Römisch-Keltische Baustellen

Das Leben in einem historischen Stadtteil

von Carina Heinen

Bonn_Castell_Carina_HeinenBonn Castell, früher Bonn-Nord, gilt als Kern und Ursprung Bonns. Die Straßennamen „Römerstraße“ oder „Augustring“ sind Zeitzeugen der römischen Vergangenheit. Der Stadtteil, welcher seinen Namen dieser verdankt, galt jedoch schon lange vorher als Siedlung der Kelten, welche der Stadt Bonn ihren Namen gaben. Castell entstand ungefähr um 37 nach Christi durch die Gründung eines Legionslagers der Römer namens „Castra Bonnensia“. Es ist also der älteste Stadtteil Bonns. Was unter anderem dazu geführt hat, dass in diesem Jahr wieder viele große Baustellen die Gegend schmücken. Der Grund dafür? Neue Leitungen. Wichtiger erscheint aber, dass diese Baustellen Archäologen dienen, welche in der aufgerissenen Straße nach Überbleibseln früherer Siedlungen suchen. Dennoch hat diese historisch wertvolle Gegend eine sehr gute Infrastruktur. So findet man hier etliche Supermärkte, von Aldi bis Edeka über REWE, sowie Tankstellen, Bäckereien, Ärzte, Apotheken, Bäder, Schulen und Restaurants. Nicht zuletzt bietet Castell die KaiserKarl-Klinik und schließt einige Hallen des Hochschulsports mit ein. Auch uns Studierenden scheint dies zuzusagen. So trifft man beim Flanieren oder anderen Betätigungen in der Öffentlichkeit immer wieder ein bekanntes Gesicht aus der Uni, sowie auf viele Rentner. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass das Augustinum und andere Senioreneinrichtungen hier Platz gefunden haben. Es scheint, als sei hier jede Generation vertreten. Wer wohnt denn auch nicht gerne in dieser Gegend? Hat man zum Beispiel mal vergessen einkaufen zu gehen, so braucht es meist nur einen Katzensprung und schon steht man in einem Restaurant oder in einem Supermarkt, denn hier ist man gut zu Fuß oder mit dem Drahtesel unterwegs. Morgens früh sollte man nämlich neben den hektischen Autofahrern vor allem Acht auf die in Gruppen auftretenden Fahrradfahrer geben. Ach, und man sollte niemals einfach über den Zebrastreifen gehen: Castell dient für einige nur als Durchgang, unter anderem da die Autobahn die nördliche Grenze bildet, und die Baustellen verwirren selbst den sichersten Fahrer. Die Straßenbahn ist hier das schnellste Verkehrsmittel, doch selbst wenn diese einen Aussetzer erleidet, so kann man neben ihr auch den Bus nehmen, welcher seine Routen jedoch aufgrund der Baustellen gerne mal ändert. Es kann also vorkommen, dass man vergebens die richtige Haltestelle sucht. Doch auch dies stellt kein Problem dar: So braucht man nur maximal eine halbe Stunde zu Fuß um zur Innenstadt zu gelangen. Weg von dem kleinen Verkehrschaos in Castell: All dem kann man getrost entgehen, indem man den Rhein besucht, denn dieser bildet die östliche Grenze des Stadtgebiets. Hier trifft man nur auf Radler und Fußgänger und die Entfernung zur Uni ist auch nicht weit. Sucht man im Sommer nach Entspannung und Erfrischung, so sollte man allerdings nicht im Rhein schwimmen gehen, sondern im Römerbad. Wird man mal nach dem Wohnort gefragt, so reicht meist die Antwort „Bonn Castell“ und selbst wenn Nicht-Bonner damit nichts anfangen können, so greift man auf den vorigen Namen „Bonn Nord“, welcher 30 Jahre lang genutzt wurde, zurück. Auch wenn dieser nicht mit der Bonner Nordstadt zu verwechseln ist, denn diese beschreibt einen Stadtteil westlich von Castell. Die „Castra Bonnensia“ ist auch heute noch auf der Landkarte verzeichnet und ist der Grund dafür, dass Bonn Castell als die Wiege Bonns bezeichnet wird. Ob die Archäologen schlussendlich etwas Neues gefunden haben, bleibt offen, ebenso wie die vielen Baustellen. Voraussichtlich bis Anfang 2017.

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