreichste Hochschule in Deutschland“. Sie gehöre zu den „bedeutendsten Forschungsuniversitäten in Deutschland“ ist weiter zu lesen. Ein Grund mehr für jeden Studenten in Bonn mit stolzgeschwellter Brust seine Universität zu betrachten, oder nicht?

Wie so oft steckt der Teufel im Detail. Natürlich möchte niemand bestreiten, dass der Erhalt von sechs Forschungsclustern, – mehr als jede andere Hochschule in Deutschland hat –, eine Auszeichnung und ein Indikator für die Forschungskompetenz der Uni sind. Niemand möchte die herausragende Arbeit der Forscherinnen und Forscher kritisieren, die sicher in ihren Gebieten Pionierarbeit leisten. Aber was genau bedeutet das„Exzellenz“ eigentlich?

Die Ausweisung als „Exzellenzuniversität“ beschreibt lediglich die Forschungsarbeit der Universität. Sie stellt keine Auszeichnung der Lehre dar. Im Gegenteil setzt die Universität hier den Fokus nicht eindeutig auf die Forschung, zum Nachteil der Lehre?

Ein praktisches Beispiel: Viele Studierende sind äußerst erbost über die Schließung des dritten Obergeschosses des Hauptgebäudes, wovon vor allem die Institute der philosophischen Fakultät betroffen sind. Sie müssen in den berüchtigten Campus AVZ III, Römerstraße 164, ausweichen;, ein Standort, der bereits mehrmals abgerissen werden sollte. Der Vorschlag, die betroffenen Institute auf das Gelände der ehemaligen Kinderklinik in Innenstadtnähe umzusiedeln, wurde von der Uni abgelehnt. Schließlich ist dieser Standort bereits für die Exzellenzcluster vorgesehen.

Daran, dass es auch in der Lehre Verbesserungsbedarf gibt, dürften weiterhin keine Zweifel bestehen. Es reicht eben nicht aus, in der Forschung zu den besten Hochschulen in Deutschland und der Welt zu gehören. So großartig und euphorisierend der Exzellenztitel auch ist, sollte nicht vielmehr auch nach einer Verbesserung der Bildung gestrebt werden, nach einer Verbesserung in den Bereichen, die noch nicht auf dem Niveau der Weltspitze sind?

Am Ende jedes Semesters sind alle Teilnehmenden einer Veranstaltung dazu aufgerufen, das Seminar, die Vorlesung oder das Tutorium zu evaluieren. Alle kennen die Bewertungsbögen. In der Auswertung dieser Anmerkungen würden sicher einige Verbesserungsvorschläge auftauchen, die es wert sind, umgesetzt zu werden.

Eine exzellente Uni bedeutet für mich nicht ausschließlich eine ausgezeichnete Forschung, sondern vielmehr auch ein qualitativ hochwertiges Lernangebot. Kompetente Dozenten und ein sinnvoller Studienaufbau gehören genauso dazu wie ein breites Veranstaltungsangebot, und das kein Studierender um einen Platz in einem Seminar bangen muss. Statt sich also nur für die Erfolge in der Forschung zu feiern sollte die Uni sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen, sondern weiter an der Verbesserung insbesondere auch der Lehre arbeiten. Selbst wenn dort keine lukrativen Fördergelder augenzwinkernd herüberlächeln.

Bildunterschrift: Exzellenzcluster helfen der Forschung, die Lehre aber leidet oft.