Mediation im Unialltag

Der Koordinator der Projektstelle Konfliktberatung
und Mediation im Gespräch

von Samuel F. Johanns und Laila Riedmiller

chrisitanFalsche oder unzureichende Kommunikation, kulturelle Missverständnisse oder asymmetrische Machtverhältnisse können zu Auseinandersetzungen und Streit führen. Oft gelangen diese Dispute an einen Punkt, ab dem durch emotionale Befangenheit eine konstruktive Konfliktlösung erschwert bis unmöglich wird.
Mediation versucht, Konflikte auf freiwilliger Basis unter Einbeziehung aller Konfliktparteien beizulegen. Die vermittelnde neutrale Person wird Mediator_in genannt und assistiert bei der Kommunikation der Konfliktpartner_innen (Mediant_innen), deckt Fehler in der Kommunikation auf und sucht konstruktive Lösungswege.
Auch die Universität kann wie jeder Ort, an dem Menschen miteinander kommunizieren, ein Ort von Konflikten werden. Genauso werden auch Studierende in Alltagssituationen immer wieder mit Disputen konfrontiert. Um diesen zu begegnen und eine Anlaufstelle für Konflikte und Streitigkeiten zu bieten, wurde im Oktober 2013 die Projektstelle Mediation ins Leben gerufen.
Christian Seiwald, der das Projekt initiiert hat, berät seitdem Studierende bei akuten Konflikten, sei es im Bereich Wohnen, Studium,Geld, zwischenmenschliche Beziehungen aller Art oder Institutionen. Er selbst hat Philosophie, Rechtswissenschaft und Musikwissenschaft in Bonn studiert und zudem eine Ausbildung als Mediator absolviert. Bislang hat er 39 Fälle betreut,die Konflikte konnten in den überwiegenden Fällen beigelegt werden. Falls die entsprechenden Fälle in den anderen Beratungen besser aufgehoben sind (bspw. psychosoziale oder Rechtsberatung), werden diese dorthin weitergeleitet. Zu diesem Zweck besteht eine enge Kommunikation zwischen den verschiedenen Beratungsstellen.
DiagrammDie Studierenden, die das Angebot in Anspruch nehmen, sind keine homogene Gruppe. Etwa  die Hälfte der Mediant_innen haben einen Migrationshintergrund. Dies führt Christian darauf zurück, dass oft sprachliche und manchmal auch kulturelle Unterschiede der Auslöser für Konflikte sind.
Tendenziell wird die Beratung eher von Frauen als von Männern wahrgenommen, die Themen unterscheiden sich aber wenig. Es geht vor allem um WG-Streitigkeiten, Stress in der Uni, Familienkonflikte, Probleme mit Vermieter_innen und gelegentlich Auseinandersetzungen mit Unternehmen (Stichwort Abo-Falle) und Behörden.
Die Projektstelle wird vom AStA bereitgestellt, was in Deutschland ein Alleinstellungsmerkmal ist. Dies hat den Vorteil, dass die Hemmschwelle, die Beratung in Anspruch zu nehmen, wesentlich geringer ist als wenn die Beratung vonseiten der Uni angeboten würde. Der AStA kann als neutrale Stelle besser vermitteln als Institutionen, die möglicherweise selbst Konfliktparteien darstellen. Zudem hat man das Gefühl, dass im AStA das Problem mit Unterstützung anderer Studierender gelöst werden kann.
Obwohl seine Studienfächer auf den ersten Blick nicht viel mit dem Thema Mediation zu tun zu haben scheinen, macht er deutlich, dass insbesondere das Fach Philosophie ihm bei der Mediationsarbeit sehr weiterhilft. Denn wer im Studium tagtäglich mit der Auslegung und Bedeutung von Begriffen umgehen muss, wird feststellen, dass auch viele Konflikte genau darauf basieren, dass verschiedene Menschen unterschiedliche Begriffe unterschiedlich definieren. Auch die Rechtswissenschaft hilft bei der Einschätzung von Konflikten weiter, wenngleich sie in Christians Augen zu wenig auf Ausgleich bedacht ist, sondern darauf, Recht zu bekommen und damit in einem Streit zu gewinnen. Wer sich für die Mediation entscheidet, dem_der können also geistes-und sprachwissenschaftliche Fächer wichtige Schlüsselkompetenzen vermitteln.
Das Feld der Weiterbildung zu Mediator_innen ist sehr unübersichtlich, die Angebote vielfältig, aber nicht immer hilfreich. Daher bietet Christian Interessierten, die mit dem Gedanken spielen, selbst eine Mediationsausbildung zu machen, in seinen Sprechzeiten Beratung zu den verschiedenen Angeboten an. Er selbst hat seine Ausbildung in einem halben Jahr mit Wochenend- und Wochenkursen absolviert und ist der Meinung, dass eine gute Weiterbildung mindestens 160 Unterrichtseiheiten umfassen sollte.
Habt Ihr Konflikte, die euch nicht loslasen und die euch den Alltag erschweren,dann meldet euch bei Christian. Das Angebot steht allen Studierenden (BA, MA, PhD ) der Uni Bonn offen. Auch, wer Interesse hat, sich selbst in der Projektstelle zu engagieren, kann sich gerne
bei ihm melden.

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